Wenn die Rosenpreise plötzlich wuchern

Kosten Rosen um den Valentinstag herum mehr als sonst? Diese Zeitung hat den Test gemacht – und musste kurz vor dem Tag der Liebenden meist tatsächlich tiefer ins Portemonnaie greifen.

Für die einen ist er eine romantische Tradition, für die anderen ein reiner Marketinggag: der Valentinstag. Was auch immer man aber vom Tag der Liebenden halten mag: Fakt ist, am 14. Februar gehört die Liebesbekundung in Form einer Blume für die meisten einfach dazu.

Fast 4 Millionen Rosen gehen allein in der Schweiz am Valentinstag jeweils über den Blumenladentisch – wohl auch heute wieder.

Happiger Preisanstieg von 44 Prozent

Bedeutet die steigende Nach­frage nach Rosen rund um den 14. Februar aber auch steigende Preise? Diese Zeitung wollte es wissen und machte den Test. Drei Wochen vor dem Valentinstag kaufte sie bei vier Berner Blumengeschäften je eine rote Rose und tat dies von da an jede Woche wieder – bis und mit gestern. Das Fazit: Fast überall schoss der Preis kurz vor dem Tag der Liebenden in die Höhe.

Besonders frappant zeigte sich der Unterschied beim Blumengeschäft Maarsen. Dort war die langstielige rote ­Rose gegen Ende Januar noch für 9 Franken zu haben. Am gestrigen Vor-Valentinstag kletterte der Preis für die fast gleich lange Rose derselben Sorte dann auf stolze 13 Franken.

Das entspricht einem Preisanstieg von 4 Franken – oder 44 Prozent. Zwar nicht ganz so steil nach oben, aber ebenfalls aufwärts ging der Preis bei den anderen klassischen Blumenläden. Bei Ackermann entwickelte er sich schrittweise von anfänglich 7.50 Franken bis zu 10 Franken.

Bei Marsano blieb der Preis von 7.50 Franken in den Wochen zuvor zwar stabil und sank letzte Woche sogar kurz auf 6.50 Franken. Gestern kostete die Rose aber auch dort einmalig 9 Franken – wie auch heute.

Auch die Einkaufspreise bei den Händlern steigen

Die Erklärung für den teils happigen Preisanstieg scheint naheliegend: Die findigen Floristen nutzen den grossen Ansturm rund um den 14. Februar, um sich ein goldenes Näschen zu verdienen, und verlangen für ihre Blumen dann entsprechend mehr als sonst. Das stimmt jedoch nur bedingt.

Keine Frage: Für die meisten Blumengeschäfte bedeutet der Valentinstag so etwas wie Weihnachten und Ostern auf einmal. «An diesem Tag machen wir mehr Umsatz als sonst in einer Woche», bestätigt etwa Sandra Maarsen, Geschäftsführerin des gleichnamigen Blumenladens, nachdem diese Zeitung sie mit den Testresultaten konfrontiert hat. Während man an einem normalen Tag ungefähr 40 langstielige Rosen im Angebot habe, seien es am 14. Februar 700 Stück.

«Wir bezahlen beim Lieferanten für die Ware in diesen Tagen rund 30 Prozent mehr.»Sandra Maarsen, Floristin

Aber: «Wir bezahlen beim Lieferanten für die Ware dann auch rund 30 Prozent mehr.» Dazu komme, dass man deutlich längere Arbeitstage habe und viel Personal brauche. «Alles muss rechtzeitig eingestellt und gerüstet sein.»

Was die Rosen anbelangt, hat Maarsen einen Händler aus Holland, der den Laden direkt beliefert. Dieser bezahle wegen der grossen Nachfrage rund um den Valentinstag seinerseits an der Börse ebenfalls mehr für die Blumen (siehe Zweittext). «Das ist einfach so, wenn die ganze Welt an einem Tag rote Rosen haben will», so Maarsen.

Überstunden und Feriensperre für Floristen

Ähnlich tönt es bei den anderen getesteten Blumengeschäften. Bei Marsano etwa heisst es, man müsse rund um den 14. Februar selber «viel mehr» für die Rosen bezahlen.

«Sonst würden wir mit dem Preis nicht rauf», sagt die stellvertretende Filialleiterin Manuela Simon. Die Berner Filialen des Zürcher Blumenunternehmens beziehen ihre Rosen von der Zürcher Blumenbörse, diese holt die Ware wiederum aus Holland.

Trotz höheren Einkaufspreisen dürfte sich der Tag der Liebenden auch für Marsano rechnen. «Wir machen am Valentinstag etwa viermal so viel Umsatz wie an einem normalen Tag», so Simon. Auch hier ist das aber mit Überstunden verbunden: «An diesem Tag stehen unsere Mitarbeiter von 7 Uhr morgens bis teilweise 23 Uhr abends im Einsatz.» Fürs Personal gelte am 14. Februar eine Feriensperre.

Bei Ackermann, das am Berner Hauptbahnhof zwei Geschäfte führt, wurden die gekauften Rosen im Rahmen des durgeführten Tests zwar ebenfalls teurer. Dort präsentierten sich die Blumen gleichzeitig aber auch von Testtag zu Testtag mit längerem Stiel – ein Kriterium, das in der Branche massgebend ist für den Preis.

