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Wegen Falken: Tauben werden rot angefärbt

In der Schweiz jagen heute so viele Falken, dass sie das Überleben der Brieftauben gefährden. In der Vogelstation Sand in Schönbühl versuchen Züchter ihren Tieren zu helfen: Schockfarben sollen Wanderfalken abschrecken.

Hansueli Tschannen mit einer «gefärbten» Taube.
Hansueli Tschannen mit einer «gefärbten» Taube.
Andreas Blatter

Mit 200 Stundenkilometern stürzt er sich auf sein Opfer. Oft stirbt die Taube allein durch die Wucht des Aufpralls. Überlebt sie, reisst der Wanderfalke tiefe Wunden in seine Beute. Er tötet mit dem «Falkenzahn», einer Ausprägung des Schnabels, die kein anderer Raubvogel hat. Brieftauben fliegen oft in Schwärmen. Greift ein Falke an, stirbt nicht bloss das angegriffene Tier. Der ganze Schwarm gerät in Panik. Die Vögel verlieren ihren Ortungssinn und finden nicht mehr heim in den Schlag. Er habe bei Flügen auch schon die Hälfte seiner rund 100 Vögel verloren, erklärt Taubenhalter Beat Schüpbach aus Herbligen. Züchter Hansueli Tschannen aus Uettligen ergänzt: «Wer nicht mindestens 50 Jungtauben hat, muss damit rechnen, innert drei Jahren alle durch Greifvögel zu verlieren.»Ideale BeuteDen Brieftauben geht es schlecht, weil es den Greifvögeln gut geht. Der Wanderfalke war vor 40 Jahren vom Aussterben bedroht. Insektengifte dezimierten die Vögel. Seit die Landwirtschaft schonender produziert, ist die Population wieder gewachsen. «Heute leben in der Schweiz 200 bis 250 Wanderfalken-Brutpaare», sagt Hans Schmid. Damit sei der ursprüngliche Bestand wieder erreicht, so der Experte der Vogelwarte Sempach. «Tauben sind von ihrer Grösse her eine ideale Beute für Falken und Habichte», erklärt Schmid. Die Greifvögel könnten ihren Ruf verbessern, wenn sie nicht bloss sorgsam gehegte Sporttauben, sondern auch überzählige Stadttauben angreifen würden. An einzelnen Standorten geschieht dies. «Unter anderem in Basel und Zürich brüten Wanderfalken heute an Hochhäusern und attackieren Stadttauben», erklärt Schmid. Doch würden diese Greifvögel in der Regel unbewohnte Gebiete bevorzugen, Felsen etwa. Rot eingefärbtRaubvögel sind geschützt und deshalb vor Jägern sicher. Die «Brieftübeler» versuchen nun einen anderen Weg, um ihre Tiere vor dem Feind zu bewahren. Als Experiment haben sie die Unterseite der Flügel von 65 Brieftauben rot eingefärbt. Die Schockfarbe soll Falken abschrecken. «Bisher haben sie bloss einen dieser Vögel gerissen, alle anderen blieben heil», sagt Züchter Hansueli Tschannen. Die Bilanz sei damit sehr positiv. Die psychologische Kriegsführung wurde an einem Ort mit militärischer Tradition ausgeheckt: in der Brieftaubenstation «Sand» in Schönbühl. Bis 1994 hegte die Armee dort Tauben und bildete Soldaten aus. Nach der Ausmusterung der gefiederten Kuriere gründeten Vogelfreunde eine Stiftung, die im «Sand» einen reduzierten Betrieb weiterführt. Präsident dieser Institution ist Hansueli Tschannen. Die Stiftung überlässt das Gelände privaten Züchtern und hegt hier eigene Tauben.

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