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Berner Gewerbe bodigt den Sauberkeitsrappen

Die Berner Stadtregierung lässt den Sauberkeitsrappen fallen. Zumindest vorläufig. Sie will nun mit der Innenstadtvereinigung Bern City eine Charta erarbeiten.

Stefan Schnyder
Gemeinderätin Ursula Wyss verkündet das vorläufige Aus für den Sauberkeitsrappen. Nun will sie mit Sven Gubler von Bern City (links) in Verhandlungen steigen.
Gemeinderätin Ursula Wyss verkündet das vorläufige Aus für den Sauberkeitsrappen. Nun will sie mit Sven Gubler von Bern City (links) in Verhandlungen steigen.
Christian Pfander

So gelöst hat man Ursula Wyss selten gesehen. Die Erleichterung war ihr anzumerken, als sie am Mittwochnachmittag in der Bäckerei und Rösterei Reinhard am Bubenbergplatz verkündete: «Die Stadt hat beim Projekt Sauberkeitsrappen nach alternativen Wegen gesucht.» Und einen gefunden. Flankiert wurde sie von Sven Gubler, dem Chef der Innenstadtvereinigung Bern City.

Wyss hatte am Vormittag dem Gemeinderat vorgeschlagen, die umstrittene Vorlage auf Eis zu legen, was dieser tat. Die Stadtregierung lässt damit ein rot-grünes Prestigeprojekt fallen. Zumindest vorläufig.

Widerstand war erfolgreich

Als Grund für die Kehrtwende führt Wyss die starke Ablehnung an, welche das Projekt bei den Betroffenen verursacht habe. Das hat die Vernehmlassung gezeigt, die Ende Mai zu Ende ging. Die Innenstadtvereinigung Bern City, die Interessengemeinschaft Detailhandel und die bürgerlichen Parteien kündigten dabei massiven Widerstand an. Sie stellten in Aussicht, die Vorlage vors Volk zu bringen und ihren Kampf bis vors Bundesgericht weiterzuführen. Zudem glaubt Wyss, dass jetzt ein guter Moment gekommen sei, um der Wirtschaft die Hand zu reichen: «Viele Betriebe teilen heute unser Ziel der Abfallvermeidung», betonte sie.

«Viele Betriebe teilen heute unser Ziel der Abfallvermeidung.»

Ursula Wyss (SP), Gemeinderätin der Stadt Bern

Da ist für Wyss eine Initiative von Bern City wie gerufen gekommen: Bern-City-Chef Sven Gubler schlug dem Gemeinderat vor, dass die Stadt und die Innenstadtvereinigung Verhandlungen über einen Kompromiss auf­nehmen.

Eine Charta bis Ende Jahr

Gemeinderätin Ursula Wyss will nun mit Bern City bis Ende Jahr eine Sauberkeits-Charta aushandeln. Sie machte klar, dass sie sich dabei nicht mit schönen Ankündigungen wird abspeisen lassen. Wyss formulierte es so: Die Charta soll «freiwillig-verbindlich» sein. Für sie ist klar, dass diese einerseits Ziele, aber auch Massnahmen enthalten soll. Sie zeigte sich überzeugt, dass es möglich sein wird, einen Kompromiss zu finden. Und sie betonte dreimal, dass sie sich freut, in diese Verhandlungen einzusteigen.

Der Tagessieger

Sven Gubler konnte sich am Mittwoch als Tagessieger fühlen. Der massive Widerstand von Bern City hat sich gelohnt. Doch nun sind er und seine Leute gefordert, auch mit Vorschlägen in die Verhandlungen zu steigen. Er betonte, dass die Wirtschaft und die Stadt das gleiche Ziel haben: «Wir wollen eine saubere Stadt und möglichst schnell den Abfall minimieren», sagte er. Die Wirtschaft stehe auch unter dem Druck der Konsumenten, die sich weniger Abfall wünschten. «Bereits heute hat Bern City viele Mitglieder, die innovative Konzepte zur Vermeidung von Abfall umsetzen», betont er.

Alexander Reinhard, in dessen Lokal die Medienkonferenz stattfand, zeigte ein paar Beispiele auf. So können seine Kunden in seiner Bäckerei den Kaffee zum Mitnehmen heute in einem wiederverwendbaren Becher kaufen. Zudem tüftelt er an einer Mehrwegverpackung für die Salate, die er anbietet.

Die Karte in der Hinterhand

Ursula Wyss machte auch klar, dass die Vorlage nur «sistiert» sei. Um mit möglichst guten Karten in die Verhandlungen mit der Wirtschaft zu steigen, will sie diese in der Hinterhand behalten. Wenn die Gespräche nicht die gewünschten Ergebnisse ergeben, behält sie sich vor, die Vorlage wieder aus der Schublade hervorzuholen.

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«Ein Akt der Vernunft», findet Stefan Schnyder, Leiter Ressort Stadt Bern. Lesen Sie auch seinen Kommentar.

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