«Wir wollen zurück auf den Mond und dort auch bleiben»

Er wuchs in Heiligenschwendi auf und ist heute Wissenschaftsdirektor der US-Raumfahrtbehörde Nasa: Thomas Zurbuchen über seinen Bezug zur Schweiz und Donald Trumps Raumfahrtpläne.

Nasa-Wissenschaftsdirektor Thomas Zurbuchen verbringt einige Tage in Bern und stellt sich unseren Fragen. Video: Quentin Schlapbach

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Thomas Zurbuchen hat an diesem Dienstag ein dichtes Programm. Zuerst hält er einen Vortrag an der Universität Bern, später am Gymnasium in Thun. Zu beiden Orten hat er einen engen Bezug. Zurbuchen wuchs in Heiligenschwendi oberhalb des Thunersees auf und studierte an der Uni Bern Physik und Mathematik, wo er 1996 in experimenteller Astrophysik promovierte.

Nach seinem Studium zog es ihn in die USA. An der University of Michigan unterrichtete er «Space Science and Aerospace Engineering». Und seit Oktober 2016 ist er Wissenschaftsdirektor der US-Raumfahrtbehörde Nasa in Washington D.C. Dort entscheidet er jährlich über ein Budget von 6 Milliarden Dollar und ist verantwortlich für rund 10'000 Forscherinnen und Forscher. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit seiner Familie in der Nähe vor Washington.

Hier folgt die transkribierte Form des Videointerviews.

Herr Zurbuchen, Sie sind in Heiligenschwendi aufgewachsen und heute Wissenschaftsdirektor der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Was haben Sie noch für einen Bezug zur Schweiz?
Thomas Zurbuchen: Meine ganze Familie lebt hier. Ich probiere deshalb so oft wie möglich hierher zu kommen. Meist ist das ein- oder zweimal pro Jahr. Jedes zweite Jahr kommt meine ganze Familie mit.

Wie reist ein Nasa-Chef eigentlich an? Linienflug, Privatjet, Spaceshuttle?
(lacht) Es war ein ganz normaler Linienflug. Meist sitze ich hinter einem Computerbildschirm und bereite mich für einen Vortrag vor.

Solch einen Vortrag hielten sie gerade vor den Studierenden der Universität Bern. Die Schweiz ist nicht gerade bekannt als Raumfahrtnation. Wie schätzen Sie den Forschungsstandort Schweiz in diesem Bereich ein?
Die Schweiz hat unglaublich viel Geschichte in Sachen Raumfahrtforschung. Das erste Experiment auf dem Mond, das Apollo-Programm, wurde in der Schweiz erfunden und gebaut. Auch heute hat weltweit jede zweite wichtige Mission Schweizer Teile an Bord, auch Missionen der Nasa. Die Schweiz ist also noch immer sehr wichtig in der weltweiten Forschung auf diesem Gebiet und im Vergleich zu ihrer Grösse überproportional vertreten.

Stehen die Chancen der Studierenden hier an der Uni Bern gut, dass sie eines Tages wie Sie bei der Nasa landen?
Absolut. Als ich an der Uni Bern meinen Master machte, baute ich einen Teil eines Nasa-Satelliten, der heute immer noch fliegt. Auf der ganzen Welt gibt es wahrscheinlich weniger als 20 Universitäten, wo dies möglich ist. In Bern ist dies immer noch der Fall.

Sie sind seit 13 Jahren amerikanisch-schweizerischer Doppelbürger. Ihr neuer Präsident Donald Trump hat angekündigt, dass die USA wieder auf den Mond wolle. Ist das so kurzfristig möglich?
In den letzten zehn Jahren waren wir mit unseren Astronauten in der Space Station, ein paar Hundert Kilometer oberhalb der Erdoberfläche. Davon wollen wir tatsächlich weg. Wir wollen wieder tiefer in den Raum, näher zum Mond und ultimativ auch wieder auf den Mond. Der Unterschied ist, dass wir nicht einfach Fussspuren und Flaggen auf dem Mond hinterlassen wollen. Das haben wir alles schon gemacht. Wir wollen zurück auf den Mond und dort auch bleiben. Das wird nur möglich sein, weil andere Länder und auch Firmen, die Milliarden investieren, dasselbe Ziel haben und uns dabei unterstützen.

Von welchem Zeithorizont sprechen wir da? Fünf Jahre? Zehn Jahre?
Ich gehe davon aus, dass wir mit dem Programm, das ich derzeit aufbaue, in ein oder zwei Jahren wieder mit Robotern auf dem Mond sein werden. Mit Leuten werden wir innerhalb von ein paar Jahren um den Mond eine Station aufbauen und lernen, wie sich Astronauten im tiefen Raum über lange Zeit hinweg verhalten können. Diese Erkenntnisse werden unglaublich wichtig sein, wenn wir Ende der der 2030er-Jahre mit Astronauten zum Mars wollen.

Auf dem Mars gibt es extreme Temperaturunterschiede. Wie realistisch ist eine solche Mission heute?
Fast alles, was wir bei der Nasa machen, ist beim ersten Mal darüber nachdenken absolut unrealistisch. Genau deshalb machen wir es. Wir haben viele Probleme, bei denen wir uns heute noch nicht sicher sind, wie wir sie lösen wollen. Aber wir haben Lösungsansätze. Und einer oder mehrere dieser Lösungsansätze werden erfolgreich sein. Ist es realistisch: Absolut.

Gibt es etwas, das Sie bei jedem Besuch in der Schweiz machen und auf das Sie sich im Vorfeld jeweils freuen?
Meine Bratwurst habe ich gestern bereits gegessen, das Gipfeli heute Morgen. Das Einzige, das ich jetzt noch brauche, ist eine Käseschnitte. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.08.2018, 17:06 Uhr

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