Vechigen

Windpark-Gegner atmen auf

VechigenObwohl die ­Messresultate grundsätzlich positiv sind, entsteht auf der Mänziwilegg in Vechigen vorderhand kein Windpark. Der Gemeinderat legt einen Marschhalt ein.

Windturbinen gehören einstweilen nicht zum Vechiger Ortsbild.

Windturbinen gehören einstweilen nicht zum Vechiger Ortsbild. Bild: iStock

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Der Gegenwind ist grösser und grösser geworden. Sogar die wirtschaftsfreundliche FDP hat sich auf die Seite der Gegner geschlagen: Im Wochenrhythmus schaltet sie in der «Bantiger Post» Beiträge gegen einen Windpark auf der Mänziwilegg.

«Ein finanzielles und ökologisches Abenteuer mit unabsehbaren Folgen» sei er, heisst es darin. Und der Verein Weitsicht für Vechigen, in dem sich die Gegner des Projekts zusammengeschlossen haben, ist bereits auf über 200 Mitglieder angewachsen.

Ob die Gegner das Projekt dauerhaft verhindern können, ist offen. Seit Donnerstag steht aber fest: Von heute auf morgen wird der Windpark nicht gebaut. Obwohl die Resultate der Windmessungen positiv ausgefallen seien, habe man entschieden, «das Projekt vorderhand nicht weiter voranzutreiben», teilt der Gemeinderat von Vechigen mit.

Er begründet den Entscheid mit den zahlreichen anderen Grossprojekten, welche die Gemeinde in den kommenden Jahren zu bewältigen habe: zum Beispiel die Überbauung Boll-Süd mit der Verschiebung des Bahnhofs oder die knapp 16 Millionen Franken teure Sanierung der Schulanlage Stämpbach, über die das Volk übernächstes Wochenende abstimmt.

«Sacken lassen»

«Die anstehenden Projekte sind für eine Gemeinde wie Vechigen ein grosser Kraftakt», sagt Gemeindepräsident Walter Schilt (SVP). Sie seien für die Bürger eine Herausforderung – etwa punkto Mehrverkehr –, aber auch für die Gemeindeverwaltung, welche die Projekte intensiv begleitet.

Deshalb habe der Gemeinderat einen Marschhalt beschlossen, «so kann das Ganze etwas sacken». Eine Feststellung ist Walter Schilt aber wichtig: «Das ist weder ein Votum gegen die Windenergie noch gegen das ­Projekt.»

Auch wolle man den Grundsatzentscheid für oder gegen einen Windpark auf der Mänziwilegg nicht einfach der nächsten Politikergeneration in die Schuhe schieben. Gegen Ende der Legislatur, also voraussichtlich übernächstes Jahr, will der Gemeinderat das Thema wieder aufnehmen.

«Prestigeprojekt»?

Bei den Gegnern herrscht derweil Erleichterung. «Wir sind dem Gemeinderat dankbar für diesen Entscheid», sagt Andreas Flückiger, Vereinspräsident von Weitsicht für Vechigen. Er und seine Mitstreiter befürchteten, der Windpark auf der Mänziwilegg verkomme zu einem Prestigeprojekt – «schliesslich gibt es viele Leute, die ein Interesse an einem Windpark in der Nähe von Bern haben», so Flückiger. Er ist überzeugt, «dass unser Engagement nicht spurlos an den Behörden vorbeigegangen ist».

Trotz allem bleibt Andreas Flückiger realistisch. Er ist sich bewusst, dass das Gebiet Mänziwilegg im regionalen Richtplan nach wie vor als Windenergiestandort vorgesehen ist. Dass das Thema früher oder später wieder auf den Tisch kommen wird. Deshalb bleibt der Verein Weitsicht für Vechigen bis auf weiteres bestehen.

Infoabend zum Windparkentscheid: Dienstag, 26. Juni, 19.30 Uhr, Oberstufenschule Boll. (Berner Zeitung)

Erstellt: 31.05.2018, 22:15 Uhr

Rentabel – oder nicht?

Der Windmessmast auf der Mänziwilegg steht seit anderthalb Jahren. Die Resultate liegen nun vor: Auf der Masthöhe (91 Meter) herrscht ein mittlerer Wind von 4,8 Metern pro Sekunde. Eine Turbine würde hier jährlich 4500 Megawattstunden Strom produzieren. Der Vechiger Gemeinderat wertet die Resultate als positiv: Die Erwartungen der Projektverantwortlichen – der Considerate AG – seien bestätigt worden. Die Gegner sehen das anders: Mit durchschnittlich 4,8 Metern pro Sekunde würden es die Windräder schaffen, sich von selbst zu drehen, «jedoch ohne nennenswert Strom zu produzieren», argumentiert die FDP.

Eine Windenergieanlage erreiche ihre maximale Leistung ab 12 Metern pro Sekunde. Ein weiteres Argument der Gegner: Vor der Considerate AG habe schon die BKW mit einem ­Windpark in diesem Gebiet geliebäugelt – und sei zum Schluss gekommen, dass die Anlage zu wenig rentabel wäre.
Der Messmast auf der Mänziwilegg wird im August zurückgebaut. Bis dahin tätige man weitere Abklärungen bezüglich Umweltverträglichkeit, so der Gemeinderat. maz

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