Wie Bern zur drittgrössten Uni wurde

Bern

Die Uni Bern hat Genf als drittgrösste Hochschule der Schweiz abgelöst. Dies verdankt sie dem rasanten Wachstum bei der Zahl der Studentinnen und der ausländischen Studenten. Auch Luzerner entscheiden sich immer häufiger für Bern.

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Jon Mettler@jonmettler

Die Universität Bern rechnet mit 17'350 eingeschriebenen Studenten fürs laufende Herbstsemester. Damit kann sie ihren Rang als drittgrösste Hochschule der Schweiz nach der Universität Zürich und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich behaupten.

Im vergangenen Jahr hatte die Universität Bern die Universität Genf vom dritten Platz verdrängt. Bereits 1980 und 2004 war die Universität Bern die drittgrösste Hochschule der Schweiz.

2002 erstmals mehr Frauen

Wie es die Universität Bern zu neuer Grösse geschafft hat, zeigt ein Langzeitvergleich der Studentenzahlen. Flotte Wachstumsraten zeigen sich einerseits bei den Studentinnen und andererseits bei den Studenten mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Seit dem Jahr 1980 hat sich die Zahl der Frauen, die an der Universität Bern studieren, vervierfacht. Die Zahl der Studenten hingegen hat sich in dieser Periode nicht einmal verdoppelt. Seit dem Jahr 2002 sind mehr Studentinnen als Studenten in den Hörsälen anzutreffen.

Bei den ausländischen Studenten gewinnt die Universität Bern ebenfalls an Beliebtheit. Während sich in den vergangenen 23 Jahren die Zahl der ausländischen Studenten auf 2927 beinahe vervierfacht hat, hat sich die Zahl der Schweizer Studenten auf 13311 nur knapp verdoppelt. Inzwischen stammen 18 von 100 Studenten an der Universität Bern aus dem Ausland. Die Zunahme der Ausländerzahlen erfolgt hauptsächlich auf der Ebene Master und Doktorat.

Der Anstieg bei den ausländischen Studenten hat mehrere Gründe, die sich laut Universität Bern überlagern und verstärken. Zum einen nennt Universitätssprecher Marcus Moser das Bologna-System, das in der Bundesstadt im Studienjahr 2005/2006 eingeführt worden ist. Unter anderem sieht diese länderübergreifende europäische Hochschulreform vor, dass Studenten einfacher an ausländischen Universitäten studieren können.

9 von 100 Studenten aus Deutschland

«Auf der anderen Seite hat der prozentuale Anteil der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung in der Schweiz in dieser Zeitperiode zugenommen», sagt Moser. Gleichzeitig gehe bei den Schweizern die Zahl der Geburten zurück. Das erklärt, warum der Anteil an Schweizer Studenten nicht ebenso stark wachsen kann.

Deutsche bilden mit einem Anteil von 50 Prozent die grösste Gruppe unter den ausländischen Studenten an der Universität Bern. 2013 stammten 9 von 100 Studenten aus Deutschland. «Deutsche brauchen keine Sprachbarriere zu überwinden», hält Universitätssprecher Moser fest. Denn: Deutsch ist die Unterrichtssprache in vielen Bachelorstudiengängen und in vielen Masterstudiengängen.

Das erklärt aber noch nicht die steile Zunahme der deutschen Studenten in den Jahren 2012 und 2013. Dieser Effekt dürfte von dem neuen Masterstudiengang Verhaltenstherapie der Philosophisch-humanwissenschaftlichen Fakultät herrühren. Die Universität Bern arbeitet hierbei mit Deutschland zusammen, um Psychotherapeuten auszubilden. Doch auch Studenten aus Ländern wie Bhutan, Usbekistan und den Fidschi-Inseln haben im vergangenen Jahr in Bern studiert.

Luzern rückt näher

Unter den Schweizer Studenten haben – wenig überraschend – die meisten den Wohnort vor Studienbeginn im Kanton Bern. So wohnten im vergangenen Jahr 6703 von total 16238 Hochschülern im Kanton Bern. Demnach stellen die Berner einen Anteil von 41 Prozent. Es folgt Luzern mit 1184 Studenten als zweitwichtigster Wohnkanton nach Solothurn, Aargau und Zürich. Luzern hat 2005 den Kanton Solothurn auf Rang drei verdrängt.

Weil die Uni Bern die Schweizer Studenten nicht spezifisch zu ihrer Wahl befragt, kann über die steigende Beliebtheit bei den Innerschweizern nur spekuliert werden. Nicht nur sei Luzern verkehrstechnisch näher an Bern gerückt. Die Universität Luzern biete auch kein volles Studienangebot an, so Moser.

Berner Zeitung

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