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Warum der Fall Gräve so teuer ist

BernWieso die Abfindung? Was kostet das alles? Wer leitet künftig die Theatersparte von Konzert Theater Bern? Die drängenden Fragen zur Vertragsauflösung mit Stephanie Gräve – und Antworten aus der Welt des Fussballs.

Stephanie Gräve bei ihrem Stellenantritt in Bern.

Stephanie Gräve bei ihrem Stellenantritt in Bern. Bild: Urs Baumann

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1. Wie viel kostet die Freistellung von Stephanie Gräve?

Nachdem Konzert Theater Bern (KTB) im Januar Stephanie Gräve freigestellt hatte, übernahm Intendant Stephan Märki die Theatersparte interimistisch – und ohne zusätzliche Entschädigung, um Mehrkosten zu vermeiden.

Stephanie Gräve, die 2015 mit einem Vierjahresvertrag bis 2019 ausgestattet worden war, hätte theoretisch Anrecht gehabt auf Lohnfortzahlung bis Juni 2019. Nun hat Konzert Theater Bern mit Gräve eine Abfindung vereinbart, die dem Lohn bis Ende 2017 entspricht.

Doch bereits im Sommer 2017 soll ihre Nachfolge die Stelle antreten. Das führt zu einer Überschneidung, die Konzert Theater Bern einen «mittleren fünfstelligen Betrag» kostet, wie Stiftungsratspräsident Benedikt Weibel sagt.

Dazu kommen weitere Auslagen in unbekannter Höhe. KTB übernimmt die Anwaltskosten von Stephanie Gräve sowie das Honorar von Anwalt Marcel Brülhart, der die KTB-Interessen ver­treten hat.

2. War eine Abfindung wirklich nötig?

Bei einem Jahreslohn, der bei rund 150'000 Franken liegen dürfte, beträgt die Abfindung für Gräve gut 200'000 Franken. Wegen der Interimsleitung der Theatersparte durch Stephan Märki verliert KTB aber weit weniger Geld (siehe oben). Der Grund für die hohe Abfindung liegt in den branchenüblich langfristigen Verträgen.

Wie beim Fussball: Wenn YB seinen Trainer aus einem laufenden Vertrag freistellt, muss er ihm bis zum Ende der Vertragslaufzeit den Lohn fortzahlen. Ausser, der Trainer findet einen neuen Verein, dann löst er den Vertrag mit YB auf. Oder man einigt sich beim Abgang auf eine Abfindung. Genauso ist es im Fall KTB–Gräve.

3. Welche Lehren zieht Konzert Theater Bern aus dem Fall?

Stiftungsratspräsident Benedikt Weibel sagt, der Stiftungsrat habe sich bei der Rekrutierung der neuen Schauspielleitung nun mehr als üblich eingebracht. Über die Details des Bewerbungsprozesses will der Stiftungsrat erst im August Auskunft geben. Klar ist: Der Stiftungsrat und Intendant Märki können sich keine Fehlbesetzung erlauben.

4. Weshalb hat KTB die Stelle nicht ausgeschrieben?

In Theaterkreisen wurde Kritik laut, weil KTB die Stelle nicht ausgeschrieben hat. Auf die Frage, ob ein öffentlich finanziertes Theater nicht dazu verpflichtet sei, entgegnet Benedikt Weibel, das sei «absolut unüblich – und auch unnötig, weil jeder weiss, dass die Stelle frei ist». Das sei auch hier wie beim Fussball.

5. Wer wird Schauspielchef?

Das wissen die Theatergötter. Seit längerem wird unter Insidern Andreas Hermann als Favorit gehandelt. Er hat im Frühling das Theater Luzern verlassen. Wie auch immer: In einer Sitzung im August will der Stiftungsrat einen Kandidaten zum Schauspielchef küren und danach bekannt geben. Michael Feller (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.07.2016, 19:05 Uhr

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