«Wer in Bern spielen darf, ist glücklich»

Das 41. Internationale Jazzfestival Bern endet mit einer Schlussparty im Park. Im «Marians» ist Frauenpower angesagt.

Emotional: Cécile McLorin Salvant im Berner «Marians».

Emotional: Cécile McLorin Salvant im Berner «Marians».

(Bild: Christian Pfander)

Im Park, Hotel Innere Enge. Das Abschlussfest des 41. Jazzfestivals Bern steht im Zeichen von Mighty Mo Rodgers. Der Bluessänger aus Chicago singt nicht bloss Blues, er reflektiert auch darüber.

«Mein Ziel ist es, den Blues auf die Bühne eines Theaters zu heben.» Rodgers Blues ist dreidimensional. Er besteht aus Sound, Bild und Text. Die Pointen sind witzig und geistreich. Die Gratisauftritte stossen auf Interesse.

Vorbildlich

Im «Marians» weckt das All-Star-Quintett «Jazz by 5» mit seiner klassischen Bebop-Instrumentierung zwar Erwartungen, wegen der Starbesetzung aber auch Befürchtungen. Auftritte von All-Star-Bands gingen schon oft in die Hose.

Die Musik bewegt sich im Spannungsfeld jener zwei stilbildenden Orchester der Jazzgeschichte, in denen die auftretenden Akteure vor Jahren ihre Sporen abverdient hatten, den Jazz Messengers von Art Blakey und dem Miles-Davis-Quintett der epochalen LP «Kind of Blue».

Der modal verbrämte Hardbop überzeugt, die Stars raufen sich vorbildlich zusammen. Warum? Saxofonist Javon Jackson sagt: «Wer in Bern spielen darf, ist glücklich. Jeder US-Musiker träumt von diesem Festival. Wer es schafft, gibt sein Bestes.»

Tragisch

Dass in musikalischen Darbietungen neben ästhetischen Aspekten immer auch persönliche Erfahrungen einfliessen, zeigt das Schlusskonzert mit Cécile McLorin Salvant. Der grosse Erfolg der Sängerin – internationale Kritiker wählten sie im Down-Beat-Poll zur besten Jazzsängerin weltweit – liegt nicht im technischen, sondern im emotionalen Bereich.

Mit klarer Diktion und sicherer Stimme wählt sie teils uralte Lieder aus, die nichts von ihrer sozialen Relevanz eingebüsst haben. Besonderes Augenmerk richtet sie auf Texte, die ihren feministischen Anliegen entsprechen. Im Gegensatz etwa zur grossen Ella Fitzgerald, die dieselben Geschichten ebenfalls meisterhaft interpretierte, aber sie nie zu ihren eigenen machte, identifiziert sich Salvant mit ihnen.

Die Interpretation der teils tragischen, teils tragikomischen Vorkommnisse aus dem Alltag, etwa im Geschlechterkampf zwischen liebenden Frauen und brutalen Machos, kommen so überzeugend daher, als wären es eigene Stücke der US-Amerikanerin. Der Riesenapplaus in Bern ist ebenso verdient wie der Grammy für ihr letztes Album «For One to Love».

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