Private erfüllen rot-grüne Träume

Stadt Bern

Auf dem ehemaligen Wifag-Gelände soll eine neue Überbauung mit Schwerpunkt Wohnen ent­stehen. Als Referenzprojekte dienen Quartiere, die auch rot-grüne Politiker immer wieder als Vorbild erwähnen.

Altes Wifag-Areal: Hier soll künftig gewohnt werden.

Altes Wifag-Areal: Hier soll künftig gewohnt werden.

(Bild: Raphael Moser)

Christoph Hämmann

In Bern wird geplant und gebaut, fast an jeder Ecke. Im Nordquartier etwa geht es auf der Achse Wylerring–Wankdorffeld nicht nur in der Wankdorf-City weiter. Auch am anderen Ende ist ein neues Stück Stadt geplant: auf dem früheren Areal der Wifag.

Gestern präsentierten die Verantwortlichen ihre Pläne für eine neue Überbauung, die zunächst nur eine Vision sind. Diese sieht eine lebendige, durchmischte Nutzung vor, die sich ins Quartier einbettet und öko­logisch, sozial sowie ökonomisch nachhaltig ist.

Katharina Liebherr als Gesicht

In erster Linie soll auf dem Areal einmal gewohnt werden, zu je einem Drittel in Miet-, Genossenschafts- und Eigentumswohnungen. Dazu sind laut Rolf Bögli von der Mali International AG, der das Grundstück gehört, insbesondere in den Erd­geschossen Gewerbenutzungen vorgesehen: «Gastro, Bildung, Kultur oder anderes – es sollen Nutzungen sein, die sich an den Bedürfnissen des Quartiers und der künftigen Bewohner orientieren», sagte Bögli vor den Medien.

Bögli vertrat Mali-Alleinaktionärin Katharina Liebherr, die krankheitshalber fehlte. Sie werde dem Projekt ihr Gesicht geben, so Bögli, und als Investorin bürge sie auch für die langfristige Nachhaltigkeit des Projekts. Katharina Liebherr ist die Tochter von Markus Liebherr, dessen Pläne dem Wifag-Areal einst eine weiter­gehende industrielle Perspektive verhiessen.

Liebherr ist laut Bögli «hochemotional» mit dem Areal verbunden. Hier habe ihr Vater Grosses vorgehabt, nun wolle sie selber «etwas Tolles mit Mehrwert für das Quartier und für Bern» realisieren. Als Referenzprojekte dienten Liebherr und ihrem Team die Siedlungen Erlenmatt Ost in Basel und das Zürcher Hunziker-Areal – zwei Projekte, die auch von (rot-grünen) Promotoren des hiesigen Genossenschaftsbauens immer wieder als Vorbilder genannt werden.

Vorbildlich soll laut den Verantwortlichen nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Weg dazu ausfallen. Deshalb trete man so früh an die Öffentlichkeit. Mit der Stadt einigte man sich auf eine Planungsvereinbarung, innert einer Woche wurden die Quartierkommission Dialog Nord, Mieter, Medien und Anwohner informiert. In «Werkstattgesprächen» soll die Vision bis zum Sommer partizipativ konkretisiert, danach ein Studienauftrag ausgeschrieben werden. Ein bewilligtes Bauprojekt für das 3-Hektaren-Areal liegt frühestens 2022 vor.

Lob zum Auftakt

Dialog-Präsident Urs Frieden spricht von einer «optimalen» Kommunikation. Katharina Lieb­herr persönlich sei zuerst auf einen kleinen Kreis von Quartiervertretern zugegangen, danach hätten die Verantwortlichen an der Dialog-Versammlung breit orientiert. «Die Pläne und das Vorgehen sind gut angekommen, viele unserer Mitglieder sind motiviert, bei den Workshops mit­zuwirken», sagt Frieden.

Auch laut Matti Straub, Initiant des Innovationsdorfs, unter dessen Dach im alten Wifag-Gebäude rund 50 Institutionen vereint sind, haben die Verantwort­lichen «glaubhaft vermittelt, dass ihnen etwas Innovatives vorschwebt, das ins Quartier passt». Als Schulleiter der Kaospiloten ist Straub seit 2012 im Haus aktiv. «Die Mietverträge laufen bis 2022, wir wussten also immer, dass die Zwischennutzung irgendwann zu Ende geht.» Einige Mieter im Innovationsdorf könnten sich laut Straub vorstellen, in einem Neubau wieder einzuziehen. «Wir haben ein gutes Gefühl für das Gebäude und das Quartier und bringen uns gerne mit konkreten Ideen und Anforderungen ein.»

Berner Zeitung

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