YB wirft SVP-Grossrat aus Gönnerklub

Der Berner SVP-Grossrat und Bauunternehmer Stefan Hofer wurde aus dem ex­klusiven Presidents Club des BSC Young Boys ausgeschlossen. Welche Rolle spielte die Migros?

«An einer Sitzung wurde mir erklärt, dass ich auf Druck der Migros aus dem Presidents Club ausgeschlossen werde», erzählt Stefan Hofer.

«An einer Sitzung wurde mir erklärt, dass ich auf Druck der Migros aus dem Presidents Club ausgeschlossen werde», erzählt Stefan Hofer.

(Bild: Andreas Blatter)

Fabian Ruch

Fussballclubs freuen sich über jeden neuen Gönner. So auch der BSC Young Boys, als der Berner SVP-Grossrat und Bauunternehmer Stefan Hofer (Bern) Anfang Juni dem Presidents Club beitrat. Vier Monate zuvor war publik geworden, dass Hofer wegen seiner Vergangenheit als Bordellbesitzer die Kandidatur für den Berner Gemeinderat hatte zurückziehen müssen.

Für den exklusivsten der YB-Donatorenclubs war das allerdings kein Grund zur Absage. Im Gegenteil: In einer E-Mail an Hofer vom 3. Juni zeigte sich «Hospitality Manager» Estelle Bläsi sehr erfreut über das neue Mitglied und stellte Hofer die ­Zusendung des Mitgliederbadges bis spätestens Anfang Juli in Aussicht. Am 27. Juni überwies Hofer dem Klub den Mitgliederbeitrag von 26'000 Franken.

Doch Hofer bekam keine Post von YB. Am 19. Juli fragte er nach dem Grund und staunte über die Antwort: «An einer Sitzung mit YB-Verwaltungsratspräsident Hanspeter Kienberger wurde mir erklärt, dass ich auf Druck der Migros aus dem Presidents Club ausgeschlossen werde», sagt der SVP-Politiker.

Als Druckmittel hätten die beiden Migros-Topkader mit dem Rückzug der rund einen Million Franken gedroht, mit der der Detailhändler den Fussballclub pro Saison sponsort. Anfang August erstattete YB Hofer den Mitgliederbeitrag von 26'000 Franken zurück.

Hofer zeigt Migros an

Hintergrund dieser Intervention sei die Strafanzeige, die er vergangenen Dezember gegen die Migros und die beiden Geschäftsleitungsmitglieder Anton Gäumann und Beat Zahnd eingereicht habe, fährt Hofer fort. Der Vorwurf: Sie sollen Hofer im Rahmen eines Bauprojekts erpresst und genötigt haben.

Konkret geht es um die Wohnüberbauung, die Hofers Honag AG beim ehemaligen Restaurant Löwen gegenüber der Migros-Filiale in Münchenbuchsee baut. Aufgrund von Einsprachen der Migros verzögerte sich das Projekt – der Detaillist wehrte sich unter anderem gegen zwei Velo­unterstände.

Laut Hofer geht es der Migros aber um 39 Autoparkplätze. Der Voreigentümer des Löwen hatte der Migros Aare beim Bau ihrer Filiale einst unentgeltlich Land für die Erschliessung abgetreten. Als Gegenleistung erhielt er das im Grundbuch verbriefte Recht, ausserhalb der Ladenöffnungszeiten 39 der Migros-Parkplätze zu benutzen. Als Hofer die Löwen-Parzelle kaufte, ging diese sogenannte Dienstbarkeit auf ihn über.

Migros klagt gegen Hofer

«Die Migros hatte in Aussicht gestellt, die Einsprachen zurück­zuziehen, wenn ich das Recht auf die Parkplätze aus dem Grundbuch löschen lasse», sagt Hofer. Grund dafür sei, dass der Detaillist seine Filiale in Münchenbuchsee durch einen Neubau inklusive Wohnungen ersetzen wolle. «Da wäre diese Dienstbarkeit ein Hindernis. Mit der Einsprache wurde bezweckt, diese zu ­löschen.»

Schliesslich unterzeichneten die Parteien eine entsprechende Vereinbarung. Hofer hielt sich ­jedoch nicht an seinen Teil und reichte Strafanzeige gegen die Migros ein wegen Erpressung und Nötigung. Die Migros-Verantwortlichen reagierten mit einer Anklage am kantonalen Handelsgericht gegen Hofers ­Honag AG. Beide Verfahren sind derzeit noch hängig.

Dass dieser Streit zum Rauswurf Hofers aus dem Presidents Club von YB geführt hat, be­streitet die Migros Aare. Sprecher Reto Wüthrich: «Die Vorwürfe von Herrn Hofer sind absurd.» Die Migros habe keine Kenntnis davon gehabt, dass er sich um eine Mitgliedschaft bei YB bemüht habe. «Wir haben weder ein Mitspracherecht, noch würden wir jemals Einfluss darauf nehmen, wen YB oder sonst ein von uns gesponserter Sportclub in seine Gremien aufnimmt.»

YB: «Es passt nicht»

Insider bestätigen allerdings, dass der orange Riese durchaus Druck auf YB ausgeübt habe. In seiner offiziellen Stellungnahme klingt der Klub jedoch ähnlich wie der Detaillist: «Die Migros nimmt in keiner Art und Weise Einfluss auf die Besetzung unserer Mitglieder im Presidents Club», schreibt YB-Sprecher Albert Staudenmann. «Im Fall von Herrn Hofer haben wir die Gesamtsituation analysiert und sind zum Schluss gekommen, dass es nicht passt.» Was das konkret bedeutet, will Staudenmann allerdings nicht ­sagen.

Berner Zeitung

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