Wegen Bauarbeiten: Jetzt ist viel Geduld gefragt

Ittigen

Die Bauarbeiten an der Papiermühlekreuzung sind losgegangen. In den nächsten anderthalb Jahren ist am stark frequentierten Knotenpunkt mit einigen Einschränkungen zu rechnen.

Das erste Stück Belag ist weggefräst:?Ein Augenschein gestern Morgen auf der Papiermühlekreuzung.

Das erste Stück Belag ist weggefräst:?Ein Augenschein gestern Morgen auf der Papiermühlekreuzung.

(Bild: Andreas Blatter)

Markus Zahno

Das Prozedere wiederholt sich jeden Morgen alle siebeneinhalb Minuten: Die Bahnschranken gehen runter, das orange Bähnli aus Bern fährt ein, eine Hundertschaft Leute steigt aus und macht sich zu Fuss auf den Weg zur Arbeit. Derweil fährt auf dem Nebengleis die S-Bahn aus Bolligen ein.

Ein paar Sekunden später öffnen sich die Bahnschranken wieder – und die Autokolonne, die sich gebildet hat, setzt sich langsam in Bewegung.Wer zuschaut, merkt rasch, warum Fachleute die Ittiger Papiermühle als einen der komplexesten Verkehrsknotenpunkte in der Region Bern bezeichnen. Rund 17 000 Autos fahren hier jeden Tag vorbei, an der Bahn- und der Busstation steigen pro Jahr 1,77 Millionen Menschen ein und aus.

Ab sofort wird die Kreuzung noch viel komplizierter: Bis zum Sommer 2017 wird sie komplett umgebaut. Die vergangene Woche stand im Zeichen der Baustelleninstallation, und gestern Morgen haben die Arbeiter in den orangefarbenen Helmen begonnen, den Strassenbelag aufzufräsen.

Nur kurz gesperrt

«Wir sind froh, dass es endlich losgeht», sagt der Ittiger Gemeinderat Robert Schindler (SVP), während er die Szenerie beobachtet. Seit bald 20 Jahren wird über einen Umbau gesprochen, die konkrete Planung dauerte 10 Jahre. Ergebnis: Ein neuer Kreisel löst die alte Ampelanlage ab.

Robert Schindler, Gemeinderat

Die Fussgängerquerungen, Einspurstrecken, Radstreifen und der Bahnübergang werden komplett erneuert. Und die Linienbusse erhalten bei den neuen Ampelanlagen Priorität. Das Projekt kostet 5,2 Millionen Franken. Rund 4 Millionen übernimmt die Gemeinde Ittigen, den Rest steuern Bund, Kanton und der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) bei.

Am Wochenende vom 8. und 9. Oktober wird die Kreuzung total gesperrt sein. Ansonsten sei sie immer befahrbar, erklärt Schindler. Allerdings mit Einschränkungen: Die Fahrspuren werden reduziert, das Abbiegen dauert länger, die Zufahrt zu den umliegenden Liegenschaften ist teilweise stark erschwert. Das sorgte bei manchen Anwohnern und Gewerbetreibenden für Kritik. «Wer hat schon gerne so lange eine Baustelle vor der Haus- oder der Ladentüre», sagt Schindler. «Generell ist aber Verständnis da.» Man nehme, fügt Projektleiter Peter Gerber an, ja auch Rücksicht auf das Gewerbe. Der Velo­shop beim Bahnhof zum Beispiel hatte vorletztes Wochenende Frühlingsausstellung. «Deshalb begannen die Arbeiten erst letzte Woche.»

Peter Gerber, Projektleiter

Noch mehr Arbeitsplätze

Als Erstes werden in den kommenden Wochen die Werkleitungen ersetzt. Die aufwendigsten Arbeiten im Nord- und im Mittelbereich der Kreuzung sind während der Ferien geplant – im Sommer und im Herbst 2016. In dieser Zeit können die Autofahrer zum Teil nicht in alle Richtungen abbiegen, die Umleitungen werden grossräumig signalisiert. Im Frühling 2017 verlagern sich die Arbeiten dann in den süd­lichen Teil der Kreuzung. Das ­bedeutet auch Umwege für all jene, die mit dem ÖV in die Papiermühle reisen und zu Fuss ins Büro gehen.

Allein die Bundesverwaltung hat in diesem Gebiet rund 4000 Arbeitsplätze. Bald kommen weitere 1000 dazu. Die Swisscom ist mit 2000 Angestellten vor Ort. «Als die Planung für die neue Kreuzung begann, wussten wir noch nicht, dass die Swisscom hier einen Businesspark bauen würde», sagt Robert Schindler. Nachdem dies bekannt geworden sei, habe man die Pläne anpassen und mehr Fläche für die Fussgänger schaffen müssen.

Während Projektleiter Gerber und Gemeinderat Schindler erzählen, verrichten die Bauarbeiter unbeirrt ihren Job. Auf der Mittelinsel bereiten sie die Grabarbeiten für die Werkleitungen vor. Ein Auto nach dem andern rauscht vorbei. Alle siebeneinhalb Minuten fährt das Bähnli ein – und Sekunden später entsteigt ihm die nächste Hundertschaft Leute.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt