Wileroltigen schaut über die Kantonsgrenze

Wileroltigen

Die Ge­meinde will abklären, ob eine Fusion mit dem freiburgischen Kerzers möglich wäre. Die Haltung des Kantons, der nach Clavaleyres schon wieder eine Gemeinde an Freiburg verlöre, ist von Skepsis geprägt.

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(Bild: Karikatur: Max Spring)

Ja zu einer Fusion – aber mit wem bloss? Eine Umfrage in der Wiler­oltiger Bevölkerung zeigte 2014 ein gespaltenes Resultat. Einige finden, eine Fusion mit dem freiburgischen Kerzers solle geprüft werden, andere sind dagegen. ­Golaten, das ebenfalls infrage käme, prüft aktuell eine Fusion mit Kallnach. Gurbrü ist unschlüssig. Und Gespräche mit Ferenbalm, Mühleberg und Frauenkappelen brachten nichts Konkretes.

«Eine Dreierfusion mit Gurbrü und Golaten mit total nicht mehr als tausend Einwohnern wäre ein wichtiger erster Schritt ge­wesen», sagt Christian Grossenbacher, Gemeindepräsident von Wileroltigen. Abgeklärt habe man bereits einiges: «Wir führten beim Amt für Gemeinden und Raumordnung Gespräche mit Vertretern aller umliegenden Gemeinden. Viel ist dabei leider nicht herausgekommen.»

«Nicht ohne Not»

Als nächsten Anlauf will Wiler­oltigen jetzt, auf Anregung einiger Bürgerinnen und Bürger, eine Arbeitsgruppe gründen. «Diese soll prüfen, was für Auswirkungen eine Fusion mit Kerzers hätte», sagt Grossenbacher. Ihm ist bewusst, dass ein Zusammenschluss mit einer freiburgischen Gemeinde äusserst aufwendig und kompliziert ist. Dies zeigt das Beispiel von Clavaleyres, das nach einem jahrelangen Prozess frühestens 2021 Teil der Gemeinde Murten sein wird.

Beim Kanton Bern nimmt man Wileroltigens Liebäugeln mit Kerzers mit Skepsis zur Kenntnis. Rolf Widmer, stellvertretender Vorsteher des Amtes für ­Gemeinden und Raumordnung, weist auf das langwierige Ver­fahren hin, in dem die Gemeinde Clavaleyres derzeit steckt.

«Für die Fusion mit Murten braucht es in den Kantonen Bern und Freiburg eine Volksabstimmung, der Grosse Rat wird sich damit be­fassen müssen und zu guter Letzt noch die Bundesversammlung», sagt Widmer und fasst zusammen: «Ohne Not will man nicht ein so komplexes Verfahren anstossen.» Wileroltigen als Teil des zusammenhängenden Kantonsgebiets von Bern sei kein Spezialfall, ganz im Gegensatz zur flächen- und bevölkerungsmässig sehr kleinen Exklave Clavaleyres, die in den Kanton Freiburg übertreten wird.

«Keine Musterlösung»

Rolf Widmer hat grundsätzlich Verständnis dafür, dass Wiler­oltigen fusionieren möchte und ein Zusammengehen mit Kerzers prüfen will. Er sagt aber ganz klar: «Veränderungen von Kantonsgrenzen sollten mit höchster Zurückhaltung vorgenommen werden.»

Dabei gehe es nicht nur um Aufwand und Kosten, sondern auch darum, dass Kantonsgrenzen aus staatspolitischen Gründen nicht scheibchenweise verschoben werden sollten. Eine «Musterlösung» sieht Widmer allerdings auch nicht. «Vielleicht muss Wileroltigen einfach wieder Gespräche mit den umliegenden Gemeinden aufnehmen, mit denen Verhandlungen bis jetzt zu keinem Ergebnis führten.»

Kerzers wartet ab

Erich Hirt, Gemeindeschreiber von Kerzers, weiss, dass der Gemeinderat der letzten Legislatur mit Wileroltigen und den anderen bernischen Nachbargemeinden in Kontakt stand. Daraus habe sich in Kerzers die Haltung «Abwarten und offen bleiben» ergeben, sagt Hirt weiter. Das bleibe vorläufig auch so, weitere Gespräche über eine Fusion hätten sich noch nicht ergeben.

Tatsache ist, dass Wileroltigen und Kerzers schon länger eine enge Zusammenarbeit pflegen. Feuerwehr und Kirchgemeinde sind zusammengelegt, und die Wileroltiger Kinder besuchen die Oberstufe in Kerzers. Allerdings habe der Kanton Bern interveniert, als die beiden Gemeinden auch das Gemeindeführungsorgan zusammenlegen wollten. Ob damit allfälligen Fusionsbestrebungen frühzeitig ein Riegel geschoben werden sollte?

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