Von Graffenrieds Rüge richtet sich gegen ihn selber

Der Kommentar von Stadt-Redaktor Christoph Hämmann zur Kommunikationsweise von Alex Von Graffenried zur «Beamtenparty».

«Alec von Graffenried tut sich schwer mit klarer Kommunikation», meint Redaktor Christoph Hämmann.

«Alec von Graffenried tut sich schwer mit klarer Kommunikation», meint Redaktor Christoph Hämmann.

(Bild: Raphael Moser)

Christoph Hämmann

Die Untersuchung zur «Beamtenparty» bestätigt, was oft kolportiert wird: Alec von Graffenried tut sich schwer mit klarer Kommunikation. Bei einem Mann, der sich selber schon als harmoniesüchtig bezeichnet hat, überrascht dies nicht. Die Charaktereigenschaft verträgt sich allerdings nur bedingt mit der Bedeutung des Vollziehens, die sich im Wort Exekutive verbirgt.

Zur Erinnerung: Von Graffenried besetzt das höchste Exekutivamt in der Bundesstadt. Dazu gehört ganz wesentlich, nach innen und nach aussen Entscheide zu fällen, zu vertreten und durchzusetzen, die niemals allen gefallen können.

Vor dem Fest versäumte es von Graffenried, seiner Kulturchefin klare Vorgaben zu ­machen. Dies ist umso unverständlicher, als Veronica Schaller im ersten Gespräch über die geplante Feier sogar Kosten von 40'000 Franken überschlagen hatte. Von diesem Zeitpunkt an hätte der Stapi hochgradig sensibilisiert sein müssen. Stattdessen blieb seine interne Kommunikation bis zum Anlass missverständlich, kon­trolliert wurde Schaller nicht.

Gegenüber den Autoren des Untersuchungsberichts sagte von Graffenried, er sei von Schaller zwei Wochen vor dem Fest über dessen Kosten informiert worden, habe «diese Information aber nicht zur Kenntnis genommen». Ebenfalls widersprüchlich war seine externe Kommunikation nach dem Anlass.

Der Bericht zeigt auf, dass Schaller auch dank von Graffenrieds unklarer Kommunikation so kreativ wirtschaften konnte, wie sie es tat. Seine Führungsverantwortung nachträglich doch noch wahrzunehmen, hätte bedeutet, Schaller den Rücken zu stärken und den Vernetzungsanlass samt dessen Kosten zu verteidigen.

Stattdessen erteilte der Stapi seiner Kulturchefin eine Rüge. Weil sich diese gemäss dem Bericht nicht rechtfertigen lässt, richtet sie sich als Denkzettel gegen ihn selber.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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