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«Wein machen ist eine emotionale Sache»

Beat Burkhardt steht im Rampenlicht: Erst wurde bekannt, dass der Ligerzer künftig Wein für das ­Benediktinerkloster Engelberg produzieren darf. Kurz darauf wurde er zum ersten Berner Winzer des Jahres erkoren.

Beat Burkhardt führt den Familienbetrieb Weingut Bielerhaus in Ligerz in achter Generation.
Beat Burkhardt führt den Familienbetrieb Weingut Bielerhaus in Ligerz in achter Generation.
Frank Nordmann/BT

Ausgeglichen muss er sein und doch seinen eigenen Charakter aufweisen. Die Region soll er widerspiegeln und natürlich auch die Handschrift seines Machers tragen. «Von einem guten Wein möchte man ein zweites Glas trinken», sagt Beat Burkhardt.

Das haben sich wohl auch die Jurymitglieder gedacht, als sie den Wein von Burkhardt im Glas schwenkten und ihnen die feinen Aromen in die Nasen stiegen. Im Auftrag des Kantons Bern degustierten sie in einer Blindverkostung 115 verschiedene Weine – und gaben denen von Burkhardt die höchste Punktzahl. Und so kam es, dass Burkhardt Anfang September von Regierungsrat Christoph Ammann (SP) zum Berner Winzer des Jahres gekürt wurde. Ein Titel, der erstmals überhaupt vergeben wurde.

Der Druck sei seither schon ein wenig gestiegen, sagt der Ligerzer. Schliesslich weiss jetzt der ganze Kanton: Der Burkhardt, der macht guten Wein. Und das soll auch so bleiben. Doch eine Anleitung, wie man es als Winzer zu Ruhm und Ehre schafft, kann er nicht vorweisen. «Dafür gibt es kein Rezept.»

Vielmehr gehe es bei der Weinherstellung darum, viele kleine Puzzleteile zu einem grossen Ganzen zusammenzufügen. Viel Gefühl braucht es für diesen Job, ein Gespür für jede einzelne Parzelle, auf der die Rebstöcke gedeihen. Denn je nach Bodenbeschaffenheit oder Hanglage ist eine unterschiedliche Zuwendung nötig. «Wein zu machen, ist eine emotionale Sache.»

Der Hype geht zurück

Die Freude bei Burkhardt war gross, als er von seinem guten Abschneiden hörte. Eine solch spezielle Auszeichnung zu gewinnen, sei toll. Während eines Jahrs darf er sich nun mit der Bezeichnung «Berner Winzer des Jahres 2017» schmücken. Auf dem Schild, das an seinem Zuhause, dem altehrwürdigen Bielerhaus an der Ligerzer Dorfgasse, befestigt ist, hat Burkhardt bereits einen Kleber angebracht.

Der Titel ist ein gutes Marketinginstrument. Doch es gibt viele Prämierungen in der Weinbranche, und nicht jede ist gleich erstrebenswert. «Das ist auch eine Kostenfrage», sagt Burkhardt. Wer seinen Wein ins Rennen schicken will, muss für die Wettbewerbsanmeldung 100 bis 200 Franken locker machen. Falls der Wein nach der Degustation durch eine Jury prämiert wird, sorgt das bestenfalls für ein gutes Renommee. «Der Hype um die Auszeichnungen geht derzeit etwas zurück», sagt er.

Auf einen Preis ist er dennoch besonders stolz: 2006 hat er mit seinem Chasselas im nationalen Concours der Schweizer Weine den zweiten Rang erreicht. Erst 3 Jahre davor, mit gerade einmal 22 Jahren, hat er den Familienbetrieb von den Eltern übernommen. Ein Betrieb mit langer Geschichte: Der Ursprung der Weinkultur im Bielerhaus liegt im Jahr 1415. Seit 1825 leitet die Familie Burkhardt die Geschicke des Weinguts.

Qualität kommt vor Label

Heute, mittlerweile 36 Jahre alt und Vater von zweijährigen Zwillingsmädchen, gehört Beat Burkhardt immer noch zu den jungen Winzern am Bielersee – und das, obwohl er sich mittlerweile seit zwei Jahrzehnten mit Wein beschäftigt. Er arbeitet nach den Richtlinien der integrierten Produktion.

«Dieses Jahr habe ich das erste Mal nach den Richtlinien des ökologischen Rebbaus gearbeitet.» Auf Herbizide verzichtet er seit 2 Jahren komplett. Doch für ihn ist klar: Die Qualität des Weins muss im Mittelpunkt stehen. «Es geht mir um den Wein und nicht um ein bestimmtes Label.»

Wenn er von seinem Beruf spricht, wird deutlich, dass es für ihn keine schönere Arbeit gibt. Er sieht es als Privileg, ein Naturprodukt von A bis Z selbst herzustellen. Zudem schätzt er die Vielseitigkeit seines Berufes, zu dem auch ein enger Kundenkontakt gehört. «Wenn jemand bei mir Wein kauft und dann beim Öffnen der Flasche an meinen Betrieb denkt – das ist doch einfach schön.»

Viel Beachtung dank Kloster

Schon bald werden seine Weine in heiligen Gemäuern entkorkt. Das Benediktinerkloster Engelberg hat das gleichnamige Rebgut in Twann-Tüscherz nach fast 600 Jahren zurück in seinen Besitz gebracht. Für die Bewirtschaftung der drei Hektaren sorgt seither Beat Burkhardt: Zwei Drittel hat er gepachtet, ein Drittel des Weins ist für das Kloster in der Zentralschweiz bestimmt.

Die Nachricht, dass das Kloster wieder eigenen Wein produziert, sorgte im August für viel Aufmerksamkeit: Zeitungen schrieben darüber, sogar in der «Tagesschau» gab es einen Beitrag. «Die haben das mit grosser Kelle angerührt.»

Im Rampenlicht stand nicht nur das Kloster, sondern auch der Winzer. Davon soll neben seinem eigenen Wein auch die ganze Weinregion am Bielersee profitieren. Wenn im neuen Jahr in Engelberg der erste Kloster-Chasselas vom Bielersee eingeschenkt wird, sorgt das bestimmt wieder für Aufmerk­samkeit.

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