Weniger Platz für mehr Kinder

Bern

Die Stadt will den Kindergarten an der Depotstrasse in der Berner Länggasse abreissen und ein dreistöckiges Schulhaus bauen. Es bleibe kaum Umschwung übrig, kritisieren die Gegner. Die Stadt hat aber sonst nirgends Platz.

Auf diesem Areal können sich zurzeit noch 25 Kinder austoben. Künftig sollen es fünfmal mehr sein.

Auf diesem Areal können sich zurzeit noch 25 Kinder austoben. Künftig sollen es fünfmal mehr sein.

(Bild: Beat Mathys)

Der Kindergarten an der Depotstrasse ist derzeit noch ein kleines Paradies mit einem riesigen Garten: Die 25 Kinder haben viel Platz zum Spielen und Austoben. Nicht mehr lange. Die Stadt will den Kindergarten in anderthalb Jahren abreissen und an dessen Stelle ein dreistöckiges Schulhaus bauen. Dort sollen künftig drei Klassen und eine Tagesschule Platz haben.

Insgesamt 125 Kinder, also das Fünffache, will die Stadt künftig auf dem Areal unterbringen. Das geht auf Kosten des Umschwungs: Nur ein schmaler Streifen – gut 600 Quadratmeter – bleibt rund ums neue Schulhaus frei fürs Spielen. «Das ist viel zu wenig für kleine Kinder», findet Jürg Weder, Co-Präsident des Länggassleists, und mit ihm auch viele Eltern im Quartier.

Der Neubau ist zu einem grossen Teil für 4- bis 8-jährige Kinder bestimmt. Im neuen Schulgebäude will die Stadt nämlich neben einer Tagesschule für 50 Kinder drei Basisstufenklassen unterbringen.

Stadt verteidigt Planung

Die Stadt ist nicht der Meinung, dass die Kinder zu wenig Platz im Freien hätten. Es gebe auch eine Terrasse im Obergeschoss, führt Jennifer Luginbühl, Sprecherin der Abteilung Hochbau Stadt Bern (HSB), ins Feld. «Ausserdem haben die Tagesschule und die Basisstufen teilweise unterschiedliche Betriebszeiten.»

Die Platzsituation etwas anders eingeschätzt hat das Preisgericht, welches den Schulhausneubau in einem Wettbewerb aus 22 Projekten ausgewählt hat. Die Jurymitglieder sind bei der Beurteilung zum Schluss gekommen, dass die Aussenräume «eher klein ausgefallen» seien.

Dass die Stadt das Schulhaus trotzdem bauen will, hat einen Grund: Sie braucht – wie in vielen anderen Quartieren – dringend neue Schulräume, hat aber in diesem Gebiet kein einziges anderes Grundstück, das ihr gehört.

Auf dem weitläufigen Areal im Raum Muesmatt gehören alle Gebäude dem Kanton. Die Stadt habe zwar versucht, auf diesem Areal Platz für die Volksschule zu bekommen, sagt Jennifer Luginbühl. Doch vergebens. «Der Kanton hat keine freien Objekte», sagt Gerhard Ammann, Sprecher der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons.

Andere Optionen

Doch was ist mit den Räumen, welche frei geworden sind, als die Lehrerausbildung vom Muesmatt ins Von-Roll-Areal umgezogen ist? Diese will der Kanton nicht für Schulkinder hergeben. Denn auf diesem Gelände soll es mit dem Projekt «Uni-Mitte» mehr Platz für Studenten geben.

Bleibt noch ein anderes Areal, das in etwa fünf Jahren frei werden dürfte: Auf Ende 2019 muss die BLS aus ihrer Werkstatt Aebimatt an der Depotstrasse ausziehen, weil die SBB ihre Gleise ausbauen wollen. Trotz dem Gleisausbau bliebe genug Platz für ein neues Schulhaus übrig. Allerdings müssten die Schulkinder noch rund zehn Jahre auf ihre neue Bleibe warten.

Eine so lange Wartezeit könnte auch dem bereits fertig geplanten Schulhausneubau an der Depotstrasse drohen. Die Stadt rechnet zwar optimistisch mit einem Baubeginn in anderthalb Jahren und weitere zwei Jahre später mit dem Bezug.

Doch das Projekt muss noch viele Hürden nehmen. Die höchste dürfte sein, dass das Areal derzeit noch in der Wohnzone liegt und die Anwohner kaum ohne Einsprache einen dreistöckigen Neubau mit 125 Kindern vor ihrer Nase akzeptieren werden.

Berner Zeitung

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