Wo lohnt sich Solarstrom noch?

Die Gemeinde Lyss unterstützt Pläne für eine Fotovoltaikanlage, die über eine Genossenschaft ­finanziert werden soll. Aber nicht überall lohnen sich solch kleine Solaranlagen finanziell.

MIt der Kraft der Sonne kan auf einfach Art Strom produziert werden, doch kleine Solaranlagen lohnen sich nicht immer finanziell.

MIt der Kraft der Sonne kan auf einfach Art Strom produziert werden, doch kleine Solaranlagen lohnen sich nicht immer finanziell.

(Bild: Andreas Fäsller)

Die Energiewende ist ein grosses Thema im Seeland. In Lyss soll es nun jedem ermöglicht werden, auch ohne eigene Dachfläche selber Solarstrom zu produzieren. Möglich wird dies mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Werkhof, der gerade gebaut wird.

Die Gemeinde prüft mit dem Verein Solarplattform Seeland die Gründung einer Solargenossenschaft für Bau und Betrieb der Anlage. Diese soll in einzelne Anteile unterteilt und allen Lysser Einwohnern und Organisationen zum Kauf zugänglich gemacht werden. Die Gemeinde will sich ebenfalls als Mitglied in die ­Genossenschaft einbringen. Das Projekt wird an der Lysspo vom 6. bis 9. April vorgestellt.

Solarplattform Seeland

Der Verein Solarplattform Seeland wurde 2013 von den Gemeinden Biel, Brügg, Lyss und Nidau gegründet und präsentiert sich als Kompetenzzentrum für Solarenergie sowie Ansprechpartner für Hausbesitzer, Produzenten sowie private Solarstrombezüger. Ziel des Vereins ist es, als unabhängige Instanz für energiepolitische Aspekte zu agieren und als regionale Ansprechstelle zwischen Parteien zu vermitteln. «Es wäre natürlich ideal, wenn jeder aktiv zur Energiewende beitragen könnte», sagt Präsidentin Maja Bühler Gäumann.

Der Genossenschaft will der Gemeinderat das Dach des Werkhofs kostenlos zur Verfügung stellen. Zudem verpflichtete er sich, jährlich rund 30 000 Kilowattstunden (kWh) Strom direkt ab dem Dach zu beziehen.

Steigende Tendenz

Die Gesamtkosten für die Anlage belaufen sich auf rund 220 000 Franken. Sie wird jährlich 115 000 kWh produzieren können und somit den Bedarf von 28 Haushalten decken. Anteilscheine können für 2500 Franken gekauft werden. Profitieren wird die Genossenschaft vor allem von der hohen Einspeisevergütung durch die Energie Seeland AG (Esag). Diese zahlt für Solarstrom rekordverdächtige 16 Rappen pro kWh, davon 8 Rappen für den Herkunftsnachweis.

Bei der Esag begründet man die hohe Vergütung damit, lokalen Produzenten nachhaltiger Energie unter die Arme greifen zu wollen. Da das Stromangebot der Esag zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie bestehe, wolle man lokale Produzenten fördern, so Marketingleiter Renato Mantese. Man werde den Tarif in den nächsten Jahren zwar senken müssen. Das liege aber nicht an den Marktverhältnissen, sondern daran, dass immer mehr ­Solarstrom produziert werde und man die Rückvergütung ab einem gewissen Punkt schlichtweg nicht mehr finanzieren könnte (siehe Grafik).

Sinkende Einspeisetarife

In der Schweiz erzeugen heute rund 70 000 Fotovoltaikanlagen Strom. Davon wird ein grosser Teil ins lokale Verteilnetz gespeist. Da Solarpanels immer billiger werden, senkt der Bund regelmässig die kostendeckende Einspeisevergütung. Für neue Anlagen liegt sie zwischen 13 und 16 Rappen pro kWh, wobei die Vergütung während 20 bis 25 Jahren garantiert ist. Für viele Kleinanlagen gibt es jedoch seit 2014 nur noch eine Einmalvergütung, die maximal 30 Prozent des Investitionsbetrags beträgt.

Seit diesem Jahr erhalten Produzenten im Gebiet der BKW eine Vergütung von einheitlich 4 Rappen pro Kilowattstunde Solarstrom. Das ist schweizweit Tiefstwert. Die BKW begründet dies mit einer gedeckten Nachfrage nach zertifiziertem Solarstrom, genannt Energy Green. Zudem habe die BKW als Zwangskunde von Solarstromproduzenten das Problem, den Strom auch dann kaufen zu müssen, wenn man ihn nicht brauche, so BKW-Chefin Suzanne Thoma. Die ­Situation sei anders bei Ener­gieunternehmen, die Teil einer ­Gemeinde- oder Kantonsverwaltung sind, so wie dies in Lyss der Fall ist. Dort zahle letztlich der Steuerzahler die höhere Vergütung für Solarstrom, weil die Gewinnausschüttungen der Energiewerke schrumpfen würden.

Trotz sinkender Preise für Panels reicht es bei einem Einspeisetarif, wie ihn die BKW anbietet, nicht, um Anlagen innert zwanzig Jahren amortisieren zu können. Im Grossen Rat sind Vorstösse hängig, wonach der Kanton die BKW zwingen soll, mehr für Solarstrom zu zahlen.

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