YB darf seinen Meistertitel nun doch am Pfingstsonntag feiern

Bern

Nun ist es definitiv: Die Meisterfeier der Young Boys findet am Pfingstsonntag statt – obwohl dieser im Kanton Bern eigentlich als hoher Feiertag gilt. Die städtischen Behörden haben ein Schlupfloch gefunden.

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Die Meisternacht vom vergangenen Samstag steckt vielen YB-Fans wohl auch heute noch in den Knochen. Und trotzdem dürfen sie sich bereits auf die nächste grosse Party freuen. Am Mittwoch haben Stadt und Kanton Bern mitgeteilt, dass die offizielle Meisterfeier nun doch am Pfingstsonntag, 20. Mai, stattfinden kann.

Anfang Woche sagte der kantonale Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) noch, dass am hohen Feiertag ein Umzug «juristisch nicht möglich» sei. Das Gesetz über die Ruhe an öffentlichen Feiertagen verbiete nicht-religiöse Veranstaltungen.

«Traditionsreicher Anlass»

Wie kommt es also zur Kehrtwende? Klar, für viele Fans ist YB eine Art Religion. Die Stadt Bern fand aber ein anderes «Schlupfloch». Als einzige Ausnahmemöglichkeit an hohen Festtagen sieht das Gesetz nämlich die Durchführung von «traditionsreichen» Anlässen vor.

Das ist nicht unbedingt naheliegend, wenn man bedenkt, dass der letzte Titel 32 Jahre her ist und es 1986 gar keinen Umzug gab. Im Wankdorfstadion wurde damals der Pokal übergeben, das wars dann. Ältere YB-Fans können sich auch nicht erinnern, dass es bei den vier Titeln zwischen 1957 und 1960 eine Meisterfeier in der Stadt gegeben hätte.

Die Stadt Bern argumentiert allerdings anders. Seit über einem Jahrhundert (nämlich seit 1897) gebe es die Schweizer Fussball-Liga, und der Titel werde traditionell am Ende der Meisterschaft in der jeweiligen Stadt gefeiert. Die letzte Runde der Super League wird dieses Jahr am 19. Mai ausgetragen.

Warum hat sich Hans-Jürg Käser zuerst gegen eine Feier am Pfingstsonntag ausgesprochen? «Wir mussten zuerst ein Gesuch der Stadt haben, das wir prüfen können», sagt er. «Das haben wir gemacht und sind als Aufsichtsbehörde zum Schluss gekommen, dass die rechtliche Einschätzung der Stadt Bern vertretbar ist», so Käser.

Das freut die Stadt. «Das Datum ist ideal», sagt der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP). Es biete genügend Vorlauf für die Organisation und das Abstecken der Rahmenbedingungen.

«Immerhin handelt es sich um einen der grössten Anlässe, den die Stadt Bern in den letzten Jahrzehnten erlebt hat.» Dass am Tag vor der Feier der GP von Bern stattfindet, sei kein Problem. «Im Gegenteil: Vielleicht kann man da sogar von gewissen Synergien profitieren.»

«Das ist die beste Lösung»

Bei YB ist die Freude gross. «Wir führten konstruktive Gespräche mit den Behörden. Diese haben zu einem positiven Resultat geführt. Merci!», sagt YB-Medienchef Albert Staudenmann.

Er spricht von der «besten Lösung», die nun die nächste grosse Party ermögliche. Rechtlich auf jeden Fall unproblematisch wäre der Pfingstmontag gewesen, nur lag der für YB zeitlich zu nahe am Cupfinal YB-FCZ vom 27. Mai.

Voraussichtlich startet die Feier auf dem Bundesplatz. Der Umzug führt dann durch die Innenstadt zum Stade de Suisse, dort gibt es ein grosses Fest mit Unterhaltung und Freinacht. Das ist auch im Sinn von Reto Nause: «Das Stadion bietet die benötigte Infrastruktur und Kapazität.»

Wie «heilig» Pfingsten in Zukunft sein wird, wird sich weisen. Das kantonale Gesetz über die Ruhe an öffentlichen Feiertagen wird zurzeit überarbeitet. So hat es der Grosse Rat verlangt. Künftig sollen die Gemeinden auch an hohen Festtagen unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmen vom Ruhegebot bewilligen können.

So gab der Kanton Bern den Entscheid auf Twitter bekannt:

Die kantonale Finanzdirektorin Beatrice Simon bewies bei der Reaktion auf den Entscheid ihren Sinn für Humor:

ehi/sda

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