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Von New York City nach Bern Spitalgasse

Nina Egli ist eine von acht Designern, denen Loeb eine Plattform bietet. Obwohl: Unterstützung hat sie nicht mehr nötig – ihr Schmuck hat es bis nach Hollywood geschafft. Stars wie Scarlett Johannson tragen ihn.

Schaufenster Wiedemann
Schaufenster Wiedemann
Rose Marie Vocat
Tran Hin Phu
Tran Hin Phu
Rose Marie Vocat
Kazu Huggler
Kazu Huggler
Rose Marie Vocat
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«Unsere Kleider sind leider noch nicht angekommen», sind die ersten Worte von Nina Egli, «eine Verspätung in der Produktion.» Darum gibt es vorerst bloss den Schmuck. Die 30-Jährige ist trotzdem der Star unter den acht Designern, die im Loeb-Schaufenster ausstellen – und die am Donnerstag alle vor Ort waren.

Die Zürcherin, die dank dem Grosi in Bern auch problemlos ins Berndeutsche wechseln kann, ist für ihr Schmucklabel «Toujours Toi» bekannt – und das nicht etwa nur in der Schweiz. Denn auch Hollywoodstars wie Scarlett Johannson tragen ihre Kreationen. Die berühmten Botschafterinnen haben der jungen Designerin weltweite Medienaufmerksamkeit beschert. Wenn man die kitschigen Klunker betrachtet, die meist aus nicht sehr originellen Motiven wie Herzen und Ankern oder Tierchen wie Vögeln und Pferden basieren, fragt man sich allerdings spontan, wie es überhaupt so weit kommen konnte.

«Keine gezielte PR», versichert Egli, «es sei halt einfach so passiert.» Geholfen haben dürfte der Umstand, dass sie in New York die Schauspielschule besuchte, noch immer dort lebt und über ein gutes Netzwerk verfügt. Letzteres kommt nicht von ungefähr: Ihre lockere Art gefällt. Beim Apero im Loeb jongliert sie mit Cüpli und Häppli und plappert völlig ungezwungen drauflos. Dabei erzählt sie amüsante Geschichten – zum Beispiel über den Messingknopf an ihrer Hose, für den sie halb Jaipur in den Wahnsinn getrieben habe. Mutter Egli mischt mit Betrachtet man die leuchtend grünen Samt-Shorts genauer, hat man wirklich das Gefühl, dass kein anderer Knopf in Frage kommt. Das Stück ist ein Prototyp aus der ersten Kollektion des Labels «Family Affairs», das Nina Egli gemeinsam mit ihrer Mutter Kaya ins Leben gerufen hat – und das im Loeb eigentlich seine Premiere feiern sollte.

Das «Mami» wirkt neben ihrer mediengewandten Tochter etwas schüchtern, obwohl sie eigentlich auch eine spannende Geschichte hat: In den 60er-Jahren war Kaya Egli selbst ziemlich erfolgreich und schneiderte in London in der legendären Apple Boutique der Beatles – zu ihren Kunden gehörten zum Beispiel Jimi Hendrix oder Donovan.

Mit etwas weniger Glamour behaftet, aber nicht minder interessant, sind die sieben anderen Schweizer Kreativen, denen Loeb eine Plattform bietet. Da ist zum Beispiel die Berner Schuhdesignerin Anita Mose, die geschickt mit Gegensätzen spielt: Sie lässt sich unter anderem von klobigen Holzzoggeli inspirieren und macht daraus sexy Highheels. Ebenfalls aus der Region Bern stammt Tran Hin Phu, der 2001 den Swiss Textiles Award gewonnen hat. Der 33-Jährige mit chinesisch-vietnamesischen Wurzeln spricht zwar perfekt Mundart, ist jedoch an jenem Abend etwas einsilbig. Er lässt seine Kleider lieber für sich selbst sprechen. Das gelingt vor allem dem kleinen Schwarzen aus Manchester gut: Es hängt nicht nur an der Stange, sondern wird auch gleich von Schuhdesignerin Moser getragen – was sowohl Kleid wie auch Model schmeichelt.

Wie eine Faust aufs Auge wirkt hingegen der Wickeljupe, den sich Christa Michel spontan um die Hüfte drapiert, um ihre Mode an sich selbst vorzuführen. Der Jupe ist aus Merinowolle und würde eigentlich am besten zu einer feinen Dame passen. Die 42-jährige Designerin aber ist stark tätowiert und sieht wie eine Rockerbraut aus. Was ästhetisch völlig unvereinbar scheint, hat jedoch Programm und hat der Zürcherin schon zahlreiche Preise eingebracht.

Jedem Label seine Stars

Alle acht Schweizer Designer, haben bereits Auszeichnungen gewonnen und schon einige Kollektionen entworfen – ausser Nina Egli, die sich zwar mit ihrem Schmuck einen Namen gemacht, aber noch keine Kleider entworfen hat. Vielleicht mit ein Grund für die verspätete Lieferung. Egal. Kann sie an ihren Erfolg anknüpfen, ist das Label eigentlich schon jetzt der letzte Schrei – zumal die quirlige Networkerin mit der aufstrebenden New Yorker Girl Group «Au Revoir Simone» bereits geeignete Botschafterinnen gefunden hat.

Junge Schweizer Designer im Loeb, noch bis 20. September.

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