Wo noch die Bauern das Sagen haben

Bolligen

Im Gegensatz zu anderen Landis gehört die landwirtschaftliche Genossenschaft Bolligen noch zu 100 Prozent den einheimischen Bauern. Der Traditionsbetrieb besteht seit 125 Jahren – und braucht nun dringend mehr Platz.

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Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Landi Bolligen kaum von anderen Landis. Längst kaufen hier nicht mehr nur Bauern ein. Längst ist der Laden zu einer Art Supermarkt geworden, in dem vom Wein über den Freizeitschuh bis zum Fernsehgerät so ziemlich alles erhältlich ist.

Auf den zweiten Blick aber gehört die Landi Bolligen zu einer langsam aussterbenden Gattung. Immer mehr landwirtschaftliche Genossenschaften fusionieren zu AGs, bei denen der Fenaco-Konzern das Sagen hat. Die Landi Bolligen dagegen ist so eigenständig wie bei der Gründung vor 125 Jahren. Natürlich profitiert auch sie vom gemeinsamen Einkauf mit den anderen Landis. Alle strategischen Entscheide fällen aber die 68 Genossenschafter – 48 aktive und 20 ehemalige Bauern aus Bolligen.

8,5 Millionen Umsatz

Geschäftsführer Martin Brand nimmt eine Schachtel mit alten Fotos hervor und erzählt, wie die Genossenschaft gegründet wurde: als Selbsthilfeorganisation der Landwirte. Früher zogen sogenannte Umbieter von Bauernbetrieb zu Bauernbetrieb, um die Bestellungen aufzunehmen: Saatgut, Dünger und dergleichen, die zu möglichst günstigen Konditionen eingekauft und weitergegeben wurden. Im Gegenzug konnten die Bolliger Landwirte ihre Kartoffeln und ihre übrigen Erzeugnisse über die Landi an Dritte weiterverkaufen.

Heute zählt die Landi Bolligen dreizehn Mitarbeitende und erzielt einen Jahresumsatz von 8,5 Millionen Franken. Die Genossenschafter profitieren immer noch vom günstigeren, da gemeinsamen Einkauf von Dünger, Pflanzenschutzmitteln oder Futter. Umsatzmässig hat der Verkaufsladen den Agrarhandel aber längst überholt. «Die Trendwende setzte vor ungefähr 25 Jahren ein», berichtet Martin Brand. Seither kamen immer mehr Nichtlandwirte in den Laden.

Der erste Rasenmäher

Um den Bedürfnissen der neuen Kunden gerecht zu werden, nahm die Landi Bolligen 1990 zum Beispiel den ersten Rasenmäher ins Sortiment auf. Das Gerät stand ziemlich lange im Lager – «als es verkauft war, haben wir aus lauter Freude eine Flasche Wein geöffnet», erzählt der Geschäftsführer. Heute gehören die Schweizer Landis zu den Rasenmäher-Marktführerinnen.

Vor 15 Jahren hat die Bolliger Genossenschaft den Laden von 80 auf 600 Quadratmeter vergrössert. Doch heute reicht auch das hinten und vorne nicht mehr. Zudem hat es laut Martin Brand viel zu wenige Parkplätze, und der Wareneingang sei zu wenig vom Kundeneingang getrennt. Deshalb sind die Verantwortlichen seit Jahren auf der Suche nach einer grösseren Lösung.

Beim Ortseingang, vis-à-vis dem Rothusschulhaus, prüften sie zusammen mit Lidl einen Neubau. «Nach ersten Abklärungen hat sich aber gezeigt, dass die Umzonung chancenlos ist», sagt Brand. Auch alle anderen geprüften Standorte zerschlugen sich: beim Gartencenter Wyss, in der ehemaligen Kartonfabrik Deisswil und so weiter. Beim Coca-Cola-Areal hat die Landi Interesse angemeldet und seither nichts mehr gehört (siehe Kasten).

Neue Konkurrenz

So geht die Suche nach Lösungen weiter. Eine Idee sei bereits fortgeschritten, aber noch nicht spruchreif, sagt Martin Brand. Zudem verhandelt die Landi seit einiger Zeit über einen Neubau beim Bahnhof – mit der Gemeinde, die hier ein neues Dienstleistungszentrum bauen möchte.

Allerdings seien noch wichtige Fragen offen, sagt Gemeindepräsident Rudolf Burger (Bolligen Parteilos). Insbesondere die Verkehrsfrage. Schon das Studentenwohnheim und die über zwanzig Wohnungen, die derzeit im Bau sind, werden für Mehrverkehr im Bahnhofgebiet sorgen. Durch einen Landi- und Gemeindeneubau käme weiterer dazu. Also hat die Gemeinde ein Verkehrsgutachten ausarbeiten lassen. Die Ergebnisse sollen bald präsentiert werden.

Ebenfalls beim Bahnhof öffnet am 11. August der neue Migrolino-Shop. Sorgen macht sich Landi-Geschäftsführer Martin Brand deshalb nicht. «Konkurrenz ist immer auch ein Ansporn», sagt er. Ein Ansporn zum Beispiel, das Platzproblem zu lösen.

Berner Zeitung

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