Zölch: Steuererklärung nicht unterschrieben?

Bern

Dass das Ehepaar Zölch jahrelang kein Einkommen versteuert hat, mag merkwürdig klingen. Ein Trick muss aber nicht dahinter stecken. Erstaunlich ist jedoch, dass Elisabeth Zölch die Steuererklärung angeblich nicht unterschrieb.

Mischa Aebi@sonntagszeitung

Die Meldung vom Wochenende hat viele hellhörig gemacht: Das Ehepaar Zölch wies in den Jahren 2001 bis 2005 kein Steuerbares Einkommen aus, obwohl Elisabeth Zölch als Regierungsrätin 250'000 Franken Lohn bezog.

Grundsätzlich kann das durchaus mit rechten Dingen zugegangen sein. Die Firma ihres damaligen Ehemannes war nämlich juristisch gesehen eine Einzelfirma. Bei Einzelfirmen verlangt das Gesetz im Gegensatz zu Aktiengesellschaften keine separate Steuererklärung. Zölchs mussten Einnahmen und Ausgaben der Firma in ihrer privaten Steuererklärung verbuchen. Und: Allfällige Verluste einer Einzelfirma können vollumfänglich einem allfälligen Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit abgezogen werden. Sind die Verluste der Firma grösser als das Einkommen der Ehepartner, wird in der Steuererklärung unter dem Strich kein Einkommen ausgewiesen. Mehr noch: Falls das Einkommen der Volkswirtschaftsdirektorin in einem Jahr tiefer war als die Verluste ihres Mannes, konnte das Ehepaar die Differenz sogar in der Steuererklärung des folgenden Jahres als Abzug verbuchen.

Bei einer AG wäre es anders

Einzelfirmen sind keine Seltenheit: In der Schweiz gibt es rund 145'000 Einzelfirmen und lediglich 80'000 Aktiengesellschaften. Die allermeisten Anwaltskanzleien sind als Einzelfirmen eingetragen. Hätte Franz A.Zölch seine Firma als Aktiengesellschaft oder als GmbH organisiert, wären im Verlustfall keine Abzüge bei der privaten Steuererklärung möglich gewesen. Das Ehepaar Zölch hätte in diesem Fall das gesamte Einkommen der Volkswirtschaftsdirektorin versteuern müssen.

Zwei Unterschriften

Sonderbar ist hingegen, dass die Volkswirtschaftsdirektorin von den Verlusten ihres Mannes nichts gewusst haben will. Grundsätzlich müssen nämlich von Gesetzes wegen beide Ehepartner die Steuererklärung unterzeichnen. Die Steuerverwaltung des Kantons Bern schickt die Steuererklärung allerdings nicht zurück, falls nur ein Ehepartner unterschrieben hat. Sie vertraut auf das Vertrauen unter Ehepartnern. Elisabeth Zölch war gestern nicht erreichbar.

Berner Zeitung

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