Zum Hauptinhalt springen

Wirtschaftsleute fordern mehr Gehör

Fünf Wirtschaftsverbände haben ­am Donnerstag ihre Forderungen für die Zeit von 2019 bis 2022 ­präsentiert. Es geht ihnen vor vor allem auch darum, in der Berner Stadtpolitik mehr ­Resonanz zu erhalten.

Das Grossaufgebot: Claude Thomann (Berner Arbeitgeber), Bernhard Emch (HIV Region Bern), Uwe E. Jocham (Berner Arbeitgeber), Adrian Haas (Hauseigentümerverband Bern und Umgebung), Thomas Balmer (Gewerbeverband Stadt Bern) und Sven Gubler (Bern City) im Käfigturm.
Das Grossaufgebot: Claude Thomann (Berner Arbeitgeber), Bernhard Emch (HIV Region Bern), Uwe E. Jocham (Berner Arbeitgeber), Adrian Haas (Hauseigentümerverband Bern und Umgebung), Thomas Balmer (Gewerbeverband Stadt Bern) und Sven Gubler (Bern City) im Käfigturm.
Susanne Keller

Wirtschaftsverbände stossen in der Stadtberner Politik mit ihren Anliegen selten auf offene Ohren. Die bürgerlichen Parteien sind im Stadtrat klar in der Minderheit. Seit den Wahlen von 2016 sind sie nur noch mit Reto Nause (CVP) in der Stadtregierung vertreten. Und im Stadtrat stellt sich das rot-grüne Lager bei ­bürgerlichen Vorstössen zumeist taub. Doch die Wirtschaftsvertreter stecken nicht auf und wollen sich trotz allem mehr Gehör verschaffen.

Am Donnerstag haben die Chefs von fünf Wirtschaftsverbänden ihre Forderungen präsentiert. Wort­führer war ­Adrian Haas, Präsident des Hauseigentümerverbands Bern und Umgebung. Der FDP-Grossrat wies auf die ­grosse Bedeutung der Stadt und der ­Region Bern hin: «Ungefähr die Hälfte des Volkseinkommens des ­Kantons wird hier erwirtschaftet», ­betonte er. Doch: «Bern hat noch viel Potenzial, man muss es nur gut nutzen», fügte er an.

«Die Stadt Bern soll eigene privatwirtschaftliche Tätigkeiten ­unterlassen.»

Thomas Balmer,Gewerbeverband Stadt Bern

Gegen Konkurrenz der Stadt

Die Wirtschaftsvertreter stellten die bekannten Forderungen: ­Tiefere Steuern, weniger Staat im Wohnungsbau, freie Fahrt auf den Hauptachsen und eine solide Finanzpolitik. Besonders scharf kritisierten sie die Rolle der Stadt als Wirtschaftsakteurin. «Sie soll eigene privatwirtschaftliche ­Tätigkeiten unterlassen», forderte Thomas Balmer vom städtischen Gewerbeverband.

Dafür führte er mehrere Beispiele an: «Die Stadtgärtnerei ­beschäftigt etwa 200 Mitarbeiter. Ein Grossteil von ihnen führt Arbeiten aus, die auch private Gärtnereibetriebe im Auftrag ausführen können», ­sagte er. Er könne sich vorstellen, dass die Stadtgärtnerei ihre Aufgaben auch mit 50 Mitarbeitern erfüllen könnte, wenn sie konsequent Aufgaben extern vergebe. «So lässt sich auch das Problem lösen, dass die Stadtgärtnerei im Winter viel weniger Arbeit hat als im Sommer», führt er weiter aus.

Balmer stört sich auch an der Rolle des Energieversorgers EWB, welcher der Stadt Bern ­gehört: «Sind EWB-Mitarbeiter bei einem Neubau involviert, schlagen sie den Bauherren vor, gewisse Arbeiten durch die EWB-Tochterfirma Bären Elektro ausführen zu lassen.» Das sei zum Nachteil der Konkurrenten, die sich in privater Hand befinden.

Kritik am Weingut

Und schliesslich führte Balmer noch ein eher anekdotisches Beispiel für seine Forderungen an: «Die Stadt Bern besitzt am ­Bielersee ein Rebgut. Und fast ­jedes Jahr fliesst eine halbe ­Million Franken für Anschaffungen an den Betrieb», kritisierte er. Laut der Stadt sind die Ausgaben tiefer. Um wie viel, konnte die Stadtverwaltung am Donnerstagnachmittag aber nicht eruieren.

Das offene Ohr des Stapi

Und wie beurteilen die Wirtschaftsvertreter die Arbeit von Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL)? Wirtschaftskreise hatten ihn bei seiner Wahl stark unterstützt. Dies in der Hoffnung, dass die Wirtschaft in der Stadtregierung so mehr Gehör findet: «Er bringt von seiner Arbeit bei Losinger Marazzi her ein Verständnis für Wirtschaftsfragen mit.

Er hat erlebt, was es heisst, in einem Unternehmen zu arbeiten», sagte Adrian Haas. Um dann anzufügen: «Die Frage ist, ob er sich mit seinen Ansichten auch in der Stadtregierung durchsetzen kann. Da hat er den Tatbeweis noch nicht erbracht.»

Thomas Balmer, Präsident des Gewerbeverbands der Stadt Bern, stellte einen Vergleich zwischen von Graffenried und ­seinem verstorbenen Vorgänger an und kam zu einem positiveren Schluss: «Bei Alexander Tschäppät sind wir beispielsweise mit unserem Anliegen, dass es einen neuen Car­terminal braucht, jeweils abgeperlt. Seit wir mit Alec von Graffenried im Gespräch sind, läuft etwas.»

Auch Uwe E. ­Jocham, Präsident der Berner Arbeitgeber sowie Chef und Präsident des Inselspitals, gab von Graffenried für dessen Hörverstehen gute Noten: «Bei Treffen mit dem Stadtpräsidenten wird das aktive Gespräch gepflegt. Es findet ein Austausch statt.»

Damit lässt sich das Fazit ­ziehen: Zumindest bei einem von vier rot-grünen Gemeinderäten stösst die Wirtschaft nicht auf taube Ohren.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch