«Wir nehmen beide Geld ein»

Adventstüre vom 21. Dezember

In Bümpliz arbeiten die kantonale Steuer­verwaltung und der Archäologische Dienst unter einem Dach. Es gibt erstaunliche Parallelen.

Was haben Steuerverwaltung und Archäologischer Dienst gemeinsam – ausser dass sie sich den Personaleingang teilen? Bilder: Nicole Philipp

Was haben Steuerverwaltung und Archäologischer Dienst gemeinsam – ausser dass sie sich den Personaleingang teilen? Bilder: Nicole Philipp

Sandra Rutschi

Hinter dem Personaleingang an der Brünnenstrasse 66 liegen Knochen im Keller. Derweil wird in den Büros in den oberen Stockwerken das Geld beschafft, das den Kanton Bern am Leben hält. Die Chefs dieser Institutionen stehen beim Eingang: Claudio Fischer (43), der kantonale Steuerverwalter, in Anzug und Krawatte. Und Adriano Boschetti (46), der Kantonsarchäologe, in Hemd und grauem Pullover. Regelmässig treffen sie sich zum Mittagessen in der Kantine. Auch, wenn es nicht viele Berührungspunkte gibt: Sicherheitsfragen, aber auch der Weihnachtsapéro und das Eiertütschen an Ostern gehören dazu.

Kantonsarchäologe Adriano Boschetti (links) und Steuerverwalter Claudio Fischer betrachten Skelettstücke.

Seit 2006 sind der Archäologische Dienst und die Steuerverwaltung im ehemaligen Hauptsitz der Gfeller AG (später Ascom) in Bümpliz unter einem Dach. Davor waren beide Abteilungen auf mehrere Standorte in der ganzen Stadt verteilt. Etwa 550 Leute arbeiten bei der Steuerverwaltung an der Brünnenstrasse, beim Archäologischen Dienst gut 50. «Wir sind der kleine Bruder», sagt Boschetti, während er das Treppenhaus zu den Kellergeschossen betritt. «Es ist logisch, dass ihr dort unten seid», sinniert Fischer. «Bei euch geht es ja ums Graben.» Das weiss er seit seiner Kindheit: Fischers Mutter war Archäologin. Sie war oft in Norditalien am Graben.

Kisten bis unters Dach

Grabungsbilder zieren denn auch die Wände im Treppenhaus, die zum Lager und zu den Arbeitsräumen der Archäologie führen. Boschetti betritt einen Raum, in dem Skelettstücke auf die Untersuchung warten. Aus dem Radio in der Ecke klingt leise AC/DC-Musik. Ein Mitarbeiter reinigt gerade Knochen aus dem Frühmittelalter.

Unzählige Knochen und Skelettstücke lagert der Archäologische Dienst im Keller.

Noch ein Stockwerk tiefer im Lager wird klar: Der Archäologische Dienst mag von der Mitarbeiterzahl her der kleine Bruder sein. Er braucht aber fast genauso viel Platz wie die Steuerverwaltung. In hohen Hallen stapeln sich Kisten bis unters Dach. Allein in jenem Raum, in dem die aktuellen Fälle lagern, haben über 10'000 Kisten Platz.

Im Nebenraum ist es kalt. Hier lagert Metall, das ein spezielles Klima benötigt. Darunter sind auch antike Fundmünzen. «Das ist eine Gemeinsamkeit», sagt Boschetti zu Fischer. «Wir nehmen beide Geld ein, nur müssen wir es der Staatskasse nicht abgeben.» Fischer lacht.

Antike Münzen im Fundbestand des Archäologischen Dienstes.

Was hat denn mehr Wert, der archäologische Schatz oder die jährlich rund zehn Milliarden Franken, welche die Steuerverwaltung einnimmt? Boschetti winkt ab. «Rein monetär ist unser Fundbestand schwer zu schätzen. Vieles hat primär einen wissenschaftlichen Wert.»

Der heisse Draht

Zwei Stockwerke über dem kühlen Lager läuft bei der Steuerverwaltung der Draht heiss. Kürzlich wurde hier neuer Teppich verlegt, damit die Kälte weniger spürbar ist, die von unten durch den Boden dringt. Grosse blaue Ziffern hängen von der Decke: 031 633 60 01, die Infoline der Steuerverwaltung. 45 Sekunden sollte ein Gespräch höchstens dauern, dann muss der Anrufer in die richtige Abteilung weitergeleitet sein.

Noch weiter oben präsentiert auch Claudio Fischer ein Lager, aber ein viel kleineres als die imposanten Gestelle im Keller. Hier lagern die Akten für die Grundstückgewinnsteuern. Mindestens 35 Jahre werden sie aufbewahrt. Im Zeitverständnis der Archäologen wäre das nicht einmal ein Wimpernschlag.

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Berner Zeitung

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