Zieglerspital-Notfall: Was Spitalchefs beschönigen

Bern

Das Zieglerspital muss den medizinischen Notfall kurzfristig schliessen. Die Spitalleitung versuchte am Donnerstag die Situation zu beschönigen und verursachte ein Kommunikationschaos.

  • loading indicator
Mischa Aebi@sonntagszeitung

Das Zieglerspital muss den medizinischen Notfall per 1. Mai schliessen. Folge: Die 27 Hausärzte des Notfalldienstkreises Köniz können ihre medizinischen Notfälle ab diesem Datum nicht mehr ins Zieglerspital schicken. Diese kurzfristig beschlossene, bis dahin nicht kommunizierte Schliessung deckte diese Zeitung in der Ausgabe vom Donnerstag auf.

Die Könizer Ärzte wurden erst vor zwei Wochen per Brief über die Schliessung orientiert und sind deshalb laut Ärztegesellschaft des Kantons Bern erzürnt über die Spitalverantwortlichen. Die 27 Hausärzte der Region Köniz erwägen, künftig Verträge betreffend Notfalldienst nicht mehr mit einem öffentlichen, sondern mit einem privaten Spital abzuschliessen. An ihrer Versammlung vom 6. Mai werden sie dies besprechen.

Für Verstauchungen

Die Spital Netz Bern AG, Betreiberin des Spitals, reagierte am Donnerstag mit einer Medienmitteilung auf die Meldung der Berner Zeitung. Sie bestätigte die Schliessung des medizinischen Notfalls des Zieglerspitals. Sie bezichtigte diese Zeitung dennoch einer Falschaussage. Es sei falsch zu sagen, die Notfallstation schliesse. Denn orthopädische Notfälle könne das Spital bis auf weiteres aufnehmen.

Was für die orthopädischen Notfälle gilt, die im Ziegler nach der Schliessung des medizinischen Notfalls am 1.Mai noch übrig bleiben, präzisierte Hans-Peter Kohler, stellvertretender ärztlicher Leiter, gestern auf Anfrage: Das seien «Verstauchungen und Sportverletzungen». Kohler betonte: «Alle anderen Notfälle müssen die Könizer Hausärzte ab dem 1. Mai ins Tiefenauspital schicken.»

Suche nach Ersatz

Der Grund für die Schliessung des medizinischen Notfalls: Das Ziegler wird spätestens am 30. September geschlossen. Die Spitalabteilungen sollten bis dahin ins Tiefenauspital zügeln. Doch der Spitalführung lief die Situation aus dem Ruder. Die Ärzte kündigten abteilungsweise. Bis jetzt bekannt sind die Kündigungen sämtlicher Kaderärzte der Spitalabteilungen Orthopädie und Geriatrie.

Alle sechs Kaderärzte haben eine neue Stelle in der Privatklinik Siloah gefunden. Bei der Geriatrie steht fest, dass die Chefärzte ihre sechs Oberärzte und einen Teil der Pfleger mitnehmen. Auch die Chefärzte der Orthopädie werden aller Voraussicht nach ihre Teams bestehend aus weiteren sechs Oberärzten mitnehmen.

Spital Netz Bern wird in kurzer Zeit neue Ärzte finden müssen. Holger Baumann, Direktor von Spital Netz Bern und Inselspital, räumte gestern gegenüber Radio SRF ein, dass das «nicht leicht fallen» werde. «Aber wir werden diese Mitarbeitenden akquirieren können.»

Personalmangel

Ursache der Knall auf Fall beschlossenen Schliessung des medizinischen Notfalls im Zieglerspital ist gemäss dem Bericht dieser Zeitung vom Donnerstag ein akuter Personalmangel. Die Spitalführung versuchte die Situation in der gestrigen Medienmitteilung zu beschönigen.

«Das Notfallpflegeteam ist komplett und topmotiviert», schrieben die Verantwortlichen dort. Es habe im Team des Notfalls «lediglich eine einzige Kündigung» gegeben. Auf Nachfrage bestätigte der stellvertretende ärztliche Spitalleiter Kohler per Mail dann doch genau das, was diese Zeitung bereits gestern vermeldet hat: «Der Grund für die Schliessung des medizinischen Notfalls», schrieb Kohler, sei «eine Kombination aus Personalmangel und Eigendynamik bei der Bildung der neuen Teams».

Kommen und gehen?

Widersprüchlich sind die Verantwortlichen des Zieglerspitals in einem weiteren Punkt: In der gestrigen Mitteilung heisst es, dass sich Notfallpatienten – unabhängig von der Art des Notfalls – weiterhin beim Zieglerspital melden könnten. Allerdings muss der Notfallpatient dann doch damit rechnen, dass er in ein anderes Spital gebracht wird.

Denn weiter unten in der Mitteilung heisst es: Wenn es sich um einen Notfallpatienten handle, der eine Behandlung in der Inneren Medizin benötige, werde er ab 1.Mai je nach Fallschwere dann ins Spital Tiefenau oder ins Inselspital verlegt.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt