Weiterhin keine Strassenschilder

Rüschegg

In der Gemeinde will man keine Strassenbezeichnungen. So hat die Gemeindeversammlung entschieden.

Flurname plus Hausnummer und ein Buchstabe bezeichnen die Rüschegger Adressen bis auf weiteres.

Flurname plus Hausnummer und ein Buchstabe bezeichnen die Rüschegger Adressen bis auf weiteres.

(Bild: Enrique Muñoz García)

Dorf 621A oder Gambach 198D sind zwei typische Adressbezeichnungen in Rüschegg. Sie bestehen aus dem historischen Flurnamen, der Hausnummer und einem Buchstaben. So sollen die Adressen auch in Zukunft bleiben. Entgegen dem Begehren eines Bürgers, in Rüschegg Strassenbezeichnungen einzuführen, hat sich die Gemeindeversammlung dagegen entschieden.

Denn: Die heutigen Adressen sind mithilfe eines Autonavigationsgeräts oder mit Local.ch zu finden. Schwieriger ist es mit Google, weil es lange dauert, bis neuere Adressen dort erscheinen. Trotzdem: Die Adressen der Rüscheggerinnen und Rüschegger sind offiziell registriert. Beim Verzicht auf neue Bezeichnungen kann die Gemeinde einige Hunderttausend Franken sparen, die sie für Strassenschilder ausgeben würde.

Obschon es mit den heutigen Adressbezeichnungen nur äusserst selten Probleme gibt, etwa wenn ein Päckli-Kurier das Haus nicht findet, hatte der Antrag, Strassen mit Namen zu bezeichnen, in der Sommer-Gemeindeversammlung eine Mehrheit gefunden. Vielleicht wegen Fällen wie diesem, in dem ein Bürger von der Post informiert wurde, dass er nicht mehr in der Unteren Mühle, sondern an der Riffenmattstrasse wohne. Der Mann war perplex, wusste nicht, ob er nun sämtliche offiziellen Dokumente ändern müsse, was ihn einiges an Geld gekostet hätte. Er liess es bleiben, gemäss Auskunft der Gemeinde lautet seine Adresse nach wie vor Untere Mühle. Offenbar ein Irrtum der Post, wie der Mann nachträglich erfahren hat.

Trotzdem hatte der Gemeinderat den Bürgerantrag ernst genommen, das Vorgehen diskutiert, die Kosten schätzen lassen und das Geschäft traktandiert. Die Einführung von Strassennamen, die auch die Flurnamen einbeziehen, wären gemäss Gemeinderat ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre. Er befürchtete, dass das Schaffen benannter Strassen und Gebiete einen Schilderwald zur Folge hätte.

Vor allem machten ihm die hohen Kosten Sorgen. Allein eine Schätzung belief sich auf 204'000 Franken. «Unser System hat sich bewährt», sagte Gemeinderat Alfred Mitterer. Das Volk folgte ihm. Denn Strassennamen hätten für jeden Bürger teure Adressänderungen zur Folge. In der Schlussabstimmung sagten 45 Personen Nein zum Vorschlag, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die das Geschäft detailliert ausarbeiten würde. 35 Personen stimmten Ja – und alle müssen weiterhin ohne Strassennamen leben.

Die Adressen in Rüschegg bleiben also so wie bis anhin: Im Hirschhorn 298A ist die Gemeindeverwaltung, im Bundsacker 513A+B steht das Schulhaus. Die Flurnamen der Gemeinde sind fantasievoll. Wo sonst gibt es Adressbezeichnungen wie Wislisau, Graben, Lammerboden und Stierelegi?

Berner Zeitung

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