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Wirrwarr um ein neues Schulmodell

Die Gemeinde will in zwei Jahren ein neues, eigenes Schulmodell ein­führen – das Modell «Mün­singen». Noch weiss fast ­niemand von diesen Plänen.

Das neue Schulmodell «Mün­singen» soll im Sommer 2020 eingeführt werden.
Das neue Schulmodell «Mün­singen» soll im Sommer 2020 eingeführt werden.
Urs Baumann

Im letzten Dezember traf der Münsinger Gemeinderat einen wegweisenden Entscheid: In der Volksschule Münsingen soll auf der Sekundarstufe 1 künftig nach einem neuen, eigenen Schul­modell unterrichtet werden. Es heisst ganz einfach Schulmodell «Münsingen».

Die Grünen erfuhren an ihrer Mitgliederversammlung im Januar von den Plänen – «zufällig», sagt Parlamentarier Andreas Wiesmann. Die Parteimitglieder liessen sich daraufhin von Roger Kurt, dem Leiter der Münsinger Bildungsabteilung, ins Bild setzen. Was sie zu hören bekamen, gefiel ihnen nicht.

«Wir waren ernüchtert», sagt Wiesmann. Er stört sich nicht nur am geplanten Modell, das er als alles andere als fortschrittlich und integrativ betrachtet. «Wir waren auch sehr überrascht, dass Münsingen selber etwas zusammenbasteln will.»

Und schliesslich ist Wiesmann auch erstaunt, dass bis jetzt kaum Details zum neuen Modell bekannt geworden sind. An der letzten Parlamentssitzung brachte er das Thema zur Sprache und machte es damit öffentlich.

Seit Anfang Jahr ist Gemeinderat Urs Baumann (SVP) für die Bildung zuständig. Als im Dezember 2017 der Entscheid gefällt wurde, war er noch nicht im Amt. Nun sagt er: Das neue Modell sei damals deshalb nicht bekannt gemacht worden, weil zuerst das Feinkonzept sowie ein Kommunikationskonzept hätten ausgearbeitet werden müssen. Sie sollen im Herbst 2019 genehmigt werden. Danach erst will der Gemeinderat die Öffentlichkeit informieren.

«Wir waren auch sehr überrascht, dass Münsingen selber etwas zusammenbasteln will.»

Andreas WiesmannParlamentarier (Grüne)

Dem neuen Modell gehe ein langer Prozess voraus, sagt Baumann. Begonnen habe er 2015 mit dem Auftrag der Schulkommission an die Sek-Schulleiter, das bestehende Modell zu überprüfen. Diese hätten später auch die Mitglieder des Elternrats, Schüler und Lehrpersonen mit einbezogen und ein Positionspapier an die Schulkommission geschickt.

Die Kommission habe daraufhin einen Antrag an den Gemeinderat gestellt, sagt Baumann. Dieser entschied sich schliesslich für das neue Modell «Münsingen». Es soll im Sommer 2020 eingeführt werden.

Das alte Modell

Der Kanton Bern kannte für die Stufe der 7. bis 9. Klasse bis in diesem Sommer fünf offizielle Schulmodelle. Münsingen unterrichtete aber schon seit einiger Zeit und bis heute nach einem eigenen Modell, genannt 2+. Es orientiert sich am Modell 2, bei dem Sek und Real getrennt sind, ebenso der Unterricht in Deutsch, Französisch und Mathematik. Doch im Gegensatz dazu ermöglicht das Modell 2+ eine höhere Durchlässigkeit.

Ein Niveauwechsel ist während der ganzen Volksschulzeit jederzeit möglich. In Einzelfällen ist auch der Besuch eines Hauptfachs in einem anderen Niveau möglich. Zudem arbeiten Sek- und Realklassen in Projekten, Projektwochen oder Angeboten der Schule, zum Beispiel Natur und Technik, zusammen.

Weiterhin getrennt

Mit dem seit diesem Sommer geltenden Lehrplan 21 wurden die offiziellen Schulmodelle aufgehoben. Jede Schule kann nach einem eigenen Modell unterrichten. Die Gemeinden können entscheiden, ob sie die Sekundarstufe 1 «durchlässig», also mit Niveauunterricht, oder «nicht durchlässig», also mit getrenntem Unterricht in den Hauptfächern Deutsch, Französisch und Mathematik, organisieren.

Das Modell «Münsingen» funktioniert wie folgt: Real- und Sekundarklassen werden weiterhin getrennt geführt. «Innerhalb des Klassenzimmers ist aber Niveauunterricht möglich», sagt Baumann. So soll zum Beispiel eine Schülerin der Realschule den Deutschunterricht in ihrer Realklasse im Sekniveau besuchen können. Umgekehrt kann ein Sekschüler in seiner Klasse bleiben, auch wenn er im Deutsch Realunterricht erhält.

«Diese Lösung halte ich für durchaus sinnvoll», sagt Baumann. Sie sei auch für die Lehrer angenehmer, als wenn sie immer in durchmischten Klassen unterrichten müssten. «Aus unserer Sicht ist es ein innovatives und zukunftsorientiertes Modell.»

Ein anderer Wunsch

Parlamentarier Wiesmann sieht das allerdings anders. «Ich wünschte mir, dass man sich für ein durchlässiges Modell ohne separate Klassen entscheidet.» Das sei ihm genauso wichtig wie eine offene Kommunikation. Es bestehe ein Informationsdefizit. «Ich hoffe, dass jetzt breit darüber diskutiert wird», sagt er.

Im Gegensatz zu den Grünen erfuhren die anderen Parteien erst durch die Anfrage im Parlament vom Modellwechsel. Doch selbst nach der Sitzung und den Erklärungen durch den Gemeinderat war die Verwirrung gross.

Auf die Frage, wann er von der geplanten Neuerung erfahren habe, sagte ein Politiker: «Ein neues Schulmodell? Das wäre mir aber neu.»

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