Wenn RGM sich streitet, freut sich Schmidt

Auch Berns Finanzdirektor Alexandre Schmidt (FDP) will Stadtpräsident werden. Er habe bewiesen, dass er im Gemeinderat einen guten Job mache, sagt er im Interview.

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Alexandre Schmidt, Sie konnten heute als Finanzdirektor einen Rekordüberschuss von knapp 64 Millionen bekannt geben. Super Timing, um auch noch gerade Ihre Kandidatur als Stadtpräsident bekannt zu geben.Alexandre Schmidt:(lacht) Absolut. Natürlich habe ich das absichtlich so gemacht. Die Wahl eines Bisherigen ist kein Selbstzweck, sondern muss auf einem Leistungsausweis basieren. Die grosse Frage ist, ob die Person, die wiedergewählt werden will, Probleme gewälzt oder gelöst hat. Und ich habe - mit der Hilfe des Gemeinderates und der gesamten Stadtverwaltung - viel erledigt.

Und sich damit als künftiger Stadtpräsident qualifiziert.Ja. Darum darf ich mit gutem Gewissen antreten.

Welche Chancen rechnen Sie sich als Freisinniger aus, im tief rot-grünen Bern Stadtpräsident zu werden?Die FDP ist so gross wie das Grüne Bündnis oder die GFL. Wenn man also Franziska Teuscher oder Alec von Graffenried gute Chancen zugesteht, dann kann man sie mir auch zurechnen.

Franziska Teuscher und Alec von Graffenried können aber - zumindest Stand heute - auf die Unterstützung des starken RGM-Bündnisses zählen. Die FDP dagegen steht in der Stadt Bern mutterseelenallein da...Das sehe ich nicht so. Das RGM-Bündnis ist müde geworden. Das zeigen die internen Diskussionen. RGM braucht neue Impulse. Es ist kein Ideengenerator mehr, sondern eher ein Stillhalte­abkommen. Ich sage nur: Wenn drei sich streiten, freut sich der Vierte.

Also Sie.Ja, das könnte ich sein.

Sie werden zur Wiederwahl aber Unterstützung brauchen. Wird diese auch von der SVP kommen?Das weiss ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Meine Arbeit im Gemeinderat wird weitherum geschätzt. Von allen bürgerlichen Parteien. Zudem haben mich die Wirtschaftsverbände aufgefordert, dass ich kandidieren solle. Das gibt meiner Kandidatur Schub. Es geht nicht nur um die Parteien. Es geht auch um die Unterstützung der Wirtschaft. Und nicht zuletzt um diejenige der Bevölkerung.

Unterstützung aus Wirtschaftskreisen dürfte aber auch Alec von Graffenried bekommen. Was sagen Sie zu dieser Konkurrenz?Herr von Graffenried positioniert sich auf der linken Seite, damit er die Schäfchen im RGM-Block mobilisieren kann. Andere möchten ihm gerne ein bürgerliches Mäntelchen umlegen. Das sind Wahlspielereien. Aus meiner Sicht ist jemand nicht einfach bürgerlich, bloss weil er nicht beim Staat, sondern in einem wirtschaftlichen Unternehmen arbeitet.

Ihr Selbstvertrauen ist intakt, könnte man das zusammenfassen. Aber eigentlich müssen Sie doch einfach als Stapi antreten, um Ihren Kopf als Gemeinderat zu retten?Es ist klar, dass die Medien das gerne so zuspitzen. Ich sehe das nicht so. Mein Gegner ist nicht RGM. Mein Gegner ist die Arbeitslosigkeit, die Misswirtschaft, der Schlendrian, die Bürokratie. Dagegen kämpfe ich an. Ich glaube, meine Schwerpunkte können durchaus Anklang finden bei der Bevölkerung. Ich habe bewiesen, dass ich einen guten Job mache. Dass ich meinen Platz in dieser Regierung habe.

Ein Basler als Berner Stadtpräsident. Ist das möglich?Klar. Man muss nicht in Bern geboren sein, um dieses Amt gut zu machen.

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