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Widerstand gegen Hochspannung

Gegen die Verstärkung der Stromleitung Basse­court–Mühleberg sind zahl­reiche Einsprachen von Gemeinden und Privaten eingegangen. In Seedorf ist der Widerstand besonders gross.

Objekt der Auseinandersetzung: Hochspannungsleitung.
Objekt der Auseinandersetzung: Hochspannungsleitung.
Enrique Muñoz García

Eine 45 Kilometer lange Hochspannungsleitung quer durch die Dörfer: Da ist Widerstand programmiert. «Es wäre naiv, zu glauben, bei einem Projekt dieser Dimension ginge alles wie durch Butter», sagt Urs Huber vom Eidgenössischen Starkstrominspektorat (Esti).

Bei ihm sind die Einsprachen zum aktuellen Swissgrid-Projekt eingegangen. «Mehrere Dutzend», sagt er, ohne eine konkrete Zahl nennen zu wollen, wehren sich gegen die Modernisierung der Hochspannungsleitung zwischen Bassecourt und Mühleberg. Am 23. Oktober endete die öffentliche Auflage des Projektes.

Das Verstärken dieser Leitung ist Teil des «Strategischen Netzes 2025» von Swissgrid. Die Spannung soll von 220 auf 380 Kilovolt erhöht werden, um den Verlust des Kernkraftwerks Mühleberg zu kompensieren. Dieses wird bis spätestens 2019 abgestellt, was heisst, die fehlende Energie wird aus dem Ausland in die Schweiz geschleust.

Angst vor Elektrosmog

Die Leitung führt quer durchs Seeland, an 54 von 141 Masten müssten Baumassnahmen getroffen werden. Betroffen sind Gemeinden wie Lyss, Kappelen oder Studen. In einigen Dörfern führt die Leitung über Wald und Wiesen, in anderen beinahe durch die Wohnstuben.

«Verständlicherweise sind die Bürger besorgt.»

Hans Peter Heimberg, Gemeindepräsident Seedorf

In Aspi bei Seedorf beispielsweise stehen Wohnhäuser direkt unter der Hochspannungsleitung. «Verständlicherweise sind die Bürger besorgt», sagt Gemeindepräsident Hans Peter Heimberg (SVP). Er weiss auch von «etlichen» Einsprachen, die gegen das Projekt gemacht wurden.

Auch die Gemeinde selber hat eine Einsprache deponiert. Die sei jedoch technischer Natur, führt Heimberg aus. «Natürlich freuen auch wir uns nicht über eine Leistungserhöhung. Der Fokus der Einsprache liegt aber bei der Frage, wie wir uns im Falle eines künftigen Baugesuches verhalten müssen.»

Das Bauland unter den Leitungen gehört Privaten. Sollten durch die Verstärkung der Leitung die Strahlungswerte höher sein und müsse das Land deshalb ausgezont werden, wolle nicht die Gemeinde dafür geradestehen müssen», sagt Hans Peter Heimberg.

Swissgrid ihrerseits beteuert, dass der gesetzliche Immissionsgrenzwert des magnetisches Feldes von 100 Mikrotesla eingehalten werde.

Kann bis 2024 dauern

Das eidgenössische Strominspektorat bewilligt pro Jahr gegen 8000 Projekte, nur 20 bis 30 erreichen dabei die Grösse des vorliegenden Vorhabens. Nun geht es darum, die Stellungnahmen unter anderem vom Kanton und vom Bundesamt für Umwelt abzuwarten, sagt Urs Huber. Danach wird entschieden, ob das ­Esti Einspracheverhandlungen führt oder das gesamte Dossier ans Bundesamt für Energie überwiesen werde.

Swissgrid stellte das Projekt Ende August in Lyss vor. Er hoffe, dass es keine Einsprachen geben werde, sagte damals Philippe Meuli von Swissgrid. Käme das Ganze bis vor Bundesgericht, könnte man die Leitung nicht vor 2024 modernisieren. Doch, um in Urs Hubers Worten zu sprechen, ein solches Gigaprojekt ohne Gegenwind umzusetzen, ist illusorisch.

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