Giffers

Wegen Asylzentrum: Kritiker planen eine Bürgerwehr

GiffersDie IG Guglera befürchtet, dass Spaziergänger von den Asylbewerbern des Ausreisezentrums in der Guglera belästigt werden könnten. Deshalb will sie eine Bürgerwehr ins Leben rufen. Die Polizei lehnt das Vorhaben ab.

Trotz Umzäunung: Die IG Guglera sorgt sich um die Sicherheit beim zukünftigen Bundesasylzentrum.

Trotz Umzäunung: Die IG Guglera sorgt sich um die Sicherheit beim zukünftigen Bundesasylzentrum. Bild: Aldo Ellena/FN

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im nächsten Winter soll das Bundesasylzentrum in der Guglera seinen Betrieb aufnehmen. Im 250 Plätze umfassenden Ausreisezentrum bei Giffers werden hauptsächlich abgewiesene Asylbewerber untergebracht sein, die auf eine Rückkehr in ihr Herkunftsland oder den für sie zuständigen Dublin-Staat warten.

Das bereitet den Mitgliedern der Interessengemeinschaft (IG) Guglera Kopfzerbrechen. Sie sorgen sich um die Sicherheit im Umkreis des Zentrums. Sie haben deshalb beschlossen, eine Bürgerwehr ins Leben zu rufen. Auf ihrer Facebook-Seite hat die IG einen entsprechenden Aufruf veröffentlicht.

Nur «präventiv»

«Das Asylzentrum steht inmitten einer bei Spaziergängern beliebten Gegend», sagt IG-Mitbegründer William Aeby. «Sie soll auch in Zukunft bedenkenlos genutzt werden können.» Um dies zu garantieren, wolle die IG eine Telefonnummer einrichten, auf die Personen anrufen können, falls sie in Schwierigkeiten geraten. «Die Bürgerwehr wird aus etwa acht Personen bestehen, die allesamt in der Umgebung des Asylzentrums wohnen und sich rasch einschalten könnten, falls es zu Problemen kommt», erklärt ­Aeby.

Dabei würde der Einsatz der Bürgerwehr daraus bestehen, den Anrufer zu unterstützen. «Präventiv» und «ohne Gewalt», wie es auf Facebook heisst. «Wir werden nur dann ausrücken, wenn wir gerufen werden», stellt Aeby klar. «Patrouillen wird es keine geben. Das ist alleinige Aufgabe der Polizei.» Eine halbe Armee aufzustellen, wie dies zuweilen von Bürgerwehren in anderen Gegenden gemacht werde, sei nicht im Sinn der IG.

Vorfall in Riggisberg

Warum braucht es dieses zusätzliche «Angebot» überhaupt? Den Ausschlag gegeben habe ein Gespräch mit Personen aus Riggisberg, sagt William Aeby. «Im Zusammenhang mit dem Asylzentrum hat es dort eine ähnliche Gruppierung gegeben.» Diese sei gebildet worden, nachdem die Polizei über eine Stunde gebraucht habe, um nach einem Zwischenfall an Ort und Stelle zu sein. «Das ist viel zu lange. Das möchten wir hier unbedingt vermeiden», sagt Aeby. «Die Kantonspolizei Freiburg wird zu jeder Zeit über unsere Schritte informiert sein.»

Bei dieser hält sich die Freude über die Ankündigung in Grenzen. Für die Kantonspolizei sei eine Bürgerwehr nicht wünschenswert, erklärt Philippe Al­lain, Chef der Gendarmerie. «Wir begrüssen dieses Vorhaben nicht und bevorzugen andere Wege, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten.» Allain bestätigt die Aussage Aebys, wonach zwischen der Kantonspolizei und der IG Guglera ein regelmässiger Austausch stattfinde. «Die Verantwortlichen der IG haben angekündigt, dass sie eine Bürgerwehr lancieren möchten. Wir ­haben aber nie konkret darüber gesprochen.»

Keine Rechte

Der Chef der Gendarmerie erläutert, dass ein Bürgerwehrmitglied in keinem Fall mehr Rechte als ein anderer Bürger habe. «Das heisst, dass nicht einfach Per­sonenkontrollen durchgeführt oder Asylbewerber von einem ­öffentlichen Platz verwiesen werden dürfen.» Ansonsten kämen die Bürgerwehrmitglieder rasch mit dem Gesetz in Konflikt. Philippe Allain erinnert daran, dass in der Zusammenarbeit ­zwischen Bund, Kanton und Gemeinden das Thema Sicherheit einen zentralen Platz einnehme: «Die Kantonspolizei wird die nötigen Anpassungen vornehmen, um die Sicherheit zu gewähren.»

Marcel Kolly, Gemeindepräsident von Rechthalten, hört zum ersten Mal von den Ideen der IG. Er kann mit der angedachten Bürgerwehr nichts anfangen. «Wir wissen noch gar nicht, wie sich die Situation mit dem neuen Asylzentrum genau präsentieren wird.» Das Wort Bürgerwehr habe für ihn einen schalen Beigeschmack, sagt Othmar Neuhaus, Gemeindepräsident von Giffers. Er stehe solchen Aktivitäten deshalb mit Skepsis gegenüber. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.02.2017, 06:32 Uhr

Artikel zum Thema

Zukünftiges Asylzentrum von Vandalen heimgesucht

Giffers Am Wochende haben Unbekannte das künftige Bundesasylzentrum Guglera in Giffers beschädigt. Mehr...

Giffers: Guglera wird zum Ausreisezentrum

Giffers Im Institut Guglera entsteht ein Ausreisezentrum für abgewiesene Asylbewerber. Was dies für die Gemeinden Giffers und Rechthalten bedeutet, ist für die Gemeindepräsidenten schwierig abzuschätzen. Mehr...

Bund plant Asylzentrum in Giffers

Giffers Das Staatssekretariat für Migration plant, ab 2017 das Institut Guglera in Giffers als Bundesasylzentrum zu nutzen. Es wird 300 Asylsuchende aufnehmen. Das Zentrum soll dazu dienen, Dossiers beschleunigt zu behandeln. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Kampf gegen Rassismus: Ein Demonstrant protestiert gegen die Kundgebung «Liberty of Death», eine Versammlung von Rechtskonservativen vor der Seattle City Hall in Seattle, Washington. (18. August 2018)
(Bild: Karen Ducey/AFP/Getty) Mehr...