Worb stoppt den Exodus

Worb

Seit Jahren stockt in Worb der Wohnungsbau. Jetzt stehen drei Projekte vor der Ausführung, die total 150 neue Wohnungen bringen werden. Damit dürfte sich die rückläufige Einwohnerzahl zumindest stabilisieren.

Was in Sachen Wohnungsbau möglich ist, hat etwa Ostermundigen gezeigt. Dort entstand im Oberfeld ein neues Quartier mit rund 300 Wohnungen. In Worb blieb solches Wunschdenken. Die Ablehnung der Orts­planungsrevision stellte sich als Hemmschuh heraus. Mangels Einzonungen war kein Bauland mehr verfügbar und damit kein neuer Wohnraum.

Jetzt wendet sich das Blatt – dank vorgezogener Teile der neuen Ortsplanung. Drei grosse Projekte mit insgesamt 150 Wohnungen stecken in der Baubewilligungsphase. Die Bauherren stehen in den Startlöchern. Bremsen die Einsprachen nicht, können sie bald loslegen.

Baubeginn noch dieses Jahr?

An der Bernstrasse, gegenüber dem Restaurant Sternen, entsteht eine Überbauung mit 30 Wohnungen. Die Auflage des Baugesuchs ist vorbei, es ging eine Einsprache ein. Der Baustart sollte ursprünglich im ersten Halbjahr 2016 erfolgen, nun ist frühestens im Herbst damit zu rechnen – sofern die Einsprache nicht weitergezogen wird. Die Zeit drängt, weil im nächsten Jahr die Bernstrasse umgestaltet wird. Der Aushub sollte vorher abtransportiert werden können.

Am westlichen Dorfrand, an der Lauigasse, ist der Wohnkomplex Sunnebode geplant: drei Gebäude mit je 20 Mietwohnungen. Gestern ist die Einsprachefrist zum Baugesuch abgelaufen. Ob Einsprachen eingereicht wurden, lässt sich laut der Bauverwaltung noch nicht sagen. Dies zeige sich in den nächsten Tagen. Bauherrin ist die Burgergemeinde Bern. «Wir möchten möglichst rasch mit dem Bau beginnen», sagt Chris­tophe Chatelet, Leiter Immobilienprojekte. Sofern keine Einsprachen das Projekt verzögern, sollen die Baumaschinen nächsten Frühling auffahren.

Dreiklang unter Zeitdruck

Bereit ist auch die Dreiklang Hofmatt AG. Das Konsortium von Worber Firmen will vor der Eishalle drei Gebäude mit total 60 Eigentums- und Mietwohnungen bauen – den Dreiklang. Auch dieses Projekt war schon öffentlich aufgelegt. Die Einsprache der Wohngenossenschaft Hawo dazu ist noch hängig.

Die Einsprecher verlangen, das Projekt auf dem gemeindeeigenen Grundstück müsse nochmals vors Stimmvolk, weil es sich von dem bewilligten unterscheide. Tatsächlich werden zwei der drei Gebäude höher, als damals geplant. Der Gemeinderat stellt sich auf den Standpunkt, für das geänderte Projekt habe es ein ­öffentliches Planverfahren gegeben, bei dem die Rechtsmittel nicht ergriffen wurden.

Involviert ist die Gemeinde zudem wegen des Parkplatzes auf der Sternenmatte. Diese liegt gegenüber der Wohnsiedlung Hawo und ist als Ersatz für die wegfallenden Parkplätze vor der Eishalle vorgesehen. Das habe mit dem Baugesuch für den Dreiklang nichts zu tun, sagt Gemeindepräsident Niklaus Gfeller (EVP). Die Dreiklang Hofmatt AG steht unter Zeitdruck. Sie hat Verträge mit der Mieterin Aldi, welche 2018 einziehen möchte.

In den letzten vier Jahren wurde in Worb vor allem für den Verkehr gebaut. Die Umfahrungsstrasse ist praktisch fertig und wird am 17. September eingeweiht. Nun folgt der Wohnungsbau. Niklaus Gfeller, der im Gemeinderat das Baudepartement führt, ist «sehr erfreut», dass nun Bewegung in die Sache komme. «Die Ablehnung der Ortsplanungsrevision hat die Entwicklung bös gebremst.»

Schon seit einigen Jahren ist die Einwohnerzahl rückläufig. «Unser Ziel ist, die Bevölkerungszahl mindestens zu halten und möglichst oder sogar um 50 Personen pro Jahr zu erhöhen», so Gfeller. Das sei nur möglich, wenn genügend Wohnraum zur Verfügung stehe. «Mit den neuen Überbauungen können wir den rückläu­figen Trend umkehren.»

Berner Zeitung

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