Wie viel Platz der Biber bekommt, ist offen

Cressier

Gemäss Gewässerschutzverordnung sollte beidseits der Bibera ein Streifen von je 9 Metern sein. Die Biber hätten dann mehr Raum für ihre Gänge, und der Weg neben dem Bach würde nicht mehr plötzlich einbrechen.

Der Biberschäden zum Trotz: Landwirt Ueli Minder ist überzeugt, dass der Weg entlang der Bibera bleiben kann.

Der Biberschäden zum Trotz: Landwirt Ueli Minder ist überzeugt, dass der Weg entlang der Bibera bleiben kann.

(Bild: Hans Ulrich Schaad)

Der Name sagts: In der Bibera zwischen Grissach und dem Grossen Moos leben Biber. Im unteren Teil des Bachs hat die Naturschutzorganisation Pro Natura dafür gesorgt, dass ein Stück den Tieren überlassen bleibt, im oberen Teil dagegen herrscht intensive Landwirtschaft vor. Vor Jahren wurde entlang der Bibera ein Weg gebaut, der von den Nagern regelmässig untergraben und unterspült wird.

Kürzlich machte der Ständerat klar, dass er die in der Gewässerschutzverordnung geforderte Uferzone kompromisslos durchsetzen will. Das heisst: Bis 2018 muss beidseitig von Fliessgewässern ein Landstreifen geschaffen werden. Geschähe das an der Bibera, würde der Weg entlang des Bachs nicht mehr unterspült. Die Gefahr, dass die Fahrbahn einbricht, wäre dann gebannt, und das Signal, das die Passanten vor dem Biber warnt, könnte abgebaut werden.

Dass es so weit kommt, ist aber unsicher. Erstens wehren sich die Bauern dagegen, zugunsten des Gewässers Land zu opfern. Zweitens, und das ist der wichtigere Grund, gilt die sogenannte Besitzstandgarantie. Der Weg wird damit wohl bleiben.

Verschiedene Interessen

Christof Angst von der Schweizerischen Biberfachstelle weiss um den Konflikt, und er äussert auch Verständnis für die Angst der Bauern vor dem Landverlust. Zugleich gibt er aber zu bedenken, dass «die Landwirtschaft selber viel mehr Land verbraucht als alle ökologischen Massnahmen zusammen». Eine Untersuchung im Aargau habe gezeigt, dass die Bauern ausserhalb der Bauzonen für Bauten und Anlagen 60 Prozent der Fläche selber verbrauchten. Für ökologische Massnahmen dagegen würden gerade mal 6 Prozent der Fläche benötigt.

Angst sagt offen, dass er den generellen Widerstand der Bauern nicht begreift. Denn: «Der Schutz von Landwirtschaftsland und die Revitalisierung von Gewässern sind gleichwertige nationale Interessen.» Wenn die Bauern den Gewässerraum extensiv bewirtschafteten und Hecken anlegten, erhielten sie zudem Beiträge vom Staat.

Kampf um Fruchtfolgeflächen

Christophe Joerin ist der für Gewässer Zuständige beim Tiefbauamt des Kantons Freiburg und dafür verantwortlich, dass der Gewässerraum eingehalten wird. «Ab 2018 muss definiert sein, wie viel Raum ein Bach braucht», erklärt er. «Später wird dann kontrolliert.» Joerin hält aber fest, dass ein rechtmässig erstellter Weg im Gewässerraum auch künftig bestehen kann. Das bedeutet: Der Weg an der Bibera zwischen Courtepin und Liebistorf kann bleiben. Würde der Bach aber revitalisiert, müsste das Strässchen aus dem Gewässerraum weg verlegt werden. Das würde sogar noch belohnt. Bund und Kantone bezahlen nicht nur für die Revitalisierung des Bachs Subventionen, sondern auch für die Verlegung eines Weges im Zuge einer Revitalisierung.

Dass der Weg bleiben kann, ist für den Landwirt Ueli Minder klar. «Das hat man uns schon bei der Güterzusammenlegung vor zehn Jahren gesagt, als der Weg gebaut wurde», erklärt Minder, der auch Präsident des Wasserbauunternehmens Bibera WBU und Gemeindepräsident von Jeuss ist. Generell wehrt er sich gegen die Vergrösserung der Gewässerräume. Sie gehe auf Kosten der Bauern.

Minder ist sich zwar bewusst, dass die Bauern Entschädigungen für die Ökoflächen entlang der Bäche erhalten würden. Er weist aber darauf hin, dass dafür Fruchtfolgeflächen verloren gingen, «und das geht auf Kosten der Lebensmittelproduktion». Minder sieht zudem einen Konflikt: Einerseits verlange das Landwirtschaftsgesetz eine bestimmte Menge an Fruchtfolgeflächen, andererseits werde diese wieder reduziert, wenn der Gewässerraum erweitert werden müsse. «Das ist Juristenfutter.»

Schäden für 35 000 Franken

Zurück zum Weg an der Bibera: Hier wird der Gewässerraum wohl nur auf einer Seite erweitert. Auf der anderen bleibt der Weg. «Nur sollten die, die den Biber schützen, auch für die Schäden aufkommen, die er an der Infrastruktur verursacht», sagt Minder. Entschädigt werden bis jetzt nur Biberschäden an Kulturen. Die Gemeinden, welche an die Bibera grenzen, haben in den letzten Jahren für die Reparaturen von Biberschäden rund 35 000 Franken bezahlt.

Berner Zeitung

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