Wegen teurem Bio-Food: Juso verschenkte Hotdogs an Badegäste

Bern

Weil die neuen Badibeizen-Pächter im Wyler, Weyerli und in der Ka-We-De auf überteuerten Bio-Food setzen, schaltet sich nun die Juso ein. Mitglieder der linken Jungpartei verteilten am Samstag gratis 200 Hotdogs an Weyerli-Besucher.

Die Juso macht ernst: Am Samstag verteilten Parteimitglieder vor dem Weyerli Gratis-Hotdogs an Badegäste, um gegen die überrissenen Preise in der Badibeiz zu protestieren.

Die Juso macht ernst: Am Samstag verteilten Parteimitglieder vor dem Weyerli Gratis-Hotdogs an Badegäste, um gegen die überrissenen Preise in der Badibeiz zu protestieren.

(Bild: zvg/Juso Stadt Bern)

Michael Bucher@MichuBucher

Baba Ghanoush statt Chicken Nuggets, Hummus statt Burger: Die neuen Badibeizen-Pächter der städtischen Badeanstalten Wyler, Weyerli und in der Ka-We-De setzen bei ihrem kulinarischen Angebot auf Bio-Food. Dass das bei vielen Bernerinnen und Bernern nicht gut ankommt, konnte in den letzten Tagen zuhauf gelesen werden – in den Print- wie auch in den sozialen Medien.

Nebst langen Wartezeiten standen vor allem die stolzen Preise in der Kritik. Ein Bio-Hotdog etwa kostet 9.50 Franken. Die neuen Betreiber argumentieren, dass die qualitative hochstehende Kost aus einheimischen Bio-Produkten eben seinen Preis habe. Das war allen voran der Stadtberner Juso ein Dorn im Auge. Gegenüber dem «Bund» sagte die Berner Stadträtin und Juso-Präsidentin der Schweiz, Tamara Funiciello, dadurch dass Freibäderbeizen Bioprodukte zu horrenden Preisen verkauften, würden Menschen mit tieferem Einkommen von der Kundschaft ausgeschlossen.

Klassenkampf um ein Bio-Würstli

In den letzten Tagen entzündete sich daraus eine hitzige Debatte, bei der grüne und linke Ideologien – die ansonsten ziemlich deckungsgleich sind – aufeinanderprallten. Hier die grünen Gastronomen, welche die biologische und nachhaltige Produktion über alles stellen, da die linke Juso, welche die einfachen Leute und Familien mit niedrigem Einkommen benachteiligt sehen. Es entbrannte ein schierer Klassenkampf um ein Bio-Würstli.

Am Samstag liessen die linken Jungpolitiker den empörten Worten Taten folgen. In einer Protestaktion stellten Mitglieder der Partei vor dem Weyerli einen Essstand auf, und boten den Badegästen Hotdogs an, und zwar gratis. Sie verwendeten dabei nicht etwa billige Industriewürstchen, wie die Juso in einer Mitteilung an die Medien schreibt, sondern «Würstchen einer regionalen Metzg».

Denn sie propagiere ja nicht billigen Industriefood, schreibt die Juso weiter. Aber es sollte in ihren Augen möglich sein, auch mit regionalem und qualitativ gutem Fleisch einen preiswerten Hotdog anbieten zu können, etwa durch das Auslassen von Zwischenhändlern. «Wir hatten für unsere Hot Dogs mit lokalen Erzeugnissen ja auch Produktionskosten von nicht einmal 1.50 Franken pro Stück», lässt sich Juso-Vorstandsmitglied Shivani König in der Mitteilung zitieren.

Kritik an der Mutterpartei

Die Jungpartei geht auch mit ihrer Mutterpartei und SP-Gemeinderat Michael Aebersold hart ins Gericht. «Wir fordern eine Anpassung der Preise in den öffentlichen Badis und insbesondere von der SP, dass sie als offiziell linke Partei ihren Einfluss im Gemeinderat dazu gebraucht», schreiben die Jungsozialisten.

Sortiment wird wohl noch angepasst

Die neuen Badibeizen-Pächter verteidigen ihr kulinarisches Angebot. «Ungarisches Poulet werden wir nicht servieren. Auch wenn es günstiger wäre», sagte Didier Steiner letzte Woche gegenüber dieser Zeitung. Er ist einer der Betreiber der Beizen. Im kritisierten Hotdog werde ein reines Schweizer Rindswürstli serviert. «Es entspricht unserer Philosophie, auf Qualität und Frische zu setzen.» Er versprach aber, dass man das Sortiment noch einmal überdenke, um auch günstigere Speisen anbieten zu können.

Seit etwas mehr als einem Monat führt die Berner Badi-Beizli GmbH die Gastronomie in dreien der fünf städtischen Bäder. Die Personen dahinter sind in Bern keine Unbekannten: Marco Belz, Didier Steiner und Christoph Haller sind an der Propeller-Bar, am Bonsoir-Club sowie am Restaurant Kung Fu Burger beteiligt.

Berner Zeitung

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