Wo ist das «Kulturprozent» geblieben?

Ostermundigen

Die Gemeinde Ostermundigen wollte die Bauherrin des Bären-Hochhauses dazu bringen, 1 Prozent der Bausumme in die Kultur zu investieren. Daraus wird nun nichts.

Zukunftsmusik: So könnte der Platz vor dem Bären-Hochhaus dereinst aussehen. Die Halter AG will dafür 500000 Franken investieren.

Zukunftsmusik: So könnte der Platz vor dem Bären-Hochhaus dereinst aussehen. Die Halter AG will dafür 500000 Franken investieren.

(Bild: zvg)

Markus Zahno

Wie die Idee entstanden ist, lässt sich nicht mehr zweifelsfrei eruieren. Fakt ist aber, dass die Gemeindebehörden mehrfach davon gesprochen haben: Die Bauherren des geplanten Bären-Hochhauses sollten 1 Prozent der Bausumme für die Kunst im öffentlichen Raum respektive für die Kultur einsetzen. Bei einer Investitionssumme von ungefähr 150 Millionen wären das 1,5 Millionen Franken.

Doch in der Überbauungsordnung für das Bären-Areal, die am 29.November vors Volk kommt, ist von diesem «Kulturprozent» keine Rede mehr. Das sei bedauerlich, fand Bruno Grossniklaus (parteilos) während der Hochhaus-Debatte im Gemeindeparlament. Eine Antwort, was mit dem Prozent passiert ist, erhielt er an jenem Abend nicht.

Halbe Million für den Platz

Das Prozent sei nicht ganz verschwunden, erklärt Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos) auf Anfrage. Man habe sich mit der Bauherrin, der Halter AG, auf einen Kompromiss geeinigt. Demnach investiert Halter zusätzlich 500'000 Franken in die Gestaltung des öffentlichen Platzes vor dem Hochhaus. So steht es im Infrastrukturvertrag, den die Gemeinde und die Bauherrin nach neunmonatigem Ringen abgeschlossen haben. In diesem Vertrag ist auch geregelt, dass die Gemeinde jährlich 35000 Franken an den Unterhalt des Platzes zahlt und für das Bären-Areal 4,6 Millionen Franken Mehrwertabschöpfung erhält.

War die «Kulturprozent»-Idee am Schluss bloss ein PR-Gag, ein Mittel, damit die Öffentlichkeit dem Hochhausprojekt von Anfang an wohlgesinnt ist? «Nein», antwortet Thomas Iten dezidiert. «Wir sind froh, die 500'000 Franken für den öffentlichen Platz zu bekommen.» Das sei sinnvoller, als eine 1,5 Millionen Franken teure Skulptur vor das Hochhaus zu stellen. Zudem sei kein privater Bauherr verpflichtet, der Öffentlichkeit ein «Kulturprozent» zu spendieren. Anders ist dies bei der Gemeinde Ostermundigen selbst: Wenn sie baut, setzt sie freiwillig 1 Prozent der Bausumme für die Kunst am Bau ein.

Bevölkerung redet mit

Wie die 500000 Franken für den öffentlichen Bären-Platz eingesetzt werden, ist noch unklar. «Ideen gibt es viele», erklärt Thomas Lüthi, Projektleiter bei der Halter AG. Denkbar seien zum Beispiel vorinstallierte, in den Boden versenkbare Elektro- und Wasseranschlüsse, die Veranstaltungen auf dem Platz zugutekämen. Noch sei es aber zu früh für die Detailplanung; diese beginne erst nach der Volksabstimmung vom November.

Andere Ideen, etwa ein grosses Wasserspiel wie auf dem Berner Bundesplatz, werden wohl kaum realisiert. Weil sie zu teuer sind. «Heute kostet bereits ein guter Spielplatz 500'000 Franken», sagt Gemeindepräsident Thomas Iten. Zudem gelte es bei einem öffentlichen Platz viele Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen: Manche Leute wünschen sich Bäume, weil diese Schatten geben. Andere sind gegen Bäume, weil diese bei Veranstaltungen im Weg sind. Die Bevölkerung wird bei der Platzgestaltung so oder so mitreden können – das hat das Ostermundiger Parlament der Halter AG zur Auflage gemacht.

Berner Zeitung

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