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Wo die Dorffasnacht serbelt – und wo sie floriert

Nebst der dominierenden Langenthaler Fasnacht konnten sich im Oberaargau in den letzten Jahren einige namhafte Dorffasnachten etablieren. Allerdings gibt es auch Orte, wo das närrische Treiben eher einem Trauerspiel gleicht.

Die Blächsuger sind zwar 40 Jahre alt, die meisten Mitglieder aber  wesentlich jünger.
Die Blächsuger sind zwar 40 Jahre alt, die meisten Mitglieder aber wesentlich jünger.
Thomas Peter
Die Flötemadli begeistern immer wieder mit grossartigen Ideen, wie hier mit Karl Lagerfelds Catwalk.
Die Flötemadli begeistern immer wieder mit grossartigen Ideen, wie hier mit Karl Lagerfelds Catwalk.
Thomas Peter
Die Bärenbande: Früher trug der Bär noch Jute statt Fell.
Die Bärenbande: Früher trug der Bär noch Jute statt Fell.
Thomas Peter
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Klar, keine Dorffasnacht im Oberaargau kann es mit jener Kultureruption aufnehmen, die heute Nachmittag in Langenthal offiziell losbricht. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Blick auf die umliegenden Gemeinden, denn: Es gibt Fasnachten im Oberaargau, die schlagen sich recht wacker. Einige blühen gar auf. Kurz: Die Fasnacht findet zwar hauptsächlich, aber längst nicht nur in Langenthal statt.

Grosser Zulauf in Bleienbach

Eine Ortschaft, deren Fasnacht an Attraktivität gewonnen hat, ist Bleienbach. Gemeindepräsident Daniel Benevento spricht von einer «deutlichen Aufwertung», wenn er zurückblickt. Es gab Jahre, da zog die lokale Guggenmusik Chlepf-Schitter mehr oder weniger unbeachtet durchs Fliegerdorf. Mittlerweile jedoch lockt der samstägliche Umzug zahlreiche Schaulustige an den Strassenrand. Darunter viele Eltern, deren Kinder an der Spitze der Formation mitlaufen. Die Kostüme fertigen die Jungfasnächtler unter Anleitung an. Motivierte Mütter aus dem Dorf führen seit heuer das Bastelprojekt weiter, das die Guggenmusik ins Leben gerufen hat.

Als Publikumsmagnet etablierte sich in den letzten Jahren zudem der neu lancierte Apéro für die Dorfbevölkerung in der Frohburg. Der Saal der Dorfbeiz platzt aus allen Nähten, wenn anschliessend die Schnitzelbankgruppe Fatal Roial auftritt. Gut halten konnte sich bis heute auch der Maskenball. «Über zu wenig Besucher können wir uns wirklich nicht beklagen», sagt Daniel Dubach, der bis vor einem Jahr die Chlepf-Schitter präsidierte. Bleienbach profitiert davon, dass am Fasnachtsfreitag in Langenthal noch nicht wirklich etwas los ist – mal abgesehen vom Gönnerabend.

Roggwil im Aufschwung

Ihren Nutzen aus dem Fasnachtsfreitag in Langenthal weiss auch die Knaller-Clique in Roggwil zu ziehen. Seit drei Jahren zeichnet sich die Gruppierung nun für die Organisation der Dorffasnacht verantwortlich – und vermag gerade mit ihrer freitäglichen Fasnachtsparty neben Fasnächtlern aus dem Dorf stets auch Guggen von auswärts anzuziehen. «Weil die Guggen während des Gönnerabends in Langenthal nicht auf der Strasse spielen dürfen, kommen sie gerne zu uns», weiss Knaller-Mitglied Simon Lüdi.

Aber auch der Fasnachtsumzug am Samstag erfreue sich einer eher wachsenden Teilnehmerzahl. Stolze 21 Gruppen marschieren heute Nachmittag mit – darunter auch rund zehn Wagencliquen sowie eine Schulklasse und die Spielgruppe. Einzig der Maskenball am Samstagabend, sagt Lüdi, habe nicht mehr richtig funktioniert. Dabei beklagen die Organisatoren aber nicht etwa fehlende Besucher. Im Gegenteil: «Gerade bei der Dorfbevölkerung ab 35 Jahren kommt unsere Fasnacht sehr gut an», sagt Lüdi. Weil die Besucher nicht mehr in Vollmaskierung erscheinen, lade man aber nicht mehr zum Maskenball, sondern einfach zur Party mit Tanzmusik.

