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Washbar will an die Sonne

Zum Trinken in den Keller gehen: Das macht im Sommer niemand gern. Deshalb planen die Betreiber der Washbar im zweiten Unterdeck der Welle 7 Aussensitzplätze.

Bar und Waschsalon in einem: Washbar-Leiterin Danai Stefanatou möchte ihre Gäste ab diesem Sommer auch draussen bewirten.
Bar und Waschsalon in einem: Washbar-Leiterin Danai Stefanatou möchte ihre Gäste ab diesem Sommer auch draussen bewirten.
Christian Pfander

Die Welle 7 beim Bahnhof Bern krankt an zwei Problemen: Dem dreistöckigen Gastro- und Einkaufstempel an der Schanzenstrasse fehlt es an Aussenplätzen. Und während sich die Gäste der Essstände im ebenerdigen Oberdeck auf den Füssen stehen, verirrt sich kaum jemand in die un­teren Etagen, wo vor­wiegend Spezialgeschäfte eingemietet sind.

Das ist auch an diesem Mittwochmittag nicht anders. Oben herrscht Betrieb wie in einem Bienenhaus, eine oder zwei Etagen darunter gähnende Leere. Wirtschaftlich spüren das auch die Geschäfte im Untergeschoss. Ende letzten Jahres mussten auf Deck 1 (1. UG) vier Läden ihr Welle-7-Experiment abbrechen.

Eine enge Angelegenheit

Geht man noch eine Ebene tiefer, stösst man unter anderem auf die Washbar – eine Bar mit integriertem Waschsalon. Der Standort auf Deck 0 zwischen einer Melec­tronics-Filiale und der Massage Lounge wirkt auf den ersten Blick suboptimal für eine Bar. Doch genau dieser Ort könnte sich nun doch als Glückstreffer erweisen. Denn anders als bei den rege besuchten Foodständen im obersten Deck besteht hier die Möglichkeit für eine Aussenbestuhlung – und zwar auf dem Zubringerabschnitt der Laupenstrasse südlich der Welle 7.

Trotz hohen Häuser­blöcken ringsherum herrscht hier mittags eitel Sonnenschein. Die Betreiber der Washbar möchten diese einmalige Konstellation innerhalb des Welle-7-Komplexes nutzen und so schnell wie möglich ihre Gäste auch draussen bedienen, wie eine Baupublikation im gestrigen Anzeiger der Region Bern zeigt.

«Im Sommer wollen Bernerinnen und Berner einfach draussen sitzen», begründet Ueli Biesenkamp auf Anfrage das Vorhaben. Er ist Designer der Daskonzept AG aus Thun, welche die Washbar betreibt. Dem Vorhaben, der Bar mit einer einladenden Sonnenterrasse das Kellerimage auszutreiben, sind aber enge Grenzen gesetzt. «Für eine Terrasse ist der Platz eigentlich unbrauchbar», sagt Biesenkamp. Denn er darf nur das 2,20 Meter breite Trottoir vor der Fensterfront der Bar für die Aussenbestuhlung nutzen. Und nicht einmal dieses in der ganzen Breite. Grund: Die städtischen Vorschriften verlangen, dass der Gehsteig zur Hälfte für Passanten frei sein müsse.

Trotz dieser engen Platz­verhältnisse will Biesenkamp draussen auftischen. «Wir müssen kreativ sein», schmunzelt er. Geplant ist eine längliche Sitzbank entlang der Fensterfront mit kleinen Bartischen. Vierzehn Sitzplätze sind so möglich. Die Einsprachefrist für die baulichen Anpassungen dauert bis zum 14. Mai. Läuft alles nach Plan, kann die Bar zwei Wochen später ein Sonnenplätzchen anbieten.

«Nur Wäscherei ist unsexy»

Die Washbar ist seit der Eröffnung der Welle 7 im August 2016 im zweiten Untergeschoss eingemietet. Dabei handelt es sich je nach Betrachtungsweise um einen Selbstbedienungswaschsalon mit integrierter Bar oder um eine Bar, in der man seine Wäsche reinigen lassen kann. «Eine Wäscherei für sich allein ist nicht so sexy», sagte sich Biesenkamp. Also peppte er das biedere Waschsalonambiente mit einer Bar auf. Die Idee hat er aus Holland importiert, dort funktioniere das tipptopp.

Und in Bern? «Wir sind sehr zufrieden», sagt Biesenkamp. Ein Grossteil der Waschkundschaft bestehe aus dem Welle-7-Personal und aus Studenten. Das be­stätigt auch Danai Stefanatou. Die gebürtige Griechin ist seit Anfang April Leiterin der Washbar. Konsumzwang gibt es für die Waschkunden keinen. Wer jedoch ein Getränk bestellt, zahlt nur 5 statt 7 Franken pro Waschgang.

An diesem Mittwochmittag läuft nur eine der zehn Wasch­maschinen. Darin drehen die Kleider von Mex Rodriguez ihre Runden, der an der Bar vor einem Mineral und seinem Laptop sitzt. Der Berner arbeitet Teilzeit und kommt regelmässig hierher, um seine Wäsche zu reinigen. «Ich wasche nicht gern in dem Wohnblock, wo ich wohne», sagt der ­34-Jährige. Die Waschküche sei sehr oft besetzt, und Kleider würden verschwinden. «Da komme ich lieber hierhin und kann dazu noch etwas trinken», sagt er. Bald kann er das vielleicht auch an der Sonne tun.

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