Würg-Attacke auf ehemalige SP-Stadträtin im Monbijoupark

Ex-Stadträtin Corinne Mathieu störte sich ab der lauten Musik, die vom Monbijoupark in ihre Nachbarschaft drang. Ihre Reklamation nahm allerdings ein äusserst unerfreuliches Ende.

Vom Grillplatz drang der Lärm in Richtung der Wohnblöcke.

Vom Grillplatz drang der Lärm in Richtung der Wohnblöcke. Bild: Enrique Muñoz García

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Der Ärger sitzt tief bei Corinne Mathieu. Am Mittwoch erhielt die ehemalige SP-Stadträtin Post von der Berner Staatsanwaltschaft. Sie teilte Mathieu in dem Schreiben mit, dass sie eine Anzeige von ihr nicht weiterverfolgen werde.

So richtig auf die Palme brachte die studierte Erziehungswissenschafterin vor allem der letzte Satz im Schreiben. Es sei fraglich «ob die Geschädigte durch ein rechtswidriges Verhalten dem Beschuldigten Anlass für die Tätlichkeit gegeben hat». Mathieu findet diese Schlussfolgerung ungeheuerlich. «Dies heisst nichts anderes, als dass die Staatsanwaltschaft Gewaltanwendung in gewissen Fällen legitim findet und sogar noch entschuldigt.»

Der Vorfall ereignete sich Anfang Juni. Laute Musik dröhnte vom Monbijoupark in Richtung Mathieus Wohnung. Es war nicht das erste Mal, dass das Quartier durch Partylärm beschallt wurde, so Mathieu. «Das Problem sind diese lauten mobilen Lautsprecher, die bis zum Anschlag aufgedreht werden», sagt sie. Diverse Male schon alarmierte sie die Polizei und beschwerte sich bei Stadtgrün, der zuständigen Behörde auf der Stadtverwaltung. «Aber zuerst suche ich immer das direkte Gespräch», sagt Mathieu.

Der Fehler mit den Fotos

So war es auch an diesem Sonntagvorabend. Sie habe die drei Parkbesucher höflich gebeten, die Musik abzustellen, da das Abspielen via mobile Lautsprecher verboten sei. Diese reagierten jedoch ohne jegliches Verständnis. Es sei ja noch nicht 22 Uhr, erwiderte einer der Männer.

Da machte Mathieu einen Fehler, wie sie heute zugibt. Sie zückte ihr Mobiltelefon aus der Tasche und machte Fotos von den drei Parkbesuchern. Dass das Fotografieren von Personen ohne deren Erlaubnis verboten ist, wusste sie da noch nicht.

Die Reaktion von einem der Männer sei dann aber völlig eskaliert. «Er fasste mir an den Hals und sagte auf Französisch: Irgendwann bringe ich dich um», sagt sie. Dass sie den Mann missverstanden haben könnte, schliesst sie kategorisch aus. «Ich spreche fliessend Französisch», so die gebürtige Walliserin.

Ohne zu zögern, rief sie nach dem Vorfall die Polizei und reichte Strafanzeige ein.

Aussage gegen Aussage

Der Beschuldigte erzählte der Polizei dann aber eine ganz andere Geschichte. Er habe Mathieu nicht gewürgt, sondern bloss an die Schulter gefasst. Auch habe er sie nicht bedroht, sondern ihr gesagt, «wenn sie krank sei, müsse sie ins Spital». Mathieu konnte es kaum glauben: «Er hat das Blaue vom Himmel gelogen und den Spiess einfach umgedreht.»

Der gebürtige Kongolese sagte gegenüber der Polizei auch, dass Mathieu bekannt dafür sei, dass sie immer die Polizei rufe, wenn Afrikaner im Park seien. Für die SP-Frau ein lächerlicher Vorwurf: «Ich rufe jedes Mal die Polizei, wenn im Park Rambazamba herrscht.» In den letzten Jahren habe es sich zwar meist um Afrikaner gehandelt, aber das habe nichts mit Rassismus zu tun, wie vom Beschuldigten unterschwellig unterstellt.

Was dem Beschuldigten wohl half: Er konnte einen Zeugen aufbieten. Dieser bestätigte zwar, dass der Mann Mathieu am «Oberkörper» weggedrückt habe. Von den Drohungen wollte er aber nichts gehört haben.

Ein neuer Verbündeter

Es steht also Aussage gegen Aussage. Dass die Beweislage nicht eindeutig genug ist für ein Verfahren, könne sie noch verstehen, sagt Mathieu. Dass die Staatsanwaltschaft ihr jetzt aber sogar eine Mitschuld am Vorfall gibt und die Gewaltanwendung damit beinahe rechtfertigt, findet sie unerhört. Sie habe ihren Anwalt kontaktiert, um das weitere Vorgehen abzusprechen. Dieser finde zwar auch, dass der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gar nicht gehe, rät aber davon ab, das Verfahren weiterzuziehen.

Für sie ist aber klar, dass es im Monbijoupark so nicht weitergehen könne. «Ich lebe in der Stadt und nehme dadurch bewusst ein gewisses Grundrauschen in Kauf», sagt Mathieu. «Aber so laute Musik, die das ganze Quartier beschallt, ist zu viel.»

Die Leitung von Stadtgrün stelle sich komplett taub, wenn man sich beschwere, sagt Corinne Mathieu. Immerhin einen Verbündeten im Kampf gegen den Lärm hat sie nun gefunden. Seitens der Gewerbepolizei habe man die mobile Interventionsgruppe Pinto involviert. «Diese ist sehr unterstützend und ­versteht die Problematik», sagt Mathieu.

Ernsthaft beschädigt ist nach diesem Zwischenfall aber ­Mathieus Verhältnis zur Justiz. «Mein Vertrauen in die Berner Staatsanwaltschaft ist nachhaltig zerstört.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.08.2018, 06:22 Uhr

Corinne Mathieu war von 2000 bis 2012 SP-Stadträtin. (Bild: pd)

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