Warmer Applaus bei Asyldebatte

Hinterkappelen

Eine Asylunterkunft muss nicht zu gehässigen Voten führen: Die Containersiedlung von Gemeinde und Kirchgemeinde Wohlen stiess am Dienstag bei den Anwohnern auf Wohlwollen.

Grosser Aufmarsch, friedliche Stimmung: Gegen 150 Leute kamen gestern zur Info über die Asylunterkunft in Hinterkappelen.

Grosser Aufmarsch, friedliche Stimmung: Gegen 150 Leute kamen gestern zur Info über die Asylunterkunft in Hinterkappelen.

(Bild: Susanne Keller)

Stephan Künzi

«Wir stellen infrage, dass der Kanton immer Asylunterkünfte mit mindestens 100 Plätzen realisieren will.» Gemeindepräsident Bänz Müller (SPplus) markierte gleich zu Beginn des Infoabends am Dienstag die Position der Wohlener Behörden klar: Seine Gemeinde ist sehr wohl bereit, Asylsuchende aufzunehmen.

Sie ist aber ebenso dezidiert der Meinung, dass so grosse Unterkünfte nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Zumal so grosse Unterkünfte oberirdisch kaum zu finden seien, weshalb man praktisch nur auf unterirdische Zivilschutzanlagen ausweichen könne. Das wiederum sei für die Betroffenen sehr problematisch: «Vom Krieg traumatisierte Menschen unter Tag unterbringen zu müssen, ist von vornherein schlecht.»

Ein kompakter Block

Mit diesen Worten erklärte Müller einerseits, warum Wohlen seine Zivilschutzanlage im Kappelenring nicht für Asylsuchende öffnen will und gegen entsprechende Pläne des Kantons Widerstand leistet (siehe Infobox). Andererseits warb er für die Alternative, die die Gemeinde zusammen mit der Kirchgemeinde und der Stiftung von Mäzenin Ursula Streit realisieren will – eine Containersiedlung in der Lätti am Dorfrand von Hinterkappelen, die bis Ende Jahr 30 Leuten Unterkunft bieten soll.

Wie diese aussieht, skizzierte Kirchgemeindepräsident Christian Cappis. Laut ihm ist ein kompakter Block aus mehreren Einzelcontainern geplant. Alle Unterkünfte werden ebenerdig angeordnet, «wir haben eine zweistöckige Variante ebenfalls geprüft, diese aber als zu gross empfunden». Dass die Wahl auf Container gefallen ist, begründete Cappis so: «Unsere Unterkunft muss nicht nur ein paar Wochen, sondern vielleicht zwei bis fünf Jahre halten.» Gleichzeitig mache man mit einer solchen Lösung aber auch klar, dass die Unterkunft trotz allem nur als Provisorium gedacht sei.

Weniger Probleme als früher

Bei den gegen 150 Anwesenden stiess das Projekt auf grosses Wohlwollen. Ein Votant liess zwar durchblicken, dass ihn die Aussicht auf fremde Nachbarn, die nichts tun können und einen grossen Teil des Tages herumhängen, ziemlich stark verunsichert. Ihm hielt Iris Rivas als Leiterin des kantonalen Migrationsdienstes entgegen: Die Asylsuchenden, die heute einreisten, seien in der Regel sehr kooperative, ruhige und bescheidene Leute meist christlichen Glaubens. Sie machten, anders als etwa zu den Zeiten des Arabischen Frühlings, auch kaum Probleme. «Wir können den Sicherheitsdienst anderweitig beschäftigen.»

Rivas lobte das Vorgehen der Wohlener Behörden. «Wir sind sehr dankbar über dieses Engagement und hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht», sagte sie. Dass sich also auch die anderen vom Kanton zu Notunterkünften verpflichteten Gemeinden Alternativen überlegten.

Für einen positiven Schlusspunkt sorgte Mark Ineichen, der im Namen der Stiftung über das Wirken von Mäzenin Streit redete: Sein Votum erntete warmen Applaus.

Berner Zeitung

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