Wohnen mit Licht und Schatten

Grafenried

Keller sind nicht nur dazu gut, Dinge zu lagern oder Wein kühl zu halten. Manch Untergeschoss wurde zur Wohnung umgebaut. Dominik Studer etwa wohnt gerne in einem Keller.

Was eigentlich eine Bar hätte werden sollen, ist nun Dominik Studers Wohnung. Bilder: Andreas Blatter
Annic Berset

Idyllisch ist es gelegen, das Haus in Grafenried, wo der 25-jährige Dominik Studer mit seinen Eltern wohnt. Wenn er nach Hause kommt, geht er aber selten durch die Vordertür, sondern steigt die Treppe zur Waschküche hinunter. «Hier habe ich meinen eigenen Eingang zur Wohnung», erklärt er. Was früher der Keller des Hauses war, ist vor gut fünf Jahren zu einem Studio unter der Erde geworden. «Ich wollte schon lange etwas aus diesen Räumen machen. Erst hatte ich die Idee, eine Bar zu bauen, das fanden meine Eltern aber nicht so toll», sagt Studer.

Deshalb habe er mit seiner Familie und mithilfe eines Architekten beschlossen, das Soussol auszubauen und sich darin wohnlich einzurichten. «Ich habe selber geplant, wo ich was haben wollte, und alles am Boden aufgezeichnet. Dann konnte ich damit beginnen, Wände ab- und Böden rauszureissen.» Das habe von allem am meisten Spass gemacht, findet der Ver­sicherungsberater. Zum Glück seien die sanitären Anschlüsse schon vorhanden gewesen, das habe es leichter gemacht, das Bad einzubauen.

Kühl und trocken

Und auch mit den Lichtverhältnissen in der Kellerwohnung gibt es keine Probleme, das Zimmer ist hell, auch wenn man nicht wirklich nach draussen sehen kann. Weshalb ist das so? «Damit mehr Sonnenlicht in die Wohnung kommen konnte, haben wir den Hang vor dem Kellerfenster abgetragen», sagt er.

Ausserdem habe er statt zwei kleineren Räumen einen grossen daraus gemacht. «Sonst wäre es wirklich zu dunkel gewesen», so Dominik Studer weiter. Als Dämmung hat er einen Korkboden eingesetzt.

Direkt an der Strasse

«Es hat definitiv Vorteile, hier unten zu wohnen.» Die Temperaturen seien fast immer gleich, im Sommer heize sich das Studio nicht gross auf, und im Winter bleibe es dank der Isolierung so warm wie im Rest des Hauses. «Was aber schon ein bisschen nervt, ist der schlechte Empfang hier unten», gibt er zu bedenken. Wirklich schlimm sei das aber nicht. Und man merkt, dass er sich pudelwohl fühlt in seinen vier Wänden unter der Erde. Nicht alle haben so gute Erfahrungen mit ihren Soussol-Wohnungen gemacht.

Etwa Max Bentley, der in der Stadt Bern im Untergeschoss wohnt, findet mehr Nach- als Vorteile für seine Wohnung. «Die einzigen Fenster befinden sich direkt auf der Höhe der Strasse, und man kann sie nicht einmal ganz öffnen», erklärt der 27-Jährige.

Ausserdem könne jeder, der vorbeilaufe, direkt in die Wohnung reinsehen. «Deshalb lässt man zum Schutz der Privatsphäre die Läden lieber gleich unten.» Hinzu komme auch noch, dass die Wohnung nicht wirklich billig ist. «Ich habe aber im Moment nichts anderes gefunden», führt Bentley aus. Und bei einem Punkt pflichtet er Dominik Studer bei. «Im Sommer ist es hier wirklich herrlich kühl.»

Mehr Einnahmen mit Keller

Weshalb Keller zu Wohnungen umgebaut werden, ist für Fabienne Schnider, Immobilienbewirtschafterin bei Immoplus AG, klar: «Der Besitzer kann so mehr Wohnraum anbieten und hat auch mehr Ertrag.»

Vielfach würden die Soussol-Unterkünfte zu günstigeren Preisen angeboten und seien so unter anderem für Studenten attraktiv. «Und häufig mieten sich auch Gewerbe in die Räume ein.»

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