Von Wellness bis von Wattenwyl

Die Stadtgalerie präsentiert in der Ausstellung «Beziehungsmuster» Kunst aus der städtischen Sammlung.

Bestandteil der städtischen Sammlung: Die Fotografie «Wellness #2» des Künstlerduos Lang/Baumann.

Bestandteil der städtischen Sammlung: Die Fotografie «Wellness #2» des Künstlerduos Lang/Baumann.

(Bild: zvg / Kunstsammlung der Stadt Bern)

Helen Lagger@FuxHelen

Der Mann erinnert ein wenig an einen alten Römer mit dem über die Schulter geworfenen Handtuch. Die Haltung der Frau, die Stand- und Spielbein sorgfältig positioniert, lässt an eine antike Skulptur denken. Modern ist das Setting, das die Ästhetik der Siebzigerjahre evoziert.

Die Fotografie stammt aus der Serie «Wellness» des Künstlerduos Lang/Baumann, bestehend aus Sabina Lang und Daniel Baumann, die auch privat ein Paar sind. Bekannt sind Lang/Baumann für ­ihre öffentlichen Interventionen. Sie sind die Gestalter von «Module #5», jener Bar, die diesen Sommer die Kunsthalle mit einer schwebenden Plattform erweiterte. Das Werk «Wellness #2» gehört der städtischen Sammlung und ist zurzeit im Rahmen der Ausstellung «Beziehungsmuster» zu sehen.

Ba Berger, Leiterin der Stadtgalerie, hat Lang/Baumann, Ka Moser und Beat Feller dazu eingeladen, eine Auswahl aus der Sammlung, die rund 3600 Werke umfasst, zu treffen und diese mit eigenen Arbeiten zu konfrontieren. Lang/Baumann stellt «Wellness #2» einem dramatischen Werk aus den Dreissigerjahren gegenüber. «Die Kündigung» (1930) ist ein grossformatiges Gemälde von Erica von Kager (1890– 1978).

Es zeigt genau jenen Moment, in dem einem Mann in einer Fabrik die Kündigung überreicht wird. Man wisse nicht genau, wie dieses Werk in die Sammlung gekommen sei, sagt Berger. Sabina Lang hätte als Kind Bücher mit Illustrationen der in Vergessenheit geratenen Künstlerin besessen.

Tulpentänze und Fabeltiere

Im zweiten Raum präsentiert Ka Moser ihren ganz eigenen Blick auf die städtische Sammlung. Die 1937 in Zürich geborene Künstlerin bereichert seit 1968 die Berner Kunstszene mit minimalistischen Farbgedichten. Das Bild «Rotmalgelb» (1996) besteht aus einer Leinwand mit einem Raster, wie man sie aus Schulheften kennt. Nebst dieser subtilen Malerei zeigt die Künstlerin zwei Fotografien aus der Serie «Tulpentänze». Ein verblasstes Bouquet verweist mit Melancholie auf die Vergänglichkeit aller Dinge.

Noch nicht von der Zeit weggerafft sind Ka Mosers lebhafte Erinnerungen. Sie hat noch lebende und bereits verstorbene Weggefährten ausgewählt. Die auch für eigenwillige Klavierperformances bekannte Künstlerin spricht bei ihrer Auswahl von einer «Komposition». Mit jedem Werk verbinde sie eine persönliche Geschichte. Von Marie-Louise von Wattenwyl (1943–2009) gibt es eine zarte Zeichnung zu entdecken. Es ist ein verwunschener Wald voller Fabeltiere.

Von Wattenwyl habe zeitlebens unter ihrer adeligen Familie und Herkunft gelitten und behauptet, sie selbst stamme von Zigeunern ab, erklärt Moser. Zeitgenossen würden sich an eine Frau, die sowohl Hippie wie Punk war, erinnern. Ganze 26 Kunstschaffende hat Ka Moser berücksichtigt, sowohl in Vergessenheit Geratene wie auch grosse Namen. Von Balthasar Burkhard (1944– 2010), bekannt für monumentale Tieraufnahmen, gibt es eine ungewöhnliche Fotografie eines haarigen Männerfusses von 1979/1980 zu sehen.

Im letzten Raum integriert schliesslich der 1955 geborene Musiker und Bildhauer Beat Feller sein eigenes, von einfachen geometrischen Formen geprägtes Werk in eine Auswahl an Gemälden und Objekte, die wie Echos auf seine eigene Arbeit wirken. Beziehungen sind in allen drei Räumen der anregenden Schau Programm.

Ausstellung: bis 3. 11. Eröffnung: heute Donnerstag, 4. 10.,18 Uhr, in der Stadtgalerie, Bern. Mehr Infos: www.stadtgalerie.ch.

Berner Zeitung

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