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Wutrede vor «Tanz dich frei»

Eine Videobotschaft auf der Facebook-Seite von «Tanz dich frei» sorgt für Missstimmung. Ein Mann ruft wütend dazu auf, «heute die Wut auf die Strasse zu tragen» – und stösst auf viel Unverständnis.

Wolf Röcken
Am 25. Mai geht das «Tanz dich frei» in die dritte Runde.
Am 25. Mai geht das «Tanz dich frei» in die dritte Runde.
Die anonymen Organisatoren gaben die Strecke des Tanzumzuges bekannt.
Die anonymen Organisatoren gaben die Strecke des Tanzumzuges bekannt.
Bei der Fussgängerüberführung besteht bei der möglichen Belastung Einsturzgefahr.
Bei der Fussgängerüberführung besteht bei der möglichen Belastung Einsturzgefahr.
Die Brücke müsste daher abgebaut werden...
Die Brücke müsste daher abgebaut werden...
...doch dann sind keine Fluchtwege mehr vorhanden.
...doch dann sind keine Fluchtwege mehr vorhanden.
Solche Szenen sind aufgrund der Baustellen zurzeit nur schwer möglich.
Solche Szenen sind aufgrund der Baustellen zurzeit nur schwer möglich.
Eine Möglichkeit wäre, die Baugruben für das Wochenende zuzuschütten.
Eine Möglichkeit wäre, die Baugruben für das Wochenende zuzuschütten.
Gemeinderat Reto Nause sieht derzeit keine Route durch die Innenstadt, welche ungefährlich wäre.
Gemeinderat Reto Nause sieht derzeit keine Route durch die Innenstadt, welche ungefährlich wäre.
Die Stadträtin Lea Bill stellt sich hinter das anonyme Kollektiv.
Die Stadträtin Lea Bill stellt sich hinter das anonyme Kollektiv.
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Auf der Facebook-Seite von «Tanz dich frei» ist eine wütende Rede aufgeschaltet worden. Ein vermutlich jüngerer Mann redet sich mit leicht heiserer Stimme knapp vier Minuten lang in Rage und fordert zum «Kampf gegen das System» auf. Er beginnt seine Rede mit den Worten «Wem gehört die Stadt?» und ruft dann dazu auf, «heute die Wut auf die Strasse zu tragen». Dafür sei es nicht nötig, um eine Erlaubnis zu betteln. Kein Nause, kein Stadtrat und keine Polizei könne das verhindern.

Die Stadt würde sich nach der freien Marktwirtschaft richten. Dies habe etwa zur Folge, dass in ehemaligen Arbeiterquartieren wie der Lorraine die Mieten viel zu hoch geworden seien. Kommerz, Kapitalismus und Unterdrückung müssten verschwinden. Es gäbe keine Orte mehr ohne Konsumzwang und Zugangskontrollen, «überall im öffentlichen Raum nur noch Verordnungen, Polizei und Broncos». Gegen Ende der Rede ruft der Mann wütend: «Wir bestimmen selbst, was mit der Stadt passiert.»

Heftige Reaktionen auf Facebook

Auf Facebook löst die Rede heftige Reaktionen aus: «Was soll der Scheiss? Das Ganze soll friedlich sein. Die Aggressionen in dieser Rede gehen gar nicht!», schreibt einer. Ein anderer: «Wut muss nicht unbedingt Gewalt heissen.» Oder: «Haha, tönt wie eine Adolf-Rede. Huere peinlich»; «Sorry, aber da kann ich absolut nicht dahinterstehen. Das Thema wurde absolut verfehlt»;

«Wir freuen uns über den Grundgedanken, welchen ihr hegt, das System infrage zu stellen. Ich bin jedoch der Meinung, dass eine etwas positiver formulierte Rede ein besserer Startschuss gewesen wäre.» Ein weiterer Kommentarschreiber meint: «Als würden wir irgendwo in einem schlimmen Land leben. Recht peinlich, unser Land so hinzustellen.» Ein weiterer schreibt: «Ich sage, 90 Prozent von den Leuten, die kommen werden, haben keinen blassen Schimmer, um was es geht! Für sie ist es einfach eine Abwechslung zum Mad Wallstreet.»

Pauli und Berger verurteilen Botschaft

Kulturtäter Christian Pauli meldet auf Facebook, dass es ihm auf die Nerven gehe, dass «Tanz dich frei» nun von allen Seiten als Aggressionsplattform benützt werde. Die Rede tue «richtig weh, schon rein stimmlich». Nachtleben-Aktivist Thomas Berger schreibt in einem Kommentar auf Facebook: «Schade um die Radikalisierung.» Die Videobotschaft höre sich «fast ein wenig an wie damals etwas nördlich vor 80 Jahren», meint Berger: «Ein paar Gänge zurückschalten würde allen guttun.»

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