Wie viel Tier steckt in mir?

Bern

Eine neue Ausstellung im Tierpark Dählhölzli lädt das Publikum ein, über das Verhältnis von Mensch und Tier zu sinnieren.

Ausstellungsmacher Claude Kuhn in der Dählhölzli-Schau.

Ausstellungsmacher Claude Kuhn in der Dählhölzli-Schau.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

«Wollen wir Tiere verstehen, sollten wir uns in Erinnerung rufen, dass wir auch Tiere sind. Nur haben wir das vergessen.»

Das sagt Tierparkdirektor Bernd Schildger. Die neue Ausstellung «Das Tier in mir» im Dählhölzli soll den Homo sapiens anregen, sich auf seine Herkunft sowie auf sein Verhältnis zum Tier zu besinnen. «Die Ausstellung will mit überraschenden, queren und humorvollen Gegenüberstellungen den Menschen zu seiner Seele zurückführen, zum Tier», sagt Bernd Schildger.

«Die Ausstellung soll den Homosapiens anregen, sich auf seineHerkunft sowie auf sein Verhältnis zum Tier zu besinnen.»Bernd Schildger Tierparkdirektor

Die beiden Ausstellungsmacher sind der international mehrfach ausgezeichnete Plakatkünstler Claude Kuhn und Simon Haller, Gründer der Expoforum GmbH. Sie arbeiteten mit dem Naturhistorischen Museum Bern zusammen.

Erstaunliches in Vitrinen

Mittels neun Interventionen – zumeist in blauen Vitrinen, verteilt auf das ganze Tierparkareal – erzählen sie Geschichten und beantworten Fragen wie etwa «Mensch, wie viel Tier steckt in dir?» oder «Wer darf sich ‹Krone der Schöpfung› nennen?». Der Mensch als Krone der Schöpfung? «Von wegen!», widerspricht Claude Kuhn. «Wir mögen zwar gewisse Qualitäten haben, die ein Bandwurm nicht hat. Aber in vielen Disziplinen gibt es Tiere, die uns haushoch überlegen sind.»

«In vielen Disziplinen gibt es Tiere, die uns haushoch überlegen sind.»Claude Kuhn?Ausstellungsmacher

Ein Beispiel ist unser Geruchssinn, der im Vergleich zur Tierwelt bescheiden ausfällt. Die Ausstellungsvitrine vor dem Tierparkrestaurant deckt dabei Erstaunliches auf: Nicht der Hund ist die Supernase im Tierreich, sondern ein schlangenförmiger Fisch, der Aal. Würde man einen Tropfen Parfüm in ein Gewässer geben, das dreimal so gross ist wie der Bodensee, und dann alles umrühren, könnte der Aal immer noch herausfinden, ob es Chanel No.5 oder ein simples Eau de Cologne ist.

Nebenan lautet das Thema: «Roter Hintern, rote Lippen». Während der Pavian seinen allerwertesten Teil zur Schau stellt und damit für ein Schäferstündchen wirbt, macht sich der weibliche Homo sapiens mittels Lippenstift attraktiv.

Zur Ausstellung im Tierpark gibts auch zwei Satellitenevents. Die eine findet im Loeb-Schaufenster statt, wo ein Gassenkino eingerichtet wurde (bis 16. Juni). Das Publikum kann sich ins Schaufenster setzen (vierzig Sitzplätze) und die Vorbeigehenden beobachten. Eine Spiegelglasfolie verhindert, dass jene draussen hineinsehen können. Zur vollen und zur halben Stunde gibts eine zwanzigminütige Soundcollage; neun Tiere (Affe, Bandwurm, Bär, Ente, Filzlaus, Fledermaus, Hund, Pfau und Regenwurm) kommentieren die Menschen und deren Eigenheiten. Die Tierstimmen werden unter anderem von Heidi Maria Glössner, Matto Kämpf oder Ariane von Graffenried gesprochen. Das Textkonzept kommt von Balts Nill.

Der alte Bärengraben bietet auf einer riesigen Projektionswand einen Blick in den Tierhimmel, auf die Tierkreiszeichen, wobei die entsprechenden Charaktere – besser bekannt als Horoskope – beschrieben sind. Zum Einsatz kommen auch sogenannte Zeotropen, optische Geräte, mit denen einst die Bilder laufen lernten, noch bevor der Film erfunden war.

«So etwas brauchen wir

«Vor anderthalb Jahren sind wir mit der Idee zu dieser Ausstellung an Tierparkdirektor Schildger gelangt», sagen die Ausstellungsmacher. Er sei begeistert gewesen und habe gesagt: «Genau so etwas brauchen wir.» Das Projekt sei dann von der Tierparkkommission einstimmig angenommen worden, so Kuhn.

Die Schau «Das Tier in mir» besticht durch die witzigen und allgemein verständlichen Texte (von Gisela Feuz). «Wir haben diverse Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen beigezogen», sagt Claude Kuhn. «Obwohl die Texte locker daherkommen, wissenschaftlich sind sie fundiert.»

Berner Zeitung

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