Wie weit darf die Liebe gehen?

Bern

Ist Liebe denn nicht mehr erlaubt? Doch. Aber wie so oft mit der Liebe, ist es kompliziert. Bei Konzert Theater Bern sollen nun neue Regeln her.

Letztlich war es nicht die Liebe, sondern die Intransparenz von Märki gegenüber dem Stiftungsrat, die ihn den Job gekostet hat.<p class='credit'>(Bild: Franziska Rothenbuehler)</p>

Letztlich war es nicht die Liebe, sondern die Intransparenz von Märki gegenüber dem Stiftungsrat, die ihn den Job gekostet hat.

(Bild: Franziska Rothenbuehler)

Michael Feller@mikefelloni

Stephan Märki hat seit einem Jahr eine Beziehung mit Sophie-Thérèse Krempl geführt. Heimlich. Dass nach all den Turbulenzen, die der künstlerisch erfolgreiche Intendant mit Konzert Theater Bern durchlebt hat, die Liebe der Prüfstein sein sollte, über den er stolpert, wirkt auf den ersten Blick unglaublich. Die Freistellung der damaligen Schauspielleiterin Stephanie Gräve 2016 und der frühe Abgang des ihr folgenden Theaterchefs Cihan Inan diesen Frühling waren die herausragenden Eklats unter Märki.

Aber nicht nur mit den Personalien hatte der Mann eine Baustelle nach der anderen zu bewältigen. Die Fusion von Berner Symphonieorchester und Stadttheater zu Konzert Theater Bern bestand bei seinem Amtsantritt 2012 auf dem Papier, musste aber noch umgesetzt werden. Die Zusammenführung zweier Mentalitäten entpuppte sich als Herkulesaufgabe. Es folgten die Sanierungen von Stadttheater und Kultur-Casino: Märki hatte als Intendant alle Hände voll zu tun – er hätte bei vielen Pro­jekten scheitern können, und er hätte künstlerisch scheitern können. Doch jetzt scheitert er wegen einer unmöglichen ­Liebe.

Die rigorose Haltung des Stiftungsrats wirkt kaltherzig. Und doch ist sie nachvollziehbar. Hätte der Stiftungsrat rechtzeitig von der Liebschaft erfahren, wäre er bei der Schlichtung des Streits zwischen Cihan Inan und Sophie-Thérèse Krempl wohl anders vorgegangen. Letztlich war es nicht die Liebe, sondern die Intransparenz von Märki gegenüber dem Aufsichtsgremium, die ihn den Job gekostet hat.

Stiftungsratspräsidentin Nadine Borter will künftig ähnliche Situationen mittels eines Verhaltenskodex verhindern. «Der Kodex soll klar festhalten, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter miteinander umgehen und arbeiten», sagte sie gestern. Es gehöre zu den Prinzipien der Good Governance, dass Beziehungen auf der obersten Führungsebene des Betriebs mit dem Aufsichtsgremium thematisiert werden müssten. Ob im Kodex dereinst explizit Liebesverbote ausgesprochen würden, war gestern noch unklar. Der Leitfaden muss erst noch ausgearbeitet werden.

Berner Zeitung

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