Wird der Umwelttag wegen Formel-E-Rennen verschoben?

Gemüseanbau und Rennboliden: Passt das zusammen? Der Gemeinderat findet, ja, will aber nichts erzwingen.

Die Formel E kommt am 22. Juni 2019, just am Umwelttag, nach Bern.

Die Formel E kommt am 22. Juni 2019, just am Umwelttag, nach Bern.

(Bild: Keystone)

Michael Bucher@MichuBucher

Der Berner Umwelttag – das bedeutet gemeinsames Gemüseanpflanzen und -kochen, naturkundliche Familienspaziergänge, Kleidertauschbörsen, kurzum: einen von Quartiervereinen getragenen, kleinen Anlass, der zum Engagement für die Umwelt anregen soll.

Der E-Prix 2019 – das bedeutet durchs Quartier rasende Rennboliden, spektakulären Wettkampf, Grid-Girls, kurzum: einen Grossanlass der internationalen Motorsportszene. Gesponsert von kapitalstarken Grossunternehmen wie Julius Bär und ABB.

Passen diese zwei Anlässe, die nächstes Jahr beide am 22. Juni vorgesehen sind, zusammen? Darüber zermartern sich derzeit die Organisatoren des Berner Umwelttages den Kopf. 

Entscheid Mitte November

Ein Knackpunkt ist die ideologisch aufgeladene Frage, wie nachhaltig ein Autorennen ist, dessen Wagen zwar mit elektrisch betriebenen Motoren ausgestattet sind, dessen Austragung jedoch einer logistischen Herkulesaufgabe gleichkommt. SP und Grüne haben sich bereits klar positioniert: «Unter dem Deckmantel der Förderung grüner Technologien soll ein Grossanlass durchgeführt werden, der alles andere als nachhaltig ist», finden etwa die Sozialdemokraten. Die Grünen haben gar eine Petition gegen die Durchführung des Formel-E-Rennens lanciert.

«Ich begrüsse die Debatte über die Chancen und Herausforderungen der Elektromobilität», sagt Adrian Stiefel, Leiter des städtischen Amtes für Umweltschutz. Sein Amt, konkret die Nachhaltigkeitsfachstelle namens Lokale Agenda 21, koordiniert den Umwelttag. Inhalt und Programm gestalten die vielen Vereine aus der Quartierbevölkerung in ehrenamtlicher Arbeit. Stiefel bestätigt, dass eine mögliche Verschiebung des Umwelttages ein Thema sei: «Wir und die involvierten Quartiere machen derzeit eine Auslegeordnung.» Mit einem Entscheid sei erst Mitte November zu rechnen.

Ein Problem könnten die fehlenden Alternativen werden. Denn an den restlichen Wochenenden im Juni stehen bereits Auffahrt, Pfingsten und der Frauenlauf an. Infrage käme noch der 29. Juni. Später wird es wegen der Sommerferien wiederum kritisch, da die meisten ehrenamtlichen Kräfte in den Ferien weilen.

«Eine verpasste Chance»

Einer, der nichts gegen eine Zusammenlegung der beiden Anlässe hätte, ist Reto Nause. «Der E-Prix wird ein technologieaffines Publikum anziehen, das sich insbesondere auch für Innovationen und Initiativen im Bereich der Elektromobilität, der Energiegewinnung und der erneuerbaren Energiequellen interessieren dürfte», sagt der Sicherheitsdirektor der Stadt Bern. Die Gelegenheit beim Schopf packen und ein Zusammengehen der beiden Anlässe in die Wege leiten will der Gemeinderat aber nicht. «Der Berner Umwelttag ist bewusst ein Veranstaltungsprojekt, das von den Quartieren respektive den Anwohnerinnen und Anwohnern bestimmt wird, und das soll auch so bleiben», hält Nause fest.

Die beiden Anlässe nicht zu verknüpfen, fände Stadtrat Maurice Lindgren (Junge Grünliberale) «eine verpasste Chance». Er war einer der Ersten, die sich für ein Formel-E-Rennen in Bern aussprachen. Aus ideologischen Gründen eine Verschiebung ins Auge zu fassen, wäre seiner Meinung nach «bedenklich», ja gar ein «fragwürdiges Zeichen». «Ein Anlass, der die nachhaltige Mobilität so prominent in Szene setzt, passt doch perfekt zu einem Umwelttag», so Lindgren.

Ähnlich argumentiert sein Stadtratskollege Tom Berger von den Jungfreisinnigen. Er findet, die beiden Veranstalter sollten die Synergien nutzen. «Destruktive Kritik bringt nichts, der E-Prix findet so oder so statt», so Berger. Stattdessen sollten in seinen Augen die Gegner des Rennens die grosse Bühne nutzen, um auch kritische Stimmen zur propagierten Nachhaltigkeit des Grossanlasses zu platzieren. «So kann eine gute Auseinandersetzung mit dem Thema stattfinden», ist Berger überzeugt. 

Berner Zeitung

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