«Je länger eine Rose, desto wertvoller ist sie», erklärt Ackermann-Geschäftsführer Hans Kramer. Auch in seinem Geschäft, das die roten Rosen bei einem Lieferanten im solothurnischen Hägendorf einkauft, steigen die Preise in diesen Tagen jedoch etwas. «Das gilt aber nur für alle roten Blumen», so Kramer.

Der Rest bleibe gleich teuer. Grundsätzlich ist für Kramer der Valentinstag zwar gut fürs Geschäft, aber nicht so gut wie der Muttertag. «Am Valentinstag werden vor ­allem einzelne Rosen gekauft.» Zum Muttertag hingegen gingen mehr Sträusse über den Ladentisch – und somit mehr Geld in die Kasse.

Nur auf dem Berner Märit blieb der Preis gleich

Dass man als Kunde für die rote Rose am Valentinstag aber nicht zwingend tiefer ins Portemonnaie greifen muss, zeigt das Beispiel von Vreni Zürcher. Die Floristin aus Münsingen verkauft ihre Blumen seit Jahren auf dem Berner Bärenplatz. Im Test der BZ blieb der Preis ihrer Rose immer der gleiche – 5 Franken.

«Ich mag bei diesem Spielchen nicht mitmachen.»Vreni Zürcher, Floristin

Warum springt sie nicht auf den Valentinszug auf? «Ich mag bei diesem Spielchen nicht mitmachen», sagt sie. Obwohl auch sie bereits eine Woche vor dem 14. Februar rund 20 Prozent mehr für ihre Rosen bezahlt habe, wolle sie den steigenden Preis nicht an ihre Kundschaft weitergeben.

Immerhin: Weil der Valentinstag heuer auf einen Mittwoch fällt und dann in Bern kein Markt ist, dürfen Blumenstände wie der von Zürcher heute dank Sondererlaubnis verkaufen. Von viel mehr Umsatz geht sie aber trotzdem nicht aus, da die wenigsten Leute am Mittwoch mit Marktständen rechneten.

Und so freut sich die 62-Jährige eher wieder auf die Zeit nach dem 14. Februar, wenn die Preise bei ihrem holländischen Lieferanten wieder etwas nachlassen. «Der Valentinstag ist für mich gar nicht so ein ­guter Tag.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 14.02.2018, 06:10 Uhr

Die Wallstreet der Blumen

Der grösste Teil des weltweiten Blumenhandels läuft über Hollands Blumenbörsen. Zum Valentinstag hin schnellen die Preise dort in die Höhe – der Grund, warum dann auch hier die Rosen oft mehr kosten.

Es sind schier schwindelerregende Zahlen: Total 44 Millionen Blumen werden auf den holländischen Blumenbörsen durchschnittlich vermarket – pro Tag. Das entspricht dem Grossteil des weltweiten Blumenhandels. An den Börsen kommen die Blumen zusammen, die zuvor auf vorwiegend afrikanischen und südamerikanischen Feldern sowie in niederländischen Gewächshäusern gedeihten – und werden dann an die Tausenden Blumenhändler weiterverkauft.

Der Handel gleicht dabei einer Art Auktion im Schnelldurchlauf: Eine Blumencharge wird zu einem bestimmten Anfangspreis angeboten, der nach dem Start rasch zu fallen beginnt. Dann gilt – anders als bei einer klassischen Versteigerung – das erste Gebot. Will heissen: Der Händler, der zuerst auf seinen Knopf drückt, erhält die ganze Charge. Nur ein paar Sekunden dauert ein einzelner der täglich rund 120 000 Geschäftsabschlüsse.

Noch schneller geht das Ganze jeweils vor dem Valentinstag vonstatten. Weil insbesondere Rosen dann äusserst begehrt sind, können es sich die Händler nicht leisten, auf einen tiefen Preis zu spekulieren.

Denn: Warten sie bei der Auktion zu lange, schnappt ihnen die Konkurrenz die Ware vor der Nase weg. Ein früher Knopfdruck ist deshalb unumgänglich. Dieser bedeutet dann aber einen höheren Preis, den sie schliesslich an ihre Kunden weitergeben. Zu Letzteren gehören auch viele Blumenläden in der Schweiz.

Auch die Berner Blumenbörse, die ihrerseits Floristen in der Umgebung beliefert, kauft einen Teil der Ware in der holländischen Börse ein – in diesen Tagen etwas teurer als sonst. «Als Genossenschaft geben wir unseren Kunden aber die normalen Preise weiter», sagt Börsenleiter Michael Ettmann. Für ihn bedeute der 14. Februar deshalb eher einen weniger ertragsreichen Tag.

Der Tag der Liebenden

Woher kommt der Valentinstag eigentlich? Und weshalb wird der Tag der Liebenden gerade am 14. Februar zelebriert? Eindeutige Antworten auf diese Fragen liefert die Geschichtsschreibung zwar nicht. Die am meisten verbreitete Erklärung geht aber auf einen gewissen Bischof Valentin von Terni zurück.

Der Römer soll heimlich verliebte Paare getraut haben, die wegen ihres unterschiedlichen Standes oder weil sie aus verfeindeten Familien stammten aber eigentlich nicht heiraten durften.

Den frisch vermählten Paaren schenkte Valentin der Überlieferung nach jeweils Blumen aus dem eigenen Garten. Eines Tages flog der Bischof jedoch auf.

Darauf liess ihn der damalige Kaiser wegen der heimlichen Trauungen enthaupten – am 14. Februar im Jahre 269. Es soll der Ursprung des Valentinstags gewesen sein.

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