Von der Spitalküche zur Spielhalle

Bern

Seit kurzem ist die Partie Boule auch bei Schnee und Regen möglich. Der Berner Pétanque-Club Boulissima hat in der ehemaligen Zieglerspitalküche die erste Halle der Stadt eröffnet.

Boule bei jedem Wetter: Seit diesem Winter gibt es in Bern eine Pétanque-Halle.
Christoph Albrecht

Eigentlich können sich die Berner Pétanquespieler ja nicht beklagen. Ob Lorrainepark, Platanenhof Unitobler oder Münsterplattform: In der Bundesstadt gibt es gleich mehrere öffentliche Plätze, die sich der Kiesunterlage wegen optimal fürs Boulespiel eignen – und das erst noch vor teilweise spektakulärer Kulisse.

Nur: Bern ist eben nicht Marseille. Während in Südfrankreich praktisch das ganze Jahr hindurch dem Spiel mit den Metallkugeln gefrönt werden kann, setzen Regen, Schnee und Kälte der hiesigen Boulesaison relativ enge Grenzen.

Vor dem Spiel mussten sie erst schleppen

In Zukunft wird die Pétanquesaison jedoch auch in der Schweizer Bundesstadt 365 Tage lang dauern. Möglich macht dies das Boulissidrome – Berns erste Pétanquehalle. Sie steht seit diesem Winter in der ehemaligen Zieglerspitalküche.

«Für uns ist das ein Meilenstein», sagt Toni Caspar, Präsident des Berner Pétanquevereins Boulissima. Caspar und seine Vereinskollegen waren es, die den neuen Spielort im November ins Leben gerufen haben.

Bis dahin mussten sie in der kalten Jahreszeit jeweils auf Hallen in Biel oder in der Romandie ausweichen. «Wir suchten deshalb schon länger nach einem eigenen Winterdomizil», sagt Caspar. Nachdem das Ziegler­spital geschlossen worden war, klopften die Boulespieler bei der Stadt an, der das Areal gehört.

Im vergangenen Sommer kam schliesslich die Zusage. «Wir konnten den Raum für sieben Jahre mieten», so Caspar. Wie es ab 2024 weitergeht – so lange laufen vorerst alle Zwischennutzungen auf dem ehemaligen Spitalareal – ist noch offen.

Mit der Unterschrift im Mietvertrag war es für den Pétanque-Club jedoch noch nicht getan. Um die ehemalige Spitalküche in eine Boulehalle mit sieben Feldern umzufunktionieren, mussten die Vereinsmitglieder anpacken – und dürften dabei mindestens so fest ins Schwitzen gekommen sein wie bei einem hart umkämpften Turnier.

«Wir haben die Bahnen von A bis Z in Eigenleistung gebaut», sagt Toni Caspar. Nicht weniger als 40 Kubikmeter Mergelstein habe man für die Spielunterlage ins Untergeschoss schleppen und verarbeiten müssen. Dutzende weitere Garetten Kies kamen für die Oberfläche dazu.

«Es läuft wie am Schnürchen»

Um den Lärmpegel der aufprallenden Kugeln einigermassen im Rahmen zu halten, mussten der Boden der Bahnen sowie sämtliche Banden zudem mit Gummimatten eingekleidet werden. Dies nicht nur, um die eigenen Ohren zu schonen, sondern weil sich auf der Etage über der neuen Boulehalle ein Hostel befindet. «Bisher hat es zum Glück kaum Reklamationen gegeben», so Caspar.

Um 22 Uhr abends sei zudem jeweils Schluss mit Spielen. Gäbe es diese Begrenzung der Öffnungszeiten nicht, würde wohl rund um die Uhr «gekügelt» werden an der neuen Spielstätte mit den alten, weiss gekachelten Wänden. «Es gibt Spieler von uns, die sind mittlerweile jeden Tag hier», sagt Caspar.

Der Berner Bouleszene scheint die neue Halle jedenfalls bereits einen Schub gegeben zu haben. «Wir haben seither mehrere Clubmitglieder dazugewonnen.» Die Freude ist aber offenbar nicht nur unter den Boulecracks gross. Auch viele Externe, denen die Halle samt Barbetrieb ebenfalls offensteht (siehe Box), würden das neue Angebot regelmässig nutzen. «Es läuft wie am Schnürchen.»

Höhenflüge bis dieDeckenlampen bersten

Und die lauschigen Berner Aussenplätze unter freiem Himmel? Die Boulespieler scheinen sie zumindest jetzt im Winter kaum noch zu vermissen.

Allerdings: An die etwas knapperen Indoorplatzverhältnisse müssen sich einige Spieler offensichtlich noch etwas gewöhnen – vor allem jene, die sich von den Partien im Park gewöhnt sind, die Kugeln in hohem Bogen zu werfen. Ihnen kam in der neuen Halle laut Präsident Toni Caspar schon wiederholt die Decke in die Quere. «Es gingen bereits einige Lampen ­kaputt.»

Berner Zeitung

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