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YB-Chaoten schüchterten Barbetreiber ein

Weil er Ausschreitungen an der YB-Meisterfeier öffentlich kritisierte, bekam ein Barbetreiber ungebetenen Besuch von Vermummten. Einer der Festgenommenen wehrte sich bis vor Obergericht gegen eine DNA-Entnahme – ohne Erfolg.

Am Rand der spontanen YB-Meisterfeier in der Aarbergergasse im April kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Foto: Keystone
Am Rand der spontanen YB-Meisterfeier in der Aarbergergasse im April kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Foto: Keystone

Am 13. April dieses Jahres stand Bern kopf. Zum zweiten Mal in Serie wurde der BSC Young Boys Schweizer Meister. In der Aarbergergasse in Bern entlud sich an jenem späten Samstagabend die Freude darüber in einer spontanen Meisterparty. Einzelne YB-Spieler fuhren mit ihren Karossen vor, Fangesänge wurden skandiert und massenhaft Pyros abgefackelt.

Eine gewaltbereite Gruppe verpasste der Feier jedoch einen negativen Bei­geschmack. Mehrere Vermummte attackierten Polizisten mit Flaschen, Stühlen und Stangen. Sieben Polizeibeamte mussten dadurch ins Spital – unter anderem wegen Hirnerschütterungen, Prellungen oder Zahnschäden. Zwei Personen – ein Mann und ein Jugendlicher – wurden von der Polizei festgenommen. Die Ermittlungen dazu sind immer noch im Gang.

Die Attacken auf die Polizei wurden von der YB-Clubführung aufs Schärfste verurteilt. Auch ein Berner Barbesitzer ärgerte sich offenbar massiv über die Ausschreitungen. Auf der Facebook-Seite seiner Bar echauffierte er sich zwei Tage nach derFeier über die Gewaltausbrüche unter YB-Flagge. Dieser Eintrag sollte nicht folgenlos bleiben, wie ein aktueller Beschluss des Berner Obergerichts zeigt.

Der Racheakt

Noch am selben Abend, gegen 21 Uhr, kreuzten fünf bis sechs vermummte Personen bei der besagten Bar in der Berner Altstadt auf. Die ungebetenen Gäste warfen einen Abfalleimer die Treppe zur Bar hinunter, versprayten die Eingangstür und bedrohten den Barbetreiber. Dies geht aus dem Obergerichtsbeschluss hervor. So wie es scheint, handelte es sich dabei um eine Racheaktion für die kritischen Worte des Geschäftsinhabers.

Die alarmierte Polizei machte kurze Zeit später in einem anderen Lokal in der Innenstadt mehrere Vermummte ausfindig. Diese ergriffen daraufhin sofort die Flucht. Die Beamten kriegten zwei in der Aarbergergasse zu fassen. Diese trugen Vermummungsmaterial und YB-Fanartikel auf sich. Während der Kon­trolle sollen zudem die Polizisten beleidigt worden sein. So steht es in der Stellungnahme der Staatsanwaltschaft. Diese hat in der Folge ein Strafverfahren eröffnet wegen Hinderung einer Amtshandlung, Beschimpfung und Sachbeschädigung.

Die Staatsanwaltschaft verfügte gegen die beiden zudem Wangenschleimhautabstriche zwecks Erstellung eines DNA-Profils. Dagegen wehrte sich zumindest einer der beiden Beschuldigten bis vors kantonale Obergericht. Doch dessen Beschwerdekammer wies die Beanstandung nun als unbegründet zurück. Ob die Beschwerde bis vor Bundesgericht weitergezogen wird, ist derzeit noch offen.

Die Vorstrafen

Die zwei Beschuldigten sind bei den Strafverfolgungsbehörden keine Unbekannten. Laut Staatsanwaltschaft gehören sie zum «harten Kern der teilweise auch gewaltbereiten Fans des BSC YB». Der Mann, der sich gegen die DNA-Entnahme wehrt, ist bereits dreifach vorbestraft – unter anderem wegen Sachbeschädigung sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte. Laut Staatsanwaltschaft geschahen diese Vorfälle allesamt in Zusammenhang mit Fanausschreitungen.

Die Entnahme einer DNA-Probe begründete die Staatsanwaltschaft damals unter anderem damit, dass in der Bar Spuren an einem Glas gesichert wurden, welches von den Tätern berührt worden war. Der Beschuldigte kritisiert diese Rechtfertigung, da der Barbetreiber Strafantrag und Privatklage wegen Sachbeschädigung zurückgezogen habe. Die Beschwerdekammer des Obergerichts pflichtet dem Beschuldigten zumindest in diesem Punkt bei. Warum der Betreiber des Lokals – das im Gerichts­dokument anonymisiert ist – die Anzeige zurückzog, geht aus dem Beschluss nicht hervor.

Der Verdacht

Die Staatsanwaltschaft sieht eine DNA-Entnahme jedoch auch aus anderen Gründen als gerecht­fertigt. Aufgrund seiner einschlägigen Vergangenheit «besteht eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerdeführer früher andere Vergehen begangen hat oder in Zukunft begehen wird», heisst es in der Stellungnahme. Das Obergericht stützt diese Einschätzung. Es bestünden «genügend erhebliche und konkrete Anhaltspunkte», dass der Beschuldigte auch bei den Ausschreitungen anlässlich der Meisterfeier beteiligt gewesen sein könnte.

Das sieht der Beschwerdeführer anders. Bei seinen Vorstrafen aus den Jahren 2013 und 2014 sei intensiv gegen ihn ermittelt worden, auch heute noch dürfte er deshalb auf dem Radar der Behörden sein. Dass er seither nicht mehr verurteilt worden sei, zeige, dass er nicht mehr zu der gewaltbereiten Fangruppe gehöre, so seine Begründung. Damit verflüchtigt sich in seinen Augen der Verdacht, er habe sich auch an den Angriffen auf die Polizei an der Meisterfeier beteiligt.

Diese Argumente überzeugten das Obergericht nicht. «Wenn jemand über Vorstrafen verfügt, bedeutet dies nicht, dass er 24 Stunden pro Tag von der Polizei überwacht wird», hält die Beschwerdekammer fest. Ausserdem seien die Täter bei Ausschreitungen meist vermummt, sodass die Polizei den Beschuldigten gar nicht erkannt hätte, falls er dabei gewesen wäre.

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