Wyss und von Graffenried finden Synergien

Bern

Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) und Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) wollen ihre Ämter besser koordinieren.

Gemeinsames Projekt: Von Graffenried und Wyss.

Gemeinsames Projekt: Von Graffenried und Wyss.

(Bild: Urs Baumann)

Christoph Hämmann

Es sind gute Neuigkeiten für alle, die sich um das Klima im Gemeinderat und insbesondere zwischen Ursula Wyss (SP) und Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) sorgen, die sich noch Mitte Ja­nuar um das Stapi-Amt duellierten.

Good News vor allem auch für alle, die in der Stadt Bern Steuern zahlen: Wyss und von Graffenried sind gewillt, dank einer effizienteren Koordination ihrer Direktionen Ressourcen freizuspielen, die dem notorisch unterdotierten Stadtplanungsamt zugute kommen sollen.

Beide bestätigten sie am Montag entsprechende Recherchen von Bernerzeitung.ch/Newsnetz.«Es geht vor allem um die Abgrenzung von Aufgaben», sagt von Graffenried. «Wir glauben, dass sich mit klareren Zuständigkeiten spürbare Synergiegewinne erzielen lassen.»

So sei es etwa bei bestehenden Plätzen, die umgestaltet oder verkehrstechnisch neu organisiert werden sollen, nicht nötig, dass das Stadtplanungsamt bei der Umsetzung mitwirke.

Fokus auf Kernthemen

Konkret haben Wyss und von Graffenried vier Ämter beauftragt, Zuständigkeiten zu klären, Doppelspurigkeiten abzubauen und Sitzungen personell sowie zeitlich zu entschlacken. Betroffen sind neben von Graffenrieds Stadtplanungsamt drei aus Wyss’ Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün (TVS): Verkehrsplanung, Stadtgrün, Tiefbauamt.

Angeblich sollen auf diese Weise im Stadtplanungsamt bis zu vier Vollzeitstellen frei werden – eine Zahl, die von Graffenried nicht bestätigen mag: «Das Synergiepotenzial lässt sich noch nicht genau beziffern, da es sich um viele verschiedene Teilauf­gaben handelt.»

Auch Wyss will sich nicht auf eine konkrete Zahl festlegen, macht aber klar, dass sich die Übung nur lohnt, wenn sie ordentlich einschenkt: «Es braucht sicher einen gewissen Umfang, damit das Ganze Sinn ergibt.»

Aus dem Stadtplanungsamt ist allerdings bereits zu vernehmen, dass sich nicht alle darauf freuen, Aufgaben an die TVS abzutreten. Als die Idee im Amt bekannt wurde, habe es «Unruhe» gegeben, bestätigt von Graffenried. «Nachdem ich die Idee erläutert hatte, schien es mir aber, als sei sie verstanden worden.»

Wyss wiederum legt Wert auf die Feststellung, dass niemand das Stadtplanungsamt schwächen wolle – im Gegenteil wolle man den einzelnen Ämtern ermöglichen, sich stärker auf ihre Kernthemen zu konzentrieren. «Umstrukturierungen lösen immer auch Ängste aus», so Wyss. «Aber ich bin ­überzeugt, dass alle profitieren können.»

GLP sieht noch mehr Potenzial

Es ist laut Wyss «ganz sicher nicht so», dass ihre Direktion bisher unterbeschäftigt gewesen sei, wenn sie zusätzliche Aufgaben übernehmen könne. «Wir können aber viele Schnittstellen effizienter organisieren.» Ermöglicht werde damit, dass das Stadtplanungsamt vorantreiben könne, was die ganze Stadt von ihm erwarte: Gebietserweiterungen, Stadtentwicklung, neuen Wohnraum.

Bei GLP-Fraktionschefin Melanie Mett­ler, regelmässige Kritikerin des Stadtplanungsamts, rennen Wyss und von Graffenried offene Türen ein. Laut ihr dürfte die Reorganisation sogar noch weitergehen: «Meiner Meinung nach braucht es eine Direktion, in der Stadtplanung und Bau zusammen verhandelt wird.»

Für eine solche Direktion könnte laut GLP die Präsidial­direktion geopfert werden; das Stadtpräsidium übernähmen alternierend die fünf Mitglieder.

Auch zwischen dem Stadtplanungsamt und dem Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik müssten Schnittstellen geklärt werden, findet Mettler. «Da ist auch nicht immer klar, wer wofür zuständig ist.» Dabei widersprächen sich deren Aufträge fundamental: Das Stadtplanungsamt müsse wohnbaupolitische Ziele umsetzen, der Fonds Gewinn erwirtschaften.

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