XXL-Parkplätze für fette Autos

Die Autos werden immer grösser und breiter. Doch die Parkplätze in den Parkhäusern der Stadt Bern bleiben klein. Mit einer Ausnahme: Das Bahnhofparking bietet seit einem Jahr XXL-Parkplätze.

Extragross: Die XXL-Parkplätze im Berner Bahnhofparking.

Extragross: Die XXL-Parkplätze im Berner Bahnhofparking.

(Bild: Urs Baumann)

Gerade mal 1,60 Meter breit war 1973 der erste VW-Golf. Das derzeit verkaufte Golf-Modell ist 20 Zentimeter breiter – und gehört trotzdem noch zu den schmalbrüstigen Autos. Ein BMW X5 misst 2 Meter. Ohne die Spiegel. Kein Wunder, wird das Parkieren in Parkhäusern immer mühsamer. Und zwar nicht nur für diejenigen, welche selber ein breites Auto besitzen. Auch wer ein schmales Auto fährt, dieses aber schon einmal neben einem dicken Geländewagen abgestellt hat, musste sich anschliessend wohl mit akrobatischen Verrenkungen zur Tür hinauswinden.

Ausser der Parkplatz hatte die Grösse XXL, so wie die zwölf violetten Parkfelder im 3. Geschoss des Berner Bahnhofparkings.Dort stellen die Besitzer von breiten Autos ihr Gefährt ab, könnte man meinen. Doch viel häufiger tun das andere: die, welche ein normales Auto haben, die sich aber nicht von einem überbreiten Auto nebenan am Türöffnen hindern lassen möchten – das heisst zum Beispiel Eltern mit Kleinkindern. Jedenfalls hat Bruno Wägli, Geschäftsführer des Bahnhofparkings, dies festgestellt.

Nur noch XXL ist keine Option

Seit gut einem Jahr gibt es die 3,5 Meter breiten Plätze. Sie sind besser ausgelastet als die übrigen, obwohl sie 4.80 Franken pro Stunde kosten statt 4.20 Franken. Berechnet wird der höhere Tarif automatisch. Eine Kamera registriert schon bei der Einfahrt ins Parkhaus alle Nummernschilder. Fährt der Fahrer auf einen XXL-Platz, speichert das die Kasse und verlangt den höheren Preis.

Bruno Wägli hat im Sinn, schon bald mehr als die bisher zwölf Plätze anzubieten. Nicht infrage kommt für ihn, generell grössere Felder anzubieten. Gäbe es nur noch XXL-Plätze, hätte das Parking nur noch 420 statt 620 Abstellplätze. Wägli fügt hinzu: «Es bringt auch nichts, die Parkplätze nur einige Zentimeter breiter zu machen. Wenn schon, müssen sie richtig grosszügig sein.»

Einigermassen grosszügig sind die normalen Parkplätze in den grossen Berner Parkhäusern derzeit einzig im Neufeld: Ein Feld ist dort 2,85 Meter breit. «Des­wegen brauchen wir keine speziellen XXL-Parkplätze», sagen die Betreiber. In den übrigen Parkhäusern geht es hingegen eng zu und her: 2,45 bis 2,65 Meter breit sind die Plätze im Metro-Parking. Durchschnittlich 2,50 Meter messen die Felder im Casino-Parking. Auch die Normalplätze im Bahnhofparking sind eng, nämlich knapp 2,40 Meter.

Ein Auto, zwei Felder besetzt

Im City-West sind es in der Regel 2,30 Meter. Noch enger sind die Plätze im Rathaus-Parking: Gerade mal 2,20 Meter messen diese. Ein breiter Geländewagen füllt diesen Platz voll aus, wenn man die Rückspiegel dazurechnet. Vergrössern liessen sich die Plätze nicht, sagt Philipp Gehri von der Parkhausbetreiberin Amag. Denn der gezackte Grundriss des Parkings gibt die Anordnung und die Grösse der Parkplätze unabänderlich vor.

Viele Parkfelder in den Berner Parkhäusern entsprechen nicht den heute geltenden Normen (siehe Kasten). Diese schreiben eine Mindestbreite von 2,50 Metern vor. Für die breiten Autos, welche es heute zu kaufen gibt, ist aber auch diese Vorgabe knapp bemessen. Wenn die Fahrer solcher Autos exakt parkieren, können sie ihr Auto zwar innerhalb des Parkfelds abstellen, fürs Türöffnen bleiben dann allerdings nur ein paar Zentimeter übrig.

Einige Fahrer lösen das Problem, indem sie kurzerhand zwei Parkfelder belegen. Das ist zwar verboten. Doch allein im Bahnhofparking werden pro Tag 3500 Fahrzeuge abgestellt. Alle zu kontrollieren, ob sie korrekt abgestellt sind, wäre gar nicht möglich, sagt der Geschäftsführer.

Berner Zeitung

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