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Wo Salz Gold wert ist

Hinter der Türe des Autobahnwerkhofs herrscht Hochbetrieb, wenn es draussen eiskalt ist.

Wenn hier der Alarm losgeht, muss der Winterdienst auf die Berner Autobahnen ausrücken.
Wenn hier der Alarm losgeht, muss der Winterdienst auf die Berner Autobahnen ausrücken.
Raphael Moser

Drinnen im Büro ist es ziemlich warm wegen der vierzehn Bildschirme, die an der Wand über einem grossen Tisch hängen. Von hier aus leiten Martin Rösti und sein Team den Winterdienst auf den Nationalstrassen im Kanton Bern.

Das Büro ist nur 15 Quadratmeter gross und befindet sich am Schermenweg in Bern-Wankdorf. Nicht im Verkehrsprüfzentrum oder im Strassenverkehrsamt, sondern im topmodernen Autobahnwerkhof. Der Neubau ist im Juni eröffnet worden.

Frühwarnung vor Glatteis

Im Stock über der Fahrzeugwerkstätte befindet sich die BLZ, die Betriebsleitzentrale. Wer hier arbeitet, muss aufgrund der Daten auf den vielen Bildschirmen entscheiden, ob die Streufahrzeuge in der Nacht ausrücken müssen. Und damit auch, ob er die Pikettleute wecken muss, wie Martin Rösti sagt.

Das ist in diesen Tagen oft nötig. Wichtigste Entscheidgrundlage sind die Daten von gut 30 Messstationen. Verteilt auf das Berner Autobahnnetz, erfassen die in den Strassenbelag eingelassenen Sonden die Bodentemperatur.

Sinkt die Temperatur unter den Taupunkt und unter 0 Grad Celsius, bildet sich auf der Autobahn Reifglätte. Nähern sich die Messwerte dem kritischen Bereich, erscheinen auf den Bildschirmen Alarmmeldungen. Stets berechnet das System für jede Messstation, wie stark der Gefrierpunkt mit Streusalz respektive Salzsole noch gedrückt werden könnte, um die Eisbildung zu verhindern.

Gegen Reifglätte versprühen die Autobahnmeister seit einigen Jahren nicht mehr pures Salz, sondern eine Sole: Wasser mit einem Salzgehalt von 23 Prozent. «Diese Sole verteilt sich besser auf dem Strassenbelag als Salzkörner, welche zudem schnell aus den Fahrspuren gewirbelt werden», erklärt der Betriebsleiter. «Salz streuen wir bei Niederschlag, wenn sich Schnee auf der Autobahn ansetzen kann.» Splitt ist schon lange ein Tabu.

Die Daten aus dem Sondensystem übermittelt die Betriebsleitzentrale an die Meteogroup. Der Wetterdienst erstellt zusammen mit seinen Wetterwerten eine Prognose. Diese erscheint auf einem anderen Bildschirm in Form einer Agenda mit farbigen Feldern für die nächsten 36 Stunden: Grün bedeutet zum Beispiel trocken und Blau Regen. Rot warnt vor Schnee.

Viele Kameras

Auf weiteren Bildschirmen sind die Aufnahmen von Videokameras an neuralgischen Stellen auf dem Autobahnnetz zu sehen. Die meisten verfügen über Infrarotkameras. «So sehen wir auch in der Nacht, wo es schneit», sagt Rösti.

Eisglätte erkenne man aber auch mit diesen Kameras nicht, dafür brauche es die Temperaturdaten. Steuern lassen sich von der BLZ aus auch Lüftungen in Autobahntunnels, Beleuchtungen und die Tempolimiten auf gewissen Abschnitten.

Das Netz der Nationalstrassen im Kanton Bern misst im Moment rund 170 Kilometer. Es reicht von der A1 bei Kriegstetten bis zur A8 auf dem Brünigpass. Die kantonale Autobahn Schönbühl–Biel und die Autostrasse von Spiez zum Autoverlad in Kandersteg kommen auf Anfang 2020 hinzu.

Martin Rösti, Gebietsleiter beim Nationalstrassenbetrieb. Foto: Raphael Moser
Martin Rösti, Gebietsleiter beim Nationalstrassenbetrieb. Foto: Raphael Moser

Für den Winterdienst auf den übrigen Strassen sind die lokalen Strassenmeister verantwortlich. Sie können sich für die Alarmierung bei der Betriebsleitzentrale für die Nationalstrassen anhängen.

Allein im Autobahn-Werkhof Bern leisten 30 Personen Winterdienst. Hinzu kommen 19 Personen in Spiez und 8 in Interlaken. Weitere 38 Personen arbeiten im Kader, in der Administration, als Spezialisten und als Elektrofachpersonal.

Die Fahrzeugflotte umfasst gut dreissig Fahrzeuge. Wo sich diese befinden, kann die BLZ auf einem weiteren Bildschirm genau verfolgen. Die Fahrzeuge sind per GPS-Navigationssystem erfasst: «Wir sehen, wo sie sind, wie lange sie schon im Einsatz sind, wo sie Sole versprüht und wo sie den Pflug angesetzt haben», sagt Rösti.

Autobahn blockiert

Was sind besonders schwierige Situationen? Auf der Grauholz-Nordrampe kommt es bei Wettereinbrüchen aus Nordwest mit Schneefall laut Rösti schon mal vor, dass ein Lastwagen mit Sommerpneus stecken bleibt, abrutscht, quer zur Fahrbahn zum stehen kommt und den Verkehr blockiert.

Mithilfe der Polizei wird das Fahrzeug dann gesichert und die Schneeräumung in der Gegenrichtung ausgeführt. Der Verkehr muss dabei umgeleitet werden, bis die Autobahn in Richtung Bern wieder freigegeben werden kann.

Für diesen Winter sieht Rösti seine Abteilung so gut gerüstet wie noch nie. Auch weil beim neuen Werkhof im Wankdorf drei Salzsilos stehen. Es sind die grössten derartigen Salzlager für Strassendienste in Europa. Die darin eingelagerten maximal 2700 Tonnen Salz reichen aus, um drei Viertel des durchschnittlichen Bedarfs in einem Winter zu decken.

Was sich hinter dieser Tür im Berner Inselspital verbirgt, erfahren Sie im letzten Bericht unserer Serie: Die Adventstür vom 24. Dezember.
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Christian Pfander
Durch diese gfürchige Tür dürfen nur wenige gehen. Wer das ist, erfahren Sie hinter der Adventstüre vom 23. Dezember.
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Florine Schönmann
Hinter dieser Tür im Erlacherhof befindet sich das Sitzungszimmers der Stadtregierung. Wie es dort aussieht, lesen Sie hier: Adventstüre vom 1. Dezember.
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Beat Mathys
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