Weihnachtsmarkt um jeden Preis

Bern

Nach Protesten aus der Politik stoppte Bern Welcome die Idee eines Weihnachtsmarkts auf der Kleinen Schanze – um sich kurz danach über Private zu freuen, die nun genau diese umsetzen.

Eine Weihnachtsmarktszene, wie sie sich im Dezember auf der Kleinen Schanze abspielen könnte.<p class='credit'>(Bild: iStock)</p>

Eine Weihnachtsmarktszene, wie sie sich im Dezember auf der Kleinen Schanze abspielen könnte.

(Bild: iStock)

Christoph Hämmann

Die Kritik war breit ab­gestützt: Parteien von links bis rechts fanden es unoriginell, im Advent auf der Kleinen Schanze ein «Winterwunderland» einzurichten. Das Projekt sei angesichts der beiden anderen Berner Weihnachtsmärkte überflüssig und bloss ein Abklatsch der zahlreichen Weihnachtsmärkte in ganz Europa. Kaum ­jemand mochte deshalb glauben, dass ein Weihnachtsmarkt mit Eisbahn auf der Kleinen Schanze zusätzliche Touristen nach Bern locken würde.

FDP und GLP – grundsätzlich offen für das Projekt – kritisierten, dass der Gemeinderat dieses mit 100 000 Franken unterstützen wollte. Mit Blick auf die bestehenden Märkte fand Tom Berger (FDP/JF), das sei, wie wenn man bei einem 100-Meter-Lauf jemanden bei der 50-Meter-Marke starten liesse.

Neuauflage kurz nach Stopp

Vergeblich warb Gemeinderat Reto Nause (CVP) dafür, dem Projekt, das «eine Weihnachtsstimmung der besonderen Art» verspreche, eine Chance zu geben: Der Stadtrat überwies das Postulat, mit dem Luzius Theiler (GaP) den Anlass verhindern wollte.

Dann wurde im Herbst 2017 bekannt, dass das Projekt auf den Winter 2018 verschoben werde – bis vor gut einem Monat Bern-Welcome-Chef Martin Bachofner im Interview mit dieser Zeitung sagte: Man wolle keinen eigenen Weihnachtsevent organisieren, die Idee einer Eisbahn auf der Kleinen Schanze sei gestorben – auch, weil die Idee «in politischen Kreisen nicht nur auf Gegenliebe gestossen» sei.

Und jetzt dies: Im Dezember findet auf der Kleinen Schanze erstmals der Berner Sternenmarkt statt. Organisiert von Sternekoch Markus Arnold und Gastrounternehmer Tom Weingart, ohne städtisches Geld, sollen in rund 60 Hütten «lokale Spezialitäten und Delikatessen aus aller Welt» angeboten werden, dazu gibts Designstände und Kinder­angebote (wir berichteten).

Der Verdacht liegt nahe: Bern Welcome und der Gemeinderat stoppen angesichts des Gegenwinds ihr Projekt – und bestellen etwas Ähnliches, ohne Eisbahn, bei bewährten Gastronomen. Dem sei nicht so, heisst es bei der Direktion für Sicherheit, Umwelt und Energie (SUE).

Man habe im Sommer 2017 erfahren, dass der Weihnachtsevent von Bern Welcome nicht stattfinde. Im März 2018 sei dann die Anfrage der privaten Veranstalter eingegangen und im Mai deren Anlass vom ­Gemeinderat genehmigt worden.

Laut Bern Welcome liegen Rückzieher und Neuauflage indes zeitlich viel näher beieinander: Der Verwaltungsrat entschied laut CEO Bachofner im Februar 2018, das Projekt nicht durchzuführen.

Im Februar erfolgte also der Stopp bei Bern Welcome, und am 3. März präsentierten ­Arnold und Weingart der Stadt ihre Idee. Ebenfalls seltsam mutet an, dass weder die eine noch die andere Neuigkeit offiziell kommuniziert wurde.

Thema in der Budgetdebatte

Stadtrat Theiler je­denfalls findet es «einen Affront gegenüber dem Stadtrat, wenn nun trotz des Postulats ein Weihnachtsmarkt auf der Kleinen Schanze bewilligt wird». Auch deshalb – mehr noch aber, weil der ab 2019 geltende Leistungsvertrag im Parlament noch nicht behandelt worden sei und weil es dem Tourismus bestens gehe – beantragt er morgen in der Budgetdebatte, auf den zusätzlichen Beitrag von 530 000 Franken für die Tourismusorganisation zu verzichten (s. Box).

Versöhnlicher äussert sich Yasemin Cevik (SP/Juso), deren Fraktion Theilers Vorstoss 2017 unterstützte. Sie finde es gut, dass auf eine zusätzliche Eisbahn verzichtet werde, sagt sie, kündigt aber an, «genau hinzuschauen, ob eine öffentliche Nutzung der Kleinen Schanze neben dem Markt möglich bleibt».

Tom Berger (FDP/JF) begrüsst es «explizit, dass auf der Kleinen Schanze etwas geht». Private mit innovativen Ideen sollten seiner Ansicht nach willkommen sein – dann entscheide der Markt über deren Angebot.

Berner Zeitung

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