Der Fasnacht soll dies keinen Abbruch tun, wie Lüdi versichert: «Wir wollen die Dorffasnacht weiter erhalten.» Und auch in Langenthal wird die Knaller-Clique am Ende nicht gefehlt haben: Am Sonntagmorgen werden ihre Mitglieder zwar erst noch die Roggwiler Turnhalle putzen müssen. Danach aber geht es auf nach Langenthal, wo sie bis am Montagabend weiterfeiern.

Im Abschwung: Buchsi

Verschiedene Fasnachtsrezepte ausprobiert und wieder verworfen hat man in Herzogenbuchsee. Aus dem Schränzer-Obe wurde vor zwei Jahren ein Ball, der den gemässigten unter den Fasnächtlern mehr behagte, aber dennoch bescheidenen Zulauf verzeichnete. Darauf sollte ein Charivari im alten Schlachthaus im vergangenen Jahr Attraktivität schaffen – alleine die Tatsache, dass es keine zweite Ausgabe gibt, spricht Bände.

Alteingesessene und über alle Massen angefressene Fasnächtler gibt es in Buchsi wohl, sie beklagen alle dasselbe Übel: dass der Nachwuchs nicht von Kindesbeinen an über die Schule an das Brauchtum herangeführt wird. Die spür- und sichtbare Abwertung der Buchser Fasnacht macht sich auch personell bemerkbar.

Die Motivation im eingeschworenen Kreis schrumpft – weil das Engagement rund um die fünfte Jahreszeit auf immer weniger Schultern verteilt wird. Aus der (Mitglieder-)Not heraus klopften die Buchsi-Schränzer bei der Langenthaler Fasnachtsgesellschaft (LFG) an, um 2014 in Langenthal mitzutun – ein Schritt, der Anfeindungen in Buchsi nach sich zog.

Heuer ist die Gugge eine Partnerschaft mit den Langenthaler Extremgurglern eingegangen, die ebenfalls mit Lücken in ihren Reihen zu kämpfen haben. Gemeinsam bestreiten sie beide Fasnachten. Gerüchten nach sollen sie danach die Fusion perfekt machen.

Den Mahnfinger hält indes die Fasnachtsclique Buchsi-Oenz auf, wie die «Buchsi Zytig» berichtete: Sie verkündete den temporären «Teilrückzug» heuer unter dem Motto «Mir mache Pouse». Ihre Mitglieder sind zwar heute am Umzug mit einem Wagen, verzichten ansonsten aber und führen auch die Füürwehr-Bar nicht.

Boom in Wiedlisbach

Die Fasnacht in den drei Berggemeinden Rumisberg, Farnern und Wolfisberg liegt komplett in den Händen der Bättlerchuchischrecken. Vom Maskenball über die Kinderfasnacht bis hin zum Wirten – die 13-köpfige Schnitzelbankgruppe kümmerte sich um alles. Seit diesem Jahr jedoch müssen die Bergler auf die Schrecken verzichten.

«Wir haben uns aufgelöst», teilt die ehemalige Präsidentin Karin Meyer auf Anfrage mit. Viele ältere Mitglieder, die seit der Gründung dabei waren, hätten sich im letzten Jahr entschieden aufzuhören. «Zurück blieb nur noch eine kleine Gruppe.» Die Bättlerchuchischrecken waren in den 80er-Jahren gegründet worden, zu einer Zeit, als es in den Berggemeinden in Sachen Fasnacht kaum Bewegung gab. 2014 hatte die Gruppe ihr 30-jähriges Bestehen feiern können.

Komplett auf eine Fasnacht verzichten müssen die Berggemeinden in diesem Jahr aber trotzdem nicht. Laut Karin Meyer hat eine Gruppe von Müttern aus Rumisberg die Organisation der Kinderfasnacht am Samstagnachmittag in die Hand genommen, während die Jungmannschaft den Maskenball am Samstagabend organisiert.

Des einen Freud ist des anderen Leid. «Wir profitieren davon, dass die Fasnacht am Berg stark rückläufig ist», sagt Ramona Kurt von der Heregäägger-Zunft in Wiedlisbach. Schon seit rund drei Jahren sei zu beobachten, dass immer mehr Fasnächtler vom Berg am Freitagabend, aber auch am Samstag den Weg ins Städtli finden. Nicht zuletzt diesem Zuwachs sei es zu verdanken, dass die Wiedlisbacher Fasnacht zuletzt einen regelrechten «Boom» bei den Besucherzahlen habe verzeichnen können.

Das passt ins Bild: Vor rund drei Jahren haben die Heregäägger und die Stedtlihüpfer gemeinsam die Interessengemeinschaft Fasnacht gegründet. Diese verfolgt das Ziel, der Wiedlisbacher Fasnacht neuen Schwung zu geben.

BZ/khl/cd/paj/swl

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