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«Was für Formen! Was für ein Design!»

Felix Blaser aus Lyss restauriert Autoträume. Schicke Oldtimer, die nicht bloss zum Anschauen sind.

Stolzer Besitzer: Felix Blaser zwischen einem Studebaker-Pick-up von 1947 (links) und einem Citroën Traction von 1939.
Stolzer Besitzer: Felix Blaser zwischen einem Studebaker-Pick-up von 1947 (links) und einem Citroën Traction von 1939.
Christian Pfander
Elegante Erscheinung: Kotflügel und Lampe des Citroën Traction.
Elegante Erscheinung: Kotflügel und Lampe des Citroën Traction.
Christian Pfander
Altes Eisen: Dieser 1957er-Citroën wartet auf seine Instandstellung.
Altes Eisen: Dieser 1957er-Citroën wartet auf seine Instandstellung.
Christian Pfander
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«Wow...», entfährt es dem Besucher unweigerlich beim Betreten der Werkstatt.

Rechts ein blauschwarzer Citroën Traction Avant 11B von 1939, links davon ein dunkelblauer Studebaker-Pick-up von 1947. Wahre Perlen des Automobilbaus, penibel restauriert, glänzend in Lack und Chrom.

Im hinteren Teil des Raums warten ein riesiger Packard aus dem Jahr 1932 und ein völlig verstaubter 1957er Citroën 11B auf ihre mechanische und kosmetische Instandstellung.

Und mittendrin: Felix Blaser. Hier schraubt, schleift, bohrt und poliert der 56-Jährige. Hier motzt er schrottreife Autoträume früherer Generationen wieder auf, nimmt sie auseinander und restauriert sie. Teil um Teil.

«Ja, ich bin schon angefressen von alten Autos. Immer wieder denke ich: Was für Formen! Was für ein Design!» Acht Fahrzeuge besitzt er momentan. Er hortet und pflegt sie in der Garage direkt bei seinem Haus in Lyss und an einem weiteren Standort.

Zerlegen, aufbauen

Gepackt hat den gelernten Elektroinstallateur und ausgebildeten Lokomotivführer das Oldtimervirus 1984. «Damals war ich als Elektromonteur in Vevey tätig. In einer Garage entdeckte ich einen Citroën 11B. Das Fahrzeug schien aus einem alten Gangsterfilm zu stammen. Ich war schlicht fasziniert», erzählt er.

«Das Fahrzeug schien aus einem alten Gangsterfilm zu stammen. Ich war schlicht ­fasziniert.»

1986 schliesslich wars, als Felix Blaser die erste Restauration in Angriff nahm. Ein Citroën 11BL von 1953, den er im Berner Seeland zum stolzen Preis von 5000 Franken kaufen konnte, hatte es ihm angetan. Zwei Jahre schraubte er an dem Fahrzeug herum, bis es wieder rundum erneuert war.

Bis heute hat er zehn Fahrzeuge komplett restauriert. «Zerlegt bis zur letzten Schraube, danach wieder aufgebaut und schliesslich als Veteranen geprüft», präzisiert er. Nicht nur die technischen, auch Sattlereiarbeiten gehören dazu. Bloss die Neumalerei überlässt er in der Regel Spezialisten.

«Durch meine beiden erlernten Berufe hatte ich im technischen und im mechanischen Bereich schon immer gute Grundkenntnisse. Und das weitere Wissen eignete ich mir im Selbststudium durch Fachliteratur an.»

Doch wie kommt Felix Blaser eigentlich zu seinen Trouvaillen? Nun, meist sind es «Scheunenfunde», wie er es ausdrückt. Die Wagen fristeten über Jahre und Jahrzehnte irgendwo in der Schweiz in einem Schuppen, einer Scheune oder einer alten Garage ihr Dasein. Oft vergessen von den früheren Besitzern oder deren Nachkommen und nicht selten am Vergammeln.

«Tausende Arbeitsstunden»

Wenn Blaser – durch einen Tipp oder ein Gerücht – von einem solchen Vehikel erfährt, macht er sich auf den Weg. Und wenn er den Wagen erwerben kann, gehts danach an die Arbeit. Für ein ausrangiertes Fahrzeug bezahlt er zwischen wenigen Hundert und mehreren Tausend Franken. Je nach Zustand und Seltenheitswert.

Wie viel Geld er schliesslich in eine komplette Restauration investiert, kann er «schlicht nicht beziffern». Aber es seien sicher «Tausende Arbeitsstunden», die er dafür aufwende. Notwendige Ersatzteile – möglichst originalgetreue – findet er im In- und Ausland über persönliche Kontakte, im Internet oder an einschlägigen Börsen.

Wenn die Arbeit schliesslich erledigt ist, das Auto in neuem Glanz erstrahlt und geprüft worden ist, bleibt es nicht etwa als Ausstellungsobjekt in der Garage stehen. «Diese Oldtimer sind zum Fahren da», betont Felix Blaser. Und es kommt auch mal vor, dass er ein Exemplar weiterverkauft. «Interessenten gibt es natürlich schon.»

Aber was hält eigentlich seine Frau von der Oldtimerleidenschaft ihres Mannes? «Wissen Sie, diese Leidenschaft bestand ja schon vor unserer Ehe. Meine Frau musste sich wohl oder übel damit abfinden», meint der Vater zweier Jungs mit einem Achselzucken. Und lächelt dabei spitzbübisch.

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