Rubigen

Büne und Co. feiern Polo Hofer

RubigenDie Mühle Hunziken ehrt Polo Hofer mit einer Konzertserie. Dass die Initiative von seinen Musikerkollegen ausging, hätte ihn gefreut.

Der verstorbene Übervater Polo Hofer beherrscht in der Mühle Hunziken die Bühne. Vorne an der Rampe stimmt Kuno Lauener den Erinnerungssound an.

Der verstorbene Übervater Polo Hofer beherrscht in der Mühle Hunziken die Bühne. Vorne an der Rampe stimmt Kuno Lauener den Erinnerungssound an. Bild: Franziska Rothenbühler

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Polo Hofer war kein Freund von Ehrungen. Zumal diese ja meist nichts abwerfen – ausser eben Ehre und hässliche Pokale. Pos­tume Würdigungen waren ihm ebenso suspekt. «Drum bring mer Blueme, solang i Fröid cha ha / U nid ersch denn, wen i mues z Bode gah», lautet eine Refrainzeile aus seinem Song «Blueme».

So gesehen sind die fünf prominent besetzten Tributkonzerte, die zurzeit in der Mühle Hunziken laufen, eine Geste an die vielen Fans, die sich nach Polos Tod im letzten Sommer nicht von ihm verabschieden konnten.

Reiche Hinterlassenschaft

Dass die Initiative von seinen Musikerfreunden ausging und diese das Heft selber in die Hand nahmen, um ihm die Reverenz zu erweisen, wäre aber sicher in Hofers Sinn gewesen. Er war einer von ihnen, blühte auf, wenn er bei einer Jamsession die Solos zuteilen konnte, wirkte als «Influencer» und predigte mit Inbrunst das Evangelium von Blues, Soul und Americana.

Wie reich die musikalische und emotionale Hinterlassenschaft von Polo Hofer ist, machte schon der Eröffnungsabend in der Mühle klar. Denn die beiden Bands (Polos letzte Formation «Die Band» und seine langjährigen Begleiter von der Schmetterband) sowie ihre Gäste lieferten nicht nur Hits und Festzeltheuler, sondern suchten nach der Seele des Geehrten.

Büne Huber tauchte bis zum Grund der philosophischen «Stilli Wasser», Marianna Polistena sang den Gospel «Sing es Gebät» («Ds Läbe isch keis Wunsch­konzärt / Ha probiert, im Fyschtere heiter z sy»), und Schmidi Schmidhauser angelte sich treffsicher die nonsenselnde Latinonummer «Nadisna» von Rumpelstilz, die man ewig nicht mehr gehört hat.

Neben solchen Trouvaillen fehlten natürlich die Klassiker nicht. «Eine näme mer no», fand Konzertorganisator Dänu Stöckli im Duett mit Mario Capitanio. Kuno Lauener rockte sich durch «Muschle» und den «Länge Wäg zu dir». Sina bot eine Hühnerhautversion von «Memphis» samt wallisertytscher Predigteinlage und Stelldichein beim Sohn des Pfarrers. Schmidi Schmidhauser wählte eine wei­tere Rumpelstilz-Nummer und trampte mit Rosmarie nochmals zu den Fischernetzen im Süden, wo die Sonne feurig strahlt.

Wermutstropfen

Das Piano-Intro zu «D Rosmarie und i» steuerte Stefan W. Müller bei. Er ersetzte souverän gleich zwei Musiker, die eigentlich für den Abend vorgesehen waren. Rumpelstilz-Pianist Hanery Amman starb letzten Dezember, und Polos langjähriger musikalischer Sparringspartner Hape Brüggemann, der extra für die Konzerte in die Schweiz gereist war, erlitt kurz vor der ersten Probe einen Schlaganfall.

Grosse Worte verlor man nicht, man liess Polo Hofers Songs sprechen.

Brüggemann ist auf dem Weg zur Besserung, doch seine Abwesenheit war ein grosser Wermutstropfen. Überhaupt war dieser erste Abend keine ausgelassene Chilbi, aber auch keine wehmütige Abdankung.

Grosse Worte verlor man nicht, man liess die Songs sprechen. Die Anwesenden schienen sich einig darin, dass Polo ihnen etwas mitgegeben hat, das ihr Leben verändert hat.

Büne Huber erinnerte sich an eine Episode nach einer ausschweifenden Geburtstagsfeier, als er mit Polo an der Bar der Mühle Hunziken stand, man sich gegenseitig die Welt erklärte «und für einen kurzen Moment alles klar und einfach war». Für solche Momente können auch Polo-Hofer-Songs sorgen. Jedenfalls, wenn sie so engagiert und hingebungsvoll gespielt werden wie an diesem Abend zu Ehren ihres Urhebers.

Sämtliche Konzerte sind ausverkauft. SRF zeichnet zwei davon auf und strahlt diese im Sommer aus. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.04.2018, 09:05 Uhr